Wetterkunde

Pinker Regenschirm und gelbe Gummistiefel Freisteller

Mein englischer Ehemann ist schon ganz genervt: Immer wenn er sagt, woher er kommt, erntet er von den Deutschen mitleidige Blicke und einen Kommentar über den vielen Regen in England. „In London regnet es viel weniger, als ihr denkt!“ ruft er dann stets verzweifelt gen Himmel. Was aber ist dran, an dem Mythos vom Engländer und dem Wetter?

Es ist das ultimative Klischee: Der Engländer spricht gern über das Wetter. Allzu oft trifft dies jedoch in der Tat zu. Der perfekte Einstieg für jede Unterhaltung mit einem Fremden sind Sätze wie It’s turned out nice again (dieser klassische Ausspruch ist sogar in Form eines Films verewigt worden).

Woran dies liegen mag ist eine Frage mit vielen möglichen Antworten. Ein Grund ist sicherlich, dass das Wetter auf der Insel sich für gewöhnlich rasch ändert und somit nahezu unerschöpflichen Gesprächsstoff liefert. Die sprichwörtlichen vier Jahreszeiten an einem Tag habe ich persönlich diverse Male erlebt, beispielsweise im April 2000, als ich mit Freunden zunächst noch im T-Shirt im St James‘ Park picknickte, dann wurde es stürmisch und begann zu schütten, kurz darauf fielen ein paar Schneeflocken und wenige Minuten später kam wieder die Sonne heraus.

Der Exildeutsche Henning Wehn hat das Phänomen des Wettergesprächs in seiner TV-Mini-Serie An Immigrant’s Guide to Britain (Channel 4) sehr anschaulich demonstriert. Eine ungarische Einwanderin machte dort (S01 E01) den Test: Die ungarische Art, in Form eines Komplimentes mit Fremden ins Gespräch zu kommen, sorgte allseits für Misstrauen. Sobald die Kontaktsuchende jedoch einen Kommentar zum Wetter offerierte, waren die Menschen offen und gesprächig.

Dass dieses metereologische Vor-sich-hin-Philosophieren nicht einmal bewusst als „Gespräch“ wahrgenommen wird, zeigt die folgende Situation aus dem Immigrant’s Guide: Ein Herr ergeht sich ganze 30 Minuten in Bemerkungen zum Wetter der letzten Tage. „You like talking about the weather?“ fragt die Ungarin ihn. Es schaut daraufhin ganz erstaunt und erwidert: “Not particularly, no. Why?”

Das Wetter ist das Sesam-öffne-dich zur britischen Seele. Eine Zauberformel, die die Macht besitzt, selbst schüchterne Mauerblümchen in smooth operators zu verwandeln. Probiert es doch bei nächster Gelegenheit einmal aus. Es mag zwar einfallslos sein, wie Oscar Wilde befand, doch es erfüllt seinen Zweck. Ich verspreche Euch, Ihr werdet Überraschendes erleben!

Übrigens ist, wie bereits im Beitrag „Radiokult“ erwähnt, der Seewetterbericht (shipping forecast) eine besondere Ausprägung der britischen Wettervernarrtheit.

Für die weitere Lektüre über das Englischsein sei zudem zum wiederholten Male Kate Fox‘ Buch Watching the English wärmstens empfohlen.

Der Pommes-Buddha sagt: Auf Regen folgt Sonnenschein.

  

Advent adventure

Paar auf dem Weihnachtsmarkt

As my fellow observer of the German culture Adam Fletcher writes in his new book How To Be German – Part 2, Christmas is serious business in Germany. And it all starts with the run-up to Christmas, which is Adventszeit (Advent season). There are certain things any self-respecting German should do. Here’s a bit of Adventiquette …

Christmas seems to be coming sooner each year. Supermarkets started displaying Christmas paraphernalia such as Lebkuchen (a type of gingerbread), Spekulatius (spicy biscuits) and not to forget the all-German currency Dominosteine (cubes of layered chocolate, gingerbread and marzipan) in late September this year. So you’ve just waved off your beach towel into hibernation and, poof!, it’s Christmas!

And every year I make the mistake of thinking I have plenty of time till Christmas. And every year, the Erster Advent (first Sunday of Advent) comes as an utter surprise. We interpreters have high season in November. So there I am, working my arse off with no figurative room to swing a cat, and I suddenly find myself hauling my exhausted body into the catacombs of my home to find the box with the Christmas decorations because – Lesson 1 – Germans perfuse their places with Räuchermännchen smoke and clutter them with tinsel, an Adventskranz (advent wreath) and possibly even a Christmas tree the fricking second the clock strikes 24th December minus four Sundays, which was 27th November this year.

Lesson 2: Have Adventskaffee on each of the four Sundays leading up to Christmas. In the hardcore (read: default) version, this includes offering a home-baked variety of at least three different sorts of Christmassy biscuits you prepared earlier in life. Not to forget the lighting of the candle(s) and, should you be so inclined, a dollop of Hausmusik.

Lesson 3: Craft an Advent calendar for someone. Honestly, parents go mental just before the end of November. My friend saw one of her friends in a shopping frenzy the other day because when confronting her fourteen and fifteen-year-old daughters with the fact that she assumed they had ‘outgrown’ Advent calendar age, she saw tears dwelling up in her teenage offspring’s eyes.

My own mother, much to my amusement, kept doing Advent calendars for us until we moved out. Thanks to her, I will never run out of little ‘useful’ things such as permanent markers and paper clips in my whole life.

Regarding the crafting front, I went on strike this year, though. After giving my older daughter one little present a day from 1st to 24th December for several years, seeing her roll her eyes at most of the gifts I had so lovingly and carefully selected, I decided it was time to opt for the path of least resistance, hop on the capitalist toy industry’s bandwagon and buy a Playmobil Advent calendar. And what can I say? They. Just. Love it. Every shitty little farmer’s fork provokes outbursts of limitless delight. I’ve spent less time and money, and they are happy as shit. Win-win. What more could a parent’s heart desire?

Lesson 4: On the evening of 5th December, children put one of their (polished!) boots outside the front door and wait for Nikolaus to fill it up with goodies (read more here). Yes, this is on top of Advent calendars and Christmas presents! I know: in November most German parents are left with nothing but heels to chew on while their children feast on the horn of plenty. Modern German Parenting 101.

Lesson 5: In the ample free time that is not used on crafting, baking, decorating, shopping, cleaning boots or playing music, see to your other Germanic duties such as downing some Glühwein (mulled wine) or Feuerzangenbowle (read more on this here) at the Christmas market, eating some Grünkohl (kale – yes, forget the smoothie movement – we started it many moons ago) and, most importantly, joining a round of Wichteln (Secret Santa) or Schrottwichteln (‘Scrap Secret Santa’ – find the most horrible gifts).

Any questions?

Ah, did I mention it’s one of my favourite times of year?

The Pommes Buddha says: Have a lovely German December!

> Audioversion

  

Manche sind gleicher

Equality concept

Am 10. November war Equal Pay Day im Vereinigten Königreich. Das bedeutet, dass britische Frauen im Durchschnitt von diesem Tag an umsonst arbeiten, während die britischen Männer bis zum 31.12. bezahlt werden. Klingt ungerecht? Ist auch so. Aber wie steht Deutschland im Vergleich da?

Mein englischer Ehemann ist genervt. „Unglaublich, wie sexistisch Deutschland ist!“ findet er immer wieder. Besonders spiegele sich das im deutschen Fernsehprogramm wider. Diskussionsrunden seien fast ausschließlich mit Männern besetzt – und häufig mit einer „Alibi“-Frau, die dann aber auch optisch etwas hermachen müsse. Moderatoren seien vorwiegend männlich. Im Unterhaltungsbereich, aber auch in halb-seriösen Formaten, würden klassische Rollenklischees bedient.

Insbesondere im Sportbereich präsentierten sich Frauen, offenbar auch nach ihrem Selbstverständnis, als schmückendes Beiwerk – man schaue sich eine beliebige Siegerehrung an. Weibliche Fußballkommentatoren würden, so sich denn ein Sender überhaupt einmal progressiv vorwagt und sie einsetzt, von Shitstorms überrollt.

Nicht nur mein Mann findet das peinlich. In vielen anderen europäischen Ländern wird Deutschland als sehr konservativ wahrgenommen, was die Gleichstellung der Geschlechter betrifft. (Siehe hierzu auch „Raven Mothers“.)

Dies drückt sich auch in Zahlen aus. In Prozentpunkten beträgt der sogenannte Gender Pay Gap, also der Verdienstunterschied zwischen den Geschlechtern, in UK 13,9 %. In Deutschland beträgt er saftige 21 %. Deutsche Frauen werden demnach bis zum 18. März 2017 arbeiten müssen, um dasselbe zu verdienen wie deutsche Männer bis Ende 2016. Der 18. März ist denn auch der deutsche Equal Pay Day.

Auch wenn Großbritannien in Geschlechterfragen fortschrittlicher ist als Deutschland, bleibt in beiden Ländern viel zu tun. Hier gilt es, für jede und jeden Einzelnen, auch in den banalsten Situationen Farbe zu bekennen.

Und wer hier Berührungsängste mit dem Wort „Feminismus“ hat, dem lege ich die englische Journalistin Caitlin Moran ans Herz, die in ihrem Buch How to Be a Woman einen Feminismus-Schnelltest entwickelte: „So here is the quick way of working out if you’re a feminist. Put your hand in your pants. a) Do you have a vagina? and b) Do you want to be in charge of it? If you said ‘yes’ to both, then congratulations! You’re a feminist.“

Und als Mann darf man sich fragen: Möchte ich, dass meine Freundin/Ehefrau/Tochter ein selbstbestimmtes Leben führt? Hier gilt entsprechend: Wer diese Frage mit „ja“ beantwortet, ist – hoppla! – Feminist. So schnell kann’s gehen! Been there. Done that.

Wer von seiner neu gewonnenen Identität nun mehr erwartet als nur ein lousy t-shirt, dem sei zum weiteren erbaulichen Konsum, neben Caitlin Morans Buch, der Blog von Pinkstinks (und hier insbesondere der jüngere Beitrag zum Thema Rollenverhalten) und die WDR-Sendung FrauTV wärmstens empfohlen.

Der Pommes-Buddha sagt: Männer sind (noch) gleicher als Frauen.

> Audioversion

  

Troubled transport

Beautiful railway station with modern red commuter train at suns

The other day I was working in Mainz, and a colleague on my team asked me if I had “mit der Bahn gekommen”. Indeed I had. But what do Germans mean when they say Bahn? And where do ice trains come from or go to? Come and join me on a railway journey through the land of trrrävelling …

Mainz is about 180 km from Cologne. If I had been asked the exact same question (“Bist du mit der Bahn gekommen?”) on a local job in Cologne, it would have meant local public transport, specifically the U-Bahn (underground trains) and Straßenbahn (trams), and sometimes S-Bahn, which stands for Schnellbahn (urban rail).

To make matters even more confusing, there are quite a few German cities, including Cologne, where underground trains turn into trams and vice versa, and Bahn is universally used to mean either.

When you travel further, however, i.e. regionally or (inter)nationally, die Bahn usually refers to regional or national rail services, the largest provider of which is the formerly state-owned Deutsche Bahn (DB). A synonym for travelling by rail is mit dem Zug fahren, which never refers to trams or underground trains.

You will also hear many Germans talk about specific types of Deutsche Bahn trains they use, the most common ones being ICE, IC and Regionalexpress or Regionalbahn. What do these names denote?

ICE (pronounce individual letters, i.e. [i tse e] – although I have taken quite a liking to the fact that other nationals call it the ‘ice train’ … I picture snowy train roofs, frosted windows with icicles and a steam train puffing through a winter wonderland …) stands for – wait for the rather disappointingly prosaic reality check here – Inter City Express. How unimaginative. Picture me pouting.

It’s supposed to be the fastest German train – a concept that is put into perspective in view of the fact that long-distance trains accounted for most of DB’s over seven years of delays in 2015 alone (cf. Handelsblatt article 3,79 Millionen Minuten Verspätung). Yes, I’m sorry to be the one to break this news to all of you who still believed in the fabled German virtue that is punctuality. Woe is me, that ship has sailed. Or rather, that train has left.

And then we have the IC, which is – who can guess? Yes, ta dahhh! The Icicle Crusher! It, too, is a relatively fast train, relatively being the operative word here.

Finally, you have your Regionalexpress and your Regionalbahn. The former is the train that stops at the larger regional stops, i.e. metropolises including Oer-Erkenschwick and Bad Oeynhausen, while the latter, also referred to as Bummelzug or Bummelbahn, stops an jeder Milchkanne, as we Germans say. Both are 5 minutes late by default. This is because only delays in excess of 5 minutes appear in DB’s delay statistics.

As for the Bummelbahn, though, it can get even bummeliger than that. DB has even sub-regional trains up its sleeve, some of which run on diesel fuel, going where no man has ever gone before. Where no Milchkanne has ever been spotted, even. Picture a poor, lonely, dusty train all alone, tumbleweed, and, in the distance, a stranger playing the harmonica … I digress.

I like trrrävelling viz Deutsche Bahn because, if nothing else, you will always have enough time to finish prepping for the job you’re going to. Or writing blog entries about die Bahn.

The Pommes-Buddha says: Five minutes are zero minutes. (Zero minutes can feel very long.)

> Audioversion

  

Wo ist die Gurke?

Cucumber and slices isolated over white background

Neulich hatte ich mal wieder ein Synchron-Erlebnis der dritten Art. Ich sah mir im WDR die erste Folge der Serie Cucumber an (Spoiler-Alarm!). (Ja, wie schon letztes Mal erwähnt: Ich bin in der digitalen Steinzeit aufgewachsen und schaue oft ganz gewöhnliches Fernsehen. Freddy würde hierzu sagen: „That’s so 35-years-old!“) Der Trailer hatte mich neugierig gemacht. Aber da die Serie auf Deutsch synchronisiert war, fehlten mir grundlegende Informationen.

Zu Beginn geht ein Mann etwa mittleren Alters durch einen Supermarkt. Aus dem Off hört man seine Stimme. Aus dem Trailer wusste ich, dass die Serie synchronisiert ist, und nahm an, es handele sich um eine US-amerikanische Serie. Hätte ich diese Off-Stimme gleich im Original gehört, hätte ich gewusst, dass es eine britische Serie ist.

Gut, diese Information kann sich die aufmerksame Zuschauerin dann kurz später zusammenreimen, da sie bald britische Straßenzüge (enge Straßen, britische Verkehrszeichen, gelbe Linien am Straßenrand etc.) erspäht. Da fragte ich mich dann, mangels unmissverständlich zuordenbarer Bauwerke, ob die Serie wohl in London spielt. Dies hätte sich gegebenenfalls ebenso durch eine Kumulation entsprechender regionaler Sprachakzente erkennen lassen.

Nach etwa einer halben Stunde wird über Daniel, den neuen Kollegen einer der Hauptfiguren, Lance, gesagt, er sei „moved up here from London“. Hm. Also nicht London. Kurz darauf wird dann Manchester erwähnt – eine Stadt, deren Akzent für Geübte recht eindeutig erkennbar ist.

Verblüffend, dachte ich mir, wie viel doch in ein paar kleinen originalen englischen Sätzen liegen kann. Insbesondere, da in der gesprochenen britischen Sprache die Regionalität sehr stark ausgeprägt ist und in britischen TV-Produktionen oft eine wichtige dramaturgische Rolle spielt. Auch erinnere ich mich, dass es früher bei deutschen Synchronisationen üblich war, die mit dieser Regionalität verknüpften Assoziationen durch eine ähnliche entsprechende Färbung in der Zielsprache hervorzurufen. Beispielsweise hat der Texaner Major Kong in der deutschen Fassung von Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb einen ruhrdeutschen Akzent. (Mehr über den Umgang mit Ruhrpottlern und deren Sprache findet Ihr hier: http://www.ruhrgebietssprache.de/.)

Um mich nicht des Sprecher-Bashings schuldig zu machen, ist es mir ganz grundsätzlich übrigens ein Anliegen, einmal zu erwähnen, dass es nicht die deutschen Stimmen als solche sind, die die Synchronisation zu einer Zumutung machen. Viele Sprecher leisten ganz wunderbare Arbeit und bemühen sich, der jeweiligen Figur Leben einzuhauchen. Mich stört vielmehr die künstliche Distanz, die durch die Synchronisation selbst, ungeachtet ihrer Qualität, geschaffen wird. Mehr zum Thema schrieb ich bereits in „An mein Ohr kommt nur Wasser und O-Ton“ und in „Magnum in distress“.

Ich begrüße daher die Initiative einiger Sender, einige englischsprachige Serien und Shows im Original mit Untertiteln zu zeigen. Besonders lobend erwähnt sei in diesem Zusammenhang die großartige Tonight Show mit Jimmy Fallon, die der TV-Sender „One“ (ehemals „Einsfestival“) tagesaktuell mit deutschen Untertiteln zeigt, vor denen man nur den Hut ziehen kann! (Leonie and colleagues, you rock!)

Wie dem auch sei: Mein englischer Ehemann und ich besorgten uns dann jedenfalls Cucumber auf Englisch und waren, kurz gesagt, begeistert! Ein unkonventionelles Setting in der LGBT-Szene von Manchester, eine Erzählung mit stilsicheren Pointen, in der sich dennoch jeder wiederfindet und eine Besetzung, die wie Arsch auf Eimer passt, machen dieses Juwel der britischen Fernsehwelt zu einem herausragenden Comedy-Drama. Cucumber sei jeder ans Herz gelegt, die jenseits der Vorstadtidyllen-Unterhaltung die eigenen Vorstellungen aus einem inspirierenden Blickwinkel unter die Lupe nehmen und mal wieder so richtig lachen (und ein wenig weinen) möchte.

Wer sich übrigens manchmal fragt, wer eigentlich die deutsche Stimme von … ist, wird hier sicher fündig: https://www.synchronkartei.de.

Der Pommes-Buddha sagt: Gurke mit Untertiteln – ein Gedicht!

> Audioversion

  

Don’t Fräulein me!

mdchen und bursche auf feldweg laufend I

Recently, I watched Season 5 of Homeland. (In British English, it used to be “Series 5” – and while people still say this, the American version of Staffel is slowly taking over.) This latest series of Homeland (and in my personal view best one yet) being based in Berlin, I was flummoxed by a few rather striking blunders. Here’s what Homeland doesn’t get quite right about Germany. (Spoiler alert!)

  1. We don’t use Fräulein At all.

Contrary to what American film and TV productions would like the world to think – because it sounds so neat and German or for whatever other reason – in the German language we no longer distinguish between a married and an unmarried woman. Since the 1980s, we have been using “Frau” to address any female person over 16 years of age. (For more details, please read “You can say you to me”.) No exceptions. Fräulein, which Carrie uses referring to her daughter’s teacher, sounds very wrong!

  1. Doctor-patient privilege applies to gunshot wounds as well.

Interestingly, in the extras on the Homeland DVD (yes, my name is Sarah and I’m not a digital native, and I still watch DVDs – Hello Sarah!) the producers say they chose Germany as a setting for their plot specifically for its strict privacy laws. Yet they ignore one of the central privacy laws in Germany which says that it is not only not obligatory but even prosecutable for a doctor to report a gunshot wound. So it is simply unthinkable that a former intelligence officer (Peter Quinn) who knows any country he is in like the back of his hand would refuse medical treatment in Germany if he is shot.

  1. The BND does not have its own police force.

Unlike the CIA, the German intelligence service BND (Bundesnachrichtendienst) has no police force of its own. The national police forces are the Bundespolizei (Federal Police), the Bundeskriminalamt (the Federal Criminal Police Office, where I happen to have worked as a translator at the beginning of my career) and the Polizei beim Bundestag (German Parliament Police).

  1. German legal proceedings do not include video-taping or depositions.

As an interpreter working in patent law, I found this slip quite interesting, especially as I often interpret during depositions, even depositions held on German soil – but they are never part of German proceedings. Also, at no point during German legal proceedings are testimonies or any kinds of statements recorded live, ie on audio or audiovisual media (with possible exceptions when children are heard as witnesses). Usually, we do not even have word-for-word transcripts – these can only be requested in court as an exception.

So despite the fact that the Homeland crew apparently gets high-ranking (former) intelligence-service experts to sit around a table to bounce ideas off them while not thinking to find a person who has lived in Germany in the past decade to double-check basic facts that, if got right, would lend the programme more credence (thanks for staying tuned to the end of this monster subclause) I still consider this latest Homeland series the most exquisite one yet. The plot is just so well-written and the characters are superbly played. Turn a blind eye to some basics, and you will have a nail-biting ball!

More food for series junkies coming soon …

The Pommes Buddha says: No, we don’t all wear lederhosen, thank you very much!

> Audioversion

  

Strandurlaub

Sunrise at Brixam in Devon

Wenn ich Freunden und Bekannten erzähle, dass ich nach England in den Sommerurlaub fahre, ernte ich oft mitleidige Blicke. England hat bei den Deutschen, vollkommen zu Unrecht, den Ruf, täglich mit Regen oder zumindest allenfalls unbeständigem Wetter aufzuwarten. Hier eine kleine Anleitung für diejenigen, die sich trotzdem trauen.

Großbritannien ist bekanntlich eine Insel und hat somit viel Strand. Mein englischer Ehemann wird es nicht müde zu betonen, dass man von jedem beliebigen Punkt in England aus binnen maximal zweier Autostunden am Strand ist. Doch was erwartet einen dort?

Das hängt von der Wahl des Urlaubsortes ab. Der typische britische Badeort, für den Brighton wohl als Vorführbeispiel gelten darf, verfügt über ein Pier, oft aus viktorianischer Zeit und mit Lichterketten dekoriert, einen Strand mit beach huts, die obligatorischen Billig-Souvenirläden, eine sogenannte arcade (eine Art Spielhalle mit zahlreichen Münzautomaten, an denen Groß und Klein Tand gewinnen kann), einen Minigolfplatz (Crazy Golf o. Ä.), eine Bimmelbahn und ggf. auch den einen oder anderen künstlerisch inspirierten Laden in den versteckten Gässchen des Ortes.

Natürlich gibt’s dazu auch gemäßigte Alternativen diverser Abstufungen bis hin zum verschlafenen Fischerörtchen mit einem Tante-Emma-Laden und einem Pub (Polruan in Cornwall beispielsweise).

Meine Schwiegermutter besteht darauf, dass es für einen echten Küstenurlaub zweier Dinge bedarf: eines Strandhäuschens (beach hut – auch tageweise zu mieten), in dem man sich aufhalten und allerlei Ausrüstung lagern kann, und crabbing, also Krabbenfischen mit einer crab line und einem Eimer.

Entgegen den Befürchtungen vieler Kontinentaleuropäer regnet es in vielen Gegenden Englands nicht besonders viel. Manche Gebiete wie Cornwall oder Dorset sind gar für ihre vielen Sonnenstunden bekannt, und aus eigener Erfahrung kann ich das nur bestätigen. Von Mai bis September gibt’s hier meist ein angenehmes Klima, und sogar im Oktober hatten wir in Cornwall schon oft trockenes Wetter.

Viele Orte, die zu Stoßzeiten überfüllt sind, sind in der Nebensaison wunderbar (Fowey in Cornwall, Swanage in Dorset).

Klar, es ist nicht ganz günstig, in England Urlaub zu machen – aber das ist es an der Nordsee auch nicht. Und auch wenn es schwer fällt, dem Brexit ansonsten etwas Gutes abzugewinnen: Zumindest das Britische Pfund ist derzeit wieder erschwinglich für uns Europäer …

Ein paar Webseiten für nette Ferienhäuschen:

http://www.islandcottageholidays.com

https://www.cornishhorizons.co.uk/

Nächstes Mal … Ach, lasst Euch überraschen!

Der Pommes-Buddha sagt: Ich bin reif für die Insel.

> Audioversion

  

Happy holidays

Urlaub auf dem Balkon mit Buch und Drink

If you happened to be on the verge of moving to Germany and had to pick a place to live, what would be your checklist to go by? Cost of renting? Climate? Food? Hospitality? These are certainly all important factors. But if you fancy as much time off work as possible, here’s a little secret that might help you decide.

Depending on the German Bundesland you live in, you may have more or fewer days off work in the calendar year. I never realised this myself until I moved from North Rhine-Westphalia (one of the länder with a fairly large number of bank holidays) to Hesse. In NRW, my birthday always used to be on a bank holiday. In Hesse, it was not.

The attentive reader may have noticed another particularity of German holidays. Unlike in England, where most bank holidays are only in theory on the same date, but in practice are moved to Mondays so that every bank holiday makes the subsequent weekend an extended, three-day weekend, German bank holidays always fall on the actual date of the original holiday. If this happens to be a Saturday or Sunday, hard cheese – you’re one work-free day short that particular year.

In case of Ascension and Corpus Christi, though, which are always on a Thursday, many German schools and employers impose the Friday between that Thursday and the following weekend as a so-called Brückentag (“bridge day”), making the weekend a four-day weekend.

There are nine national bank holidays in Germany which every Bundesland must observe. The number of additional regional bank holidays varies between zero (Berlin, Bremen, Hamburg, Lower Saxony, Schleswig-Holstein) and four (Bavaria). For those of you who want to know precisely what they’re in for, here’s a list.

Another thing should be mentioned in this context. Contrary to the meanwhile nationwide extended opening hours for shops in Great Britain, Germany’s workers’ unions have made sure that, here, working hours are staff-friendly. Shops are closed on Sundays and bank holidays. Almost without exception. Exceptions are the odd special-occasion Sunday, as well as Sundays in December (but not everywhere). The phenomenon of shops being open on Sundays is so rare that it has a special name: verkaufsoffener Sonntag. During the week and on Saturdays, most big shops are open til 8pm, or sometimes longer. In smaller towns, opening hours might end as early as 6:30pm on weekdays and noon on Saturdays. If you need anything after hours, the only options are petrol stations or kiosks (in Cologne vernacular called Büdchen – “little huts”).

So, keep your eyes peeled for opening hours and closing days.

Next time, let’s find out about one or two of Britain’s favourite summer crazes.

The Pommes Buddha says: Miss out on a day off? Not in a month of Sundays.

> Audioversion

  

Pressestimmen

Pile of old newspapers, selective focus

Pressestimmen

Wer schon einmal mit der Londoner Tube (U-Bahn) gefahren ist, wird sicherlich dieselbe Beobachtung gemacht haben wie ich: Auffallend viele Menschen in England lesen Zeitung. Laut der deutschen Zeitung Die Welt gilt die Londoner Fleet Street, die sich im britischen Sprachgebrauch als Synonym für „die Presse” etabliert hat, als Vorreiter der deutschen Presselandschaft (siehe dieser Artikel). Hier ein paar Dinge, die man über britische Tageszeitungen wissen sollte.

Zunächst ein paar Zahlen, die vielleicht überraschen: 2014/15 hatte die Tagespresse in UK eine Gesamtauflage von 7 Mio. (bei etwa 65 Mio. Einwohnern), die deutsche 16,8 Mio. (bei etwa 81 Mio. Einwohnern) – das heißt es kommt eine Tageszeitung auf jeden 5. deutschen, jedoch nur etwa jeden 9. britischen Menschen (Quellen: BDZV und Newsworks). Dennoch haben Zeitungen traditionell einen hohen persönlichen Stellenwert im Leben vieler britischer Bürger.

Die britische Tagespresse lässt sich, ähnlich wie die deutsche, grob in zwei Kategorien unterteilen: die eher sachlich-intellektuellen broadsheets und die Boulevardpresse, die tabloids, auch popular press oder yellow press genannt. Oftmals wird heutzutage zusätzlich ein mittleres Segment („mid-market newspapers“) unterschieden.

Sympathisch finde ich, dass man auf der Insel ungeachtet einer persönlichen, meist sozial geprägten Präferenz nicht selten bereit ist, über den Tellerrand hinaus zu schauen. Im Urlaub oder am Sonntag, wenn genügend Zeit ist, kauft sich der interessierte Brite gerne auch mal zwei oder drei verschiedene Tageszeitungen – wobei die Sonntagsausgaben auch für ein besonders ausschweifendes Leseerlebnis sorgen, das zum britischen Kulturgut gehört.

Doch in der britischen Presselandschaft wird nicht nur gekuschelt. Die Boulevardzeitung The Sun wird seit der Hillsborough-Katastrophe und bis heute in Liverpool weitgehend boykottiert. Das Blatt hatte nach dem Zuschauerunglück im Hillsborough-Stadion in Sheffield beim Halbfinale des britischen Fußballpokalspiels zwischen dem FC Liverpool und Nottingham Forest 1989 wahrheitswidrig das Verhalten der Liverpooler Fans verantwortlich für das Ausmaß der Katastrophe gemacht und wird seitdem von vielen Liverpudlians nicht mehr gelesen.

Ein weiterer großer Skandal ist der News-International-Skandal, in dessen Folge die des Abhörens von Mobilfunk-Mailboxen überführte Zeitung News of the World 2011 eingestellt wurde.

Zu guter Letzt sei zum Zwecke der weiteren Erhellung ein Ausflug in die audiovisuellen Medien gestattet, und zwar zu einer der TV-Serien, die meines Erachtens die britische Kultur in unvergleichlich spitzfindiger und pfiffiger Weise treffend widerspiegelt. Es handelt sich um ein Juwel der britischen intelligenten Unterhaltung − das im Übrigen in Deutschland, wo man sich in der Welt der medialen Unterhaltung in der Regel einzig zwischen „niveaulos“ und „hoch-intellektuell“ entscheiden kann, seines Gleichen sucht – und zwar Yes, Prime Minister.

Im Hinblick auf die britische Presse-Arena entspannt sich dort nun in Folge 4 der 2. Staffel dieser Polit-Realsatire der folgende Dialog zwischen dem manipulativen leitenden Regierungsbeamten Sir Humphrey, dem ansonsten als etwas unterbelichtete Marionette des administrativen Establishments dargestellte Premierminister Jim Hacker und dessen Sekretär und Stichwortgeber Bernard Woolley (Namen der Zeitungen diesseits hervorgehoben):

Sir Humphrey: The only way to understand the Press is to remember that they pander to their readers’ prejudices.

Jim Hacker: Don’t tell me about the Press. I know *exactly* who reads the papers. The Daily Mirror is read by the people who think they run the country. The Guardian is read by people who think they *ought* to run the country. The Times is read by the people who actually *do* run the country. The Daily Mail is read by the wives of the people who run the country. The Financial Times is read by people who *own* the country. The Morning Star is read by people who think the country ought to be run by *another* country. The Daily Telegraph is read by the people who think it is.

Sir Humphrey: Prime Minister, what about the people who read The Sun?

Bernard Woolley: Sun readers don’t care *who* runs the country – as long as she’s got big tits.

Yes, Prime Minister: A Conflict of Interest (1987): http://www.imdb.com/title/tt0751828/quotes?item=qt0179457

Ich persönlich fühle mich in meiner Lesepräferenz jedenfalls treffend beschrieben.

Für die weiterführende Lektüre einschließlich einer umfassenden Liste mit allen britischen Zeitungen empfehle ich diesen Link zu Wikipedia.

Und ganz am Schluss hätte ich noch einen Tipp für diejenigen, die genug von destruktivem Journalismus haben: Die neueste Entwicklung im deutschen Online-Journalismus heißt Perspective Daily. Könnte eine Alternative sein …

Und nächstes Mal schauen wir uns an, in welches deutsche Bundesland man ziehen sollte.

Der Pommes-Buddha sagt: A paper a day keeps the Brits in sway.

> Audioversion

  

How to become a German

Weier, deutscher Spargel mit glatter Petersilie auf Holztisch

It’s happened! My valuable source of English quirkiness is henceforth lost. I regret to inform you, dear readers, that Mr K, formerly known as ‘My English Husband’, has now reached the ultimate stage of naturalisation. On Wednesday, 6 April 2016, at 11:49 hrs, he bought a Jack Wolfskin all-weather jacket. Meanwhile he has received a ‘welcome-to-the-club’ letter from Angie.

So, I said, ‘So now that you’re a proper German, do some German things! He came up with quite a few. Here’s a to-do list for those among you who are still practicing.

  1. Use ‘Na?’ as a universal greeting.
    Never underestimate the power of this Tardis of a word. It may only have two letters, but depending on the length and intonation of the vowel – which, believe you me, can be stretched to the duration of a cricket match – as well as the facial expression going with it, it can mean anything between Whaddup? and Wipe that cheeky smirk right off your face, you bum! You still owe me an apology for standing me up last Tuesday! Again, German is easier than you think. Some more examples of what ‘na’ may stand for:
English German
Good morning. Na?
How are you? Na?
Fancy seeing you here. Na?
Good to see you. How did your date go last night? Na?
Does that Matjesbrötchen still repeat on you? Na?
How’s work going? Na?

 

  1. Find something to moan about.
    Anything. There’s always something. The weather: it’s always too hot or too cold. Das gibt’s doch nicht!
  2. Give a stranger a hard time out of the blue.
    Preferably, yell at a child riding his bike on the pavement, ‘Das hier ist ein Bürgersteig und kein Radweg!’
  3. Confirm any piece of information saying ‘Genau!’
    The Germans’ favourite word ever.
  4. Do The Pout.

For more advice, turn to How To Be German In 20 Easy Steps.

Then again, my German husband still drinks his tea with milk and comments on our little one’s bowel movements with ‘My word, what a ripper!’ And, to be fair, he only bought the Jack Wolfskin fashion item at the recommendation of Which? magazine. Perhaps he may still be blog material after all …

See you next week, bright-eyed and bushy-tailed.

The Pommes Buddha says: Ich habe keine Zeit.

> Audioversion