Pressestimmen

Pile of old newspapers, selective focus

Pressestimmen

Wer schon einmal mit der Londoner Tube (U-Bahn) gefahren ist, wird sicherlich dieselbe Beobachtung gemacht haben wie ich: Auffallend viele Menschen in England lesen Zeitung. Laut der deutschen Zeitung Die Welt gilt die Londoner Fleet Street, die sich im britischen Sprachgebrauch als Synonym für „die Presse” etabliert hat, als Vorreiter der deutschen Presselandschaft (siehe dieser Artikel). Hier ein paar Dinge, die man über britische Tageszeitungen wissen sollte.

Zunächst ein paar Zahlen, die vielleicht überraschen: 2014/15 hatte die Tagespresse in UK eine Gesamtauflage von 7 Mio. (bei etwa 65 Mio. Einwohnern), die deutsche 16,8 Mio. (bei etwa 81 Mio. Einwohnern) – das heißt es kommt eine Tageszeitung auf jeden 5. deutschen, jedoch nur etwa jeden 9. britischen Menschen (Quellen: BDZV und Newsworks). Dennoch haben Zeitungen traditionell einen hohen persönlichen Stellenwert im Leben vieler britischer Bürger.

Die britische Tagespresse lässt sich, ähnlich wie die deutsche, grob in zwei Kategorien unterteilen: die eher sachlich-intellektuellen broadsheets und die Boulevardpresse, die tabloids, auch popular press oder yellow press genannt. Oftmals wird heutzutage zusätzlich ein mittleres Segment („mid-market newspapers“) unterschieden.

Sympathisch finde ich, dass man auf der Insel ungeachtet einer persönlichen, meist sozial geprägten Präferenz nicht selten bereit ist, über den Tellerrand hinaus zu schauen. Im Urlaub oder am Sonntag, wenn genügend Zeit ist, kauft sich der interessierte Brite gerne auch mal zwei oder drei verschiedene Tageszeitungen – wobei die Sonntagsausgaben auch für ein besonders ausschweifendes Leseerlebnis sorgen, das zum britischen Kulturgut gehört.

Doch in der britischen Presselandschaft wird nicht nur gekuschelt. Die Boulevardzeitung The Sun wird seit der Hillsborough-Katastrophe und bis heute in Liverpool weitgehend boykottiert. Das Blatt hatte nach dem Zuschauerunglück im Hillsborough-Stadion in Sheffield beim Halbfinale des britischen Fußballpokalspiels zwischen dem FC Liverpool und Nottingham Forest 1989 wahrheitswidrig das Verhalten der Liverpooler Fans verantwortlich für das Ausmaß der Katastrophe gemacht und wird seitdem von vielen Liverpudlians nicht mehr gelesen.

Ein weiterer großer Skandal ist der News-International-Skandal, in dessen Folge die des Abhörens von Mobilfunk-Mailboxen überführte Zeitung News of the World 2011 eingestellt wurde.

Zu guter Letzt sei zum Zwecke der weiteren Erhellung ein Ausflug in die audiovisuellen Medien gestattet, und zwar zu einer der TV-Serien, die meines Erachtens die britische Kultur in unvergleichlich spitzfindiger und pfiffiger Weise treffend widerspiegelt. Es handelt sich um ein Juwel der britischen intelligenten Unterhaltung − das im Übrigen in Deutschland, wo man sich in der Welt der medialen Unterhaltung in der Regel einzig zwischen „niveaulos“ und „hoch-intellektuell“ entscheiden kann, seines Gleichen sucht – und zwar Yes, Prime Minister.

Im Hinblick auf die britische Presse-Arena entspannt sich dort nun in Folge 4 der 2. Staffel dieser Polit-Realsatire der folgende Dialog zwischen dem manipulativen leitenden Regierungsbeamten Sir Humphrey, dem ansonsten als etwas unterbelichtete Marionette des administrativen Establishments dargestellte Premierminister Jim Hacker und dessen Sekretär und Stichwortgeber Bernard Woolley (Namen der Zeitungen diesseits hervorgehoben):

Sir Humphrey: The only way to understand the Press is to remember that they pander to their readers’ prejudices.

Jim Hacker: Don’t tell me about the Press. I know *exactly* who reads the papers. The Daily Mirror is read by the people who think they run the country. The Guardian is read by people who think they *ought* to run the country. The Times is read by the people who actually *do* run the country. The Daily Mail is read by the wives of the people who run the country. The Financial Times is read by people who *own* the country. The Morning Star is read by people who think the country ought to be run by *another* country. The Daily Telegraph is read by the people who think it is.

Sir Humphrey: Prime Minister, what about the people who read The Sun?

Bernard Woolley: Sun readers don’t care *who* runs the country – as long as she’s got big tits.

Yes, Prime Minister: A Conflict of Interest (1987): http://www.imdb.com/title/tt0751828/quotes?item=qt0179457

Ich persönlich fühle mich in meiner Lesepräferenz jedenfalls treffend beschrieben.

Für die weiterführende Lektüre einschließlich einer umfassenden Liste mit allen britischen Zeitungen empfehle ich diesen Link zu Wikipedia.

Und ganz am Schluss hätte ich noch einen Tipp für diejenigen, die genug von destruktivem Journalismus haben: Die neueste Entwicklung im deutschen Online-Journalismus heißt Perspective Daily. Könnte eine Alternative sein …

Und nächstes Mal schauen wir uns an, in welches deutsche Bundesland man ziehen sollte.

Der Pommes-Buddha sagt: A paper a day keeps the Brits in sway.

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How to become a German

Weier, deutscher Spargel mit glatter Petersilie auf Holztisch

It’s happened! My valuable source of English quirkiness is henceforth lost. I regret to inform you, dear readers, that Mr K, formerly known as ‘My English Husband’, has now reached the ultimate stage of naturalisation. On Wednesday, 6 April 2016, at 11:49 hrs, he bought a Jack Wolfskin all-weather jacket. Meanwhile he has received a ‘welcome-to-the-club’ letter from Angie.

So, I said, ‘So now that you’re a proper German, do some German things! He came up with quite a few. Here’s a to-do list for those among you who are still practicing.

  1. Use ‘Na?’ as a universal greeting.
    Never underestimate the power of this Tardis of a word. It may only have two letters, but depending on the length and intonation of the vowel – which, believe you me, can be stretched to the duration of a cricket match – as well as the facial expression going with it, it can mean anything between Whaddup? and Wipe that cheeky smirk right off your face, you bum! You still owe me an apology for standing me up last Tuesday! Again, German is easier than you think. Some more examples of what ‘na’ may stand for:
English German
Good morning. Na?
How are you? Na?
Fancy seeing you here. Na?
Good to see you. How did your date go last night? Na?
Does that Matjesbrötchen still repeat on you? Na?
How’s work going? Na?

 

  1. Find something to moan about.
    Anything. There’s always something. The weather: it’s always too hot or too cold. Das gibt’s doch nicht!
  2. Give a stranger a hard time out of the blue.
    Preferably, yell at a child riding his bike on the pavement, ‘Das hier ist ein Bürgersteig und kein Radweg!’
  3. Confirm any piece of information saying ‘Genau!’
    The Germans’ favourite word ever.
  4. Do The Pout.

For more advice, turn to How To Be German In 20 Easy Steps.

Then again, my German husband still drinks his tea with milk and comments on our little one’s bowel movements with ‘My word, what a ripper!’ And, to be fair, he only bought the Jack Wolfskin fashion item at the recommendation of Which? magazine. Perhaps he may still be blog material after all …

See you next week, bright-eyed and bushy-tailed.

The Pommes Buddha says: Ich habe keine Zeit.

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Der Klang von Musik

Historic city of Salzburg with Salzach river in summer, Salzburger Land, Austria

Aus einem der ersten Wanderurlaube mit meinem englischen Ehemann erinnere ich mich ganz besonders an eine Szene. Wir spazierten durch eine Postkartenidylle: rollende Hügel, saftig grüne Wiesen und, in der Ferne, die majestätischen Berge. Erfasst von dieser Schönheit breitete Herr K. seine Arme aus, drehte sich um sich selbst und begann zu singen The Hills Are Alive With the Sound of Music … Ich fragte ihn, was das für ein Lied sei.

„Wie, was das für ein Lied ist???“, sprach er entsetzt. „The Sound of Music!!! “ – „Kenne ich nicht, “ erwiderte ich. Er war fassungslos. The Sound of Music kennt doch jeder!!!

Hierzu ist Folgendes zu sagen: Wer im anglo-amerikanischen Sprachraum aufgewachsen ist, hat den Film The Sound of Music von 1965 in der Regel nicht nur gesehen, sondern gewissermaßen mit jeder Pore seiner Haut aufgesogen. Er gehört, ähnlich der Feuerzangenbowle hier, zum gefeierten Kulturgut und ist so gut wie flächendeckend bekannt. Seit ich The Sound of Music gesehen habe, habe ich in unzähligen zeitgenössischen Filmen und Serien Anspielungen darauf entdeckt oder Lieder daraus gehört. Beispielsweise singt Ruth in einer späteren Folge von Six Feet Under das Stück Favourite Things aus dem Film.

Nun, der Film lief damals auch in Deutschland. Doch verziehen sei dem geneigten Kinogänger, der hinter dem deutschen Titel Meine Lieder, Meine Träume nicht unbedingt ein bahnbrechendes Ereignis der Filmgeschichte vermutete und somit fernblieb. Veranlasst hat der geringe Bekanntheitsgrad des Films Barbara Litzlfellner, dessen Unkenntnis als eines von 26 untrüglichen Zeichen dafür zu sehen, dass man in Deutschland geboren und aufgewachsen ist. (Ihre Liste ist übrigens ein gelungenes Abbild der deutschen Mentalität.)

The Sound of Music ist ein Epos. Als deutscher oder österreichischer Zuschauer mag man versucht sein, das Werk ob der Bergkulisse von Salzburg und der scheinbar seichten Dialoge im Genre des Heimatfilms zu verorten – doch dies würde der Komplexität des Films nicht gerecht. Inszeniert wie eine Oper, behandelt er zeitlose Themen wie Unangepasstheit, Konfliktbewältigung und politischen Widerstand, und bleibt somit individual- wie gesellschaftspsychologisch äußerst relevant.

Der Reichtum an Figuren und Themen bietet zudem Rezipienten jeden Alters ein breites Identifikationspotential. Meine vierjährige Tochter ist nahezu besessen von dem Film, der selbst Die Eiskönigin von ihrem Thron zu stoßen vermochte. Sie singt die Lieder rauf und runter, unermüdlich, Tag und Nacht.

Ähnlich gelagert ist der Fall übrigens bei dem in Deutschland um Einiges bekannteren Film Der Zauberer von Oz. Dieser hat im englischsprachigen Raum ebenfalls eine Art Kultstatus erreicht. In England wird er traditionell an Weihnachten geschaut.

Und nächste Woche erzähle ich Euch, wie man so richtig deutsch wird!

Der Pommes-Buddha sagt: Musik lässt Berge beben.

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Raven mothers

Garden snail reaches for a drop of dew on the grass

The other night I went out with a new German friend who had not long returned after living in the US for several years. When I asked her how she found life in Germany, she said the most difficult thing to do here was being a mother. I was intrigued and asked her to elaborate …

‘Well,’ she said, ‘in the US both my children went to daycare from the age of six months. Daycare closed at 6pm, and that’s when I picked them up. Once a week, our babysitter would pick them up and put them to bed while my husband and I went out. This was perfectly normal. In Germany, the Kita closes at 5:15pm. If I pick up my daughter at 4:45pm, she’s one of the last children there.’

So we established there was a certain undercurrent of ‘expected motherly duty’ in German society that causes mothers to be extremely hard on themselves – and judgemental about one another. In Germany, it is not uncommon for complete strangers to comment on your childrearing practices.

Another German friend living in Belgium reports that, there, it is perfectly common for your child to go to crèche from the age of three months. This seems to be the case in most European countries. According to the public study Familienleitbilder from 2015 on how parenthood and family are perceived in Germany, more than 80% of Germans reckon it is not okay for an 18-month-old child to be in care for more than 6 hours a day.

We Germans seem to be unable to shed our quintessentially patriarchal image of motherhood. We even have a word for ‘underperforming’ mothers: Rabenmütter.

On the other hand, there may also be surprisingly positive aspects about being a parent in Germany, as American mum Sara Zaske writes in TIME magazine. I recommend Tom Hodgkinson’s The Idle Parent for further reading.

Should you ever be tempted to think of yourself as a Rabenmutter, or Rabenvater, I invite you to adopt my four-year-old’s pragmatic view. In an episode of classic cartoon series Biene Maja, a snail, upon urging her young to venture out into the world on their own, was dubbed a Rabenmutter. My daughter cast a skeptical glance at the telly and declared, ‘Das ist keine Rabenmutter, das ist eine Schneckenmutter!’

Next week, learn which classic of film history most Germans don’t know.

The Pommes Buddha says: You’re not a raven mum, you’re a human mum.

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Radiokult

Vintage red radio receiver on wood table. Wallpaper 3d

Wann immer ich in England die Familie besuche, stelle ich fest, dass dort zu Hause permanent das Radio läuft. Ich habe den Eindruck, die Briten sind besessen vom Radiohören. Aber ist da wirklich was dran? Drei Thesen zum deutschen und englischen Radiokonsum.

These 1: Die Briten hören mehr Radio als die Deutschen.

Stimmt nicht. Die Zahlen verblüfften mich. Wie man auf der Webseite der Radiozentrale verfolgen kann, hören seit Jahren konstant gut drei Viertel aller Deutschen im Alter über 10 Jahre täglich Radio, und zwar im Durchschnitt 189 Minuten pro Kopf.

Die entsprechenden von der britischen RAJAR erhobenen Daten sind zwar nicht direkt vergleichbar, da hier nach Radiohören pro Woche gefragt wird (90 % der über 15-Jährigen). Die durchschnittliche Hördauer beträgt jedoch derzeit in UK rund 21 Stunden pro Woche, liegt also mit etwa 3 Stunden täglich sogar knapp unter dem deutschen Durchschnitt.

These 2: Das britische Radioprogramm ist abwechslungsreicher als das deutsche.

Nun, hierzu gibt es selbstredend keine belastbaren Daten. Schaltet man jedoch die großen regionalen Sender wie SWR 3 und WDR 2 ein, so drängt sich der Eindruck auf, dass die deutsche Radiolandschaft sich nicht gerade durch Abwechslung auszeichnet. Gespielt wird, so scheint es, jeden Morgen dasselbe Musikprogramm: gefühlt vier oder fünf Hits aus den Charts, die sich nachgerade stündlich wiederholen, und ansonsten nur The Pet Shop Boys und Dido.

Einst war ich großer Jazzradio-Berlin-Fan. Während ich beim Einzug meine Altbauwohnung in Tiergarten strich, divertierte mich der Sender den ganzen Tag. Ich war begeistert von einem wilden Ritt durch Stile und Epochen. Doch selbst Jazzradio Berlin spielt mittlerweile vorwiegend Hammond-Orgel-Easy-Listening.

Nach einer bisher vergeblichen Suche nach einem Sender, der gute Musik mit interessanten Wortbeiträgen abwechselt und ansprechend präsentiert, habe ich also resigniert und höre hauptsächlich Radio aus England. Hier gibt es mehr Auswahl. BBC Radio 2 wartet zum Beispiel mit einer nette solchen Mischung auf. BBC Radio 4 bietet kaum Musik, dafür aber niveauvolle Comedy-Sendungen (The Now Show), ein Radio-Äquivalent von FrauTV (Woman’s Hour) und Talksendungen mit verschiedensten Facetten (Desert Island Discs). Überdies werden viele BBC-Radiosendungen von bekannten Fernsehmoderatoren präsentiert. Man hat das Gefühl, die Radiolandschaft ist lebendiger als hier in Deutschland.

Die Frage ist, geben sich die Deutschen mangels Alternativen mit einem Mainstream-Berieselungsprogramm zufrieden oder hören sie so viel Radio, weil ihnen das Angebot tatsächlich gefällt?

Den Versuch einer Antwort liefert Ulrich Stock auf ZEIT ONLINE mit einem auch heute noch aktuell wirkenden Artikel aus dem Jahr 2007, der passend Rettet das Radio heißt. Dort wird man auch mit neuen Ideen gefüttert, wo’s noch Gutes zu Hören gibt.

These 3: Radio-Hörspiele sind im Vereinigten Königreich beliebter als hierzulande.

Über Anteil und Beliebtheit von Radiospielen konnte ich leider nichts in Erfahrung bringen. Mir scheint, dass sie im öffentlich-rechtlichen britischen Radioprogramm einen hohen Stellenwert haben. Die Hörspielserie The Archers beispielsweise läuft auf BBC Radio 4 seit 1950, mit aktuell unglaublichen mehr als 17.500 Folgen. In Deutschland hingegen findet man Radiospiele kaum.

Radio 4 ist übrigens für ein weiteres Phänomen bekannt: den Seewetterbericht (The Shipping Forecast). Dieser hat durch die repetitive Aneinanderreihung von Orten, die viele Hörer als meditativ bezeichnen, absoluten Kultstatus inne und ist aus der britischen Radiolandschaft nicht wegzudenken. (Mehr dazu auf Wikipedia.)

Nächste Woche sehen wir uns ein kleines Wörtchen näher an.

Der Pommes-Buddha sagt: Die Radiologie ist eine oft unterschätzte Wissenschaft.

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Glücksrad

Fahrradweg

England ist das Land der … Was fällt einem da spontan ein? Dichter und Denker? Sicherlich. Romantischen Gärten? Durchaus. Radfahrer? Ganz bestimmt nicht. Doch neulich traute ich meinen Augen kaum, sah ich auf der Insel doch einen Menschen sich auf einer Landstraße auf einem Fahrrad fortbewegen. Ein Zufall?

Rührend war, dass dieser Mensch genau so aussah, wie mein englischer Ehemann deutsche Trekking-Urlauber beschreibt: heillos überausgerüstet. Man hatte jedenfalls den Eindruck, dass hier der Drahtesel nicht zweckmäßig als Fortbewegungsmittel eingesetzt, sondern vielmehr als Sportgerät genutzt wurde.

Das Fahrrad als Vehikel wird jedoch auch in England beliebter. Der Londoner Oberbürgermeister Boris Johnson, der sich in seiner Heimat selbst immer wieder gern als passionierter Radler inszeniert, eröffnete Ende 2015 die erste britische Radfahrer-Autobahn.

Ah, die Autobahn – Schauplatz so manchen Emotionskontrollverlusts! Im Englischen gibt’s den wunderbaren Ausdruck road rage (Lehnwortalarm!). Wer wie ich jüngst das Buch The Chimp Paradox von Steve Peters gelesen hat, wird aus Kräften versuchen, es nicht persönlich zu nehmen, wenn ein Bergheimer BMW mal wieder den Fahrradweg mit der Rechtsabbiegespur verwechselt … Oooommmmm! (Peters sagt auch, man soll nicht in Stereotypen denken.)

Aber road rage funktioniert natürlich auch umgekehrt (Diese rücksichtslosen Radfahrer!) oder gar innerhalb der eigenen Sippe. Ich fahre am liebsten hinter verantwortungsbewussten Radfahrern, zu erkennen an Helm und Warnweste, und denen, die nichts dem Zufall überlassen, zu erkennen an dem zusätzlichen Regenschutz auf dem Fahrradhelm. Da sind keine unvorhergesehenen Bewegungen zu erwarten.

Zum Bürgerkrieg unter Radfahrern gibt es ein Schmankerl aus dem coolen New York. Obgleich diese Stadt für Radfahrer wieder ganz anders tickt, passen die Kategorien unterschiedlicher Radler-Archetypen, die der Bike Snob in diesem sehr unterhaltsamen Artikel umreißt, meiner Meinung nach wunderbar auf die meisten Großstädte dieser Welt.

Übrigens, ein super Fahrrad-Reparaturladen in Köln ist Portz am Ring. Freundliche Mitarbeiter, faire Preise, super Service, zentrale Lage.

Und nächste Woche kommen wir den Siezern auf die Spur.

Der Pommes-Buddha sagt: Ein Rad kommt selten allein.

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Magnum in distress

Microphone And Singer

As most of you know, in Germany films are dubbed (see “An mein Ohr kommt nur Wasser und O-Ton”). So on TV and in most cinemas, Daniel Craig and Jennifer Lawrence speak German while their lips form English words. But of course, this being Germany, voice-overs are not services purchased randomly for each film project. No, there is method in this madness. Read on and see for yourself what this entails and why Herr Lehmann is not just a good book.

Each popular American and English actress has her very own German voice, i.e. she is usually dubbed by one and the same voice-over artist in whatever film or series she stars. Voice-over artists may have several actors, but each actor generally has one voice-over artist and thus a recognisable German voice.

Consequently, Germans, unless they are either proper cinema aficionados or interpreters and watch every film in its original version, would never recognise, say, Sean Connery by his real voice.

On the other hand, who’d expect that the unsuspicious-sounding name Manfred Lehmann belongs to the German voice of not only Bruce Willis but also Dolph Lundgren, Gérard Depardieu and Kurt Russell, among others?

As for animated films, the UK, in its own productions, and Germany both make it a crucial part of a film’s PR to use famous actresses and actors for voice-over. For example, the little snowman Olaf in Frozen is spoken by German ‘household-name’ comedian Hape Kerkeling. And UK-produced films such as Arthur Christmas or Flushed Away feature celebs such as Hugh Laurie, James McAvoy, Hugh Jackman and Kate Winslet.

Sometimes, well-known voices can play tricks on you. Do you remember the American TV series Magnum, P.I.? A friend of mine knows a guy who works as a handyman for a film production company. One day, that guy comes home to find an answerphone message by Tom Selleck’s German voice saying, “Hey, Andreas, I have some computer trouble. Could you please give me a ring”? How cool must this Andreas be if Magnum calls him for help!

So voices can definitely leave quite an impression. As an interpreter, I’m very aware of that. Try my podcast to see if you like this text being read to you.

And now get in gear for next week’s road trip.

The Pommes Buddha says: The name is Bond. James Bond.

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Germans are everywhere

hiking in the mountains

During my time in Australia, some of which I spent travelling around the country, I realised that there’s no escape. I was picturing a secluded part of the world, literally the furthest away from my home country, where I would be left in peace and have a chance to immerse myself into a different culture, completely unfettered by my roots, for a while. But no!

Not only did I not feel secluded at all because, obviously, there was e-mail and Skype – and even people on the telephone in Europe sounded like they were just around the corner. But also, wherever I went, on every last bloody jeep safari into the remotest part of the bush, I would bump into fellow countrymen and women.

Germans do like to travel. The World Tourism Organization UNWTO says that until 2011 Germans were the world champions of travelling, at least based on the money spent in tourism.

Whenever my English husband and I are hiking abroad, he takes mischievous pleasure in a little pastime he calls Spot the German. Having trotted the odd part of the globe, he says you can always recognise Germans by their top-notch, super-organised equipment. And by their Jack Wolfskin coats – which, he assumes, will expand into a fully-equipped tent or ready-to-use canoe at the hassle-free pull of a strap.

I was surprised to hear he’d never heard of Jack Wolfskin before going backpacking. I thought it came from some English-speaking country, but it is actually a German brand.

‘You would never see a German on a hiking trail just wearing a pair of old trainers,’ says Mr K. Yes, we like to be prepared. That makes us feel safe. And when we’re prepared and feel safe, most of us will be in the right mindset to actually let our hair down.

When I went on a trekking tour in Tasmania, I was incredulous at one Irish girl wearing trainers. It did say on the equipment list that rain and mud were to be expected. And this poor girl ended up with very, very, very wet feet, while my feet were nicely dry and snug in my Meindl leather boots. Sometimes it’s nice to be German.

But, oh, what woe if we fall prey to imponderabilities! Imagine … ‘Liebling, I’ve lost my Swiss Army knife. Go, go, you can make it without me!’ – ‘But Schatz, I think we’ll be fine. It’s only the Cologne Zoo cable car.’

Now get your pickaxe, coz next week we’re going on a pub crawl.

The Pommes Buddha says: When in doubt, ask a German. (There’ll probably be one right next to you.)

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Tatort: Großbritannien

detective story concept

Krimi-Serien erfreuen sich seit jeher großer Beliebtheit. Das Vereinigte Königreich wartet mit einem breiten Repertoire auf, das einem heterogenen und anspruchsvollen Publikum gerecht zu werden weiß. Neben der mit Liebe zum Detail inszenierten und großartig adaptierten Neuverfilmung der Sherlock-Holmes-Romane („Sherlock“), die seit 2012 über britische Fernsehbildschirme flimmert und längst auch in Deutschland Einzug erhalten hat, lohnt sich ein Blick an die englische Südküste.

Der Blick geht nach Broadchurch in Wessex. Broadchurch? Nie gehört? Na ja, so manchen englischen Ortsnamen hat selbst der Brite nie gehört. Doch bei Broadchurch handelt es sich in der Tat um einen fiktiven Ort. Und „Wessex“ klingt, analog zu „Essex“ und „Sussex“, vollkommen logisch nach einer Region in England – ist es aber nicht. „Erfunden“ hat Wessex der englische Schriftsteller Thomas Hardy. Nun wurde diese Grafschaft für das britische Fernsehen wiederbelebt.

Broadchurch ist der Name einer britischen TV-Serie, deren dritte Staffel derzeit in Arbeit ist. Die Geschichte beginnt wie so mancher klassische Kriminalfall mit einem Mord in einem kleinen Städtchen, in dem jeder jeden kennt und zahlreiche Verdächtigungen hin‑ und hergehen.

Zugegeben, man muss über so manche inhaltliche Schwäche hinwegsehen können – wer’s zu genau nimmt, wird die Stärken des Werks nicht genießen können. Gelingt es einem jedoch, sich auf die Geschichte einzulassen, so wird man mit fesselnder Spannung und fulminanten Twists belohnt.

Auffallend ist bei vielen neueren Serienproduktionen eine ungewöhnlich kreative Kameraarbeit. Allein durch Kameraführung, Detailaufnahmen, Zeitlupen etc. wird eine packende Atmosphäre geschaffen. Die Umgebung verkörpert gewissermaßen eine eigene Figur des Stücks.

Gegenüber dem Medium Spielfilm hat die Serie natürlich den großen Vorteil (der in zeitgenössischen Produktionen seit etwa einem Jahrzehnt als eines der wichtigsten dramaturgischen Mittel tatsächlich genutzt wird), dass die Figuren erheblich komplexer entwickelbar sind. Als legendär zu nennen ist in diesem Zusammenhang die US-amerikanische Serie Breaking Bad – kaum zu übertreffen an dramaturgischer Raffinesse und Figurentiefe. Wie neulich in einem Gespräch mit Familie und Freunden alle, die die Serie gesehen haben, einstimmig feststellten, gibt es, serienhistorisch aber auch schlicht im Rezipientenleben, eine Zeit vor Breaking Bad und eine Zeit nach Breaking Bad.

Ach, es gäbe so viel zu dieser Serie zu sagen. Breaking Bad ist überall. Genau wie die Deutschen. Aber dazu mehr nächste Woche.

Der Pommes-Buddha sagt: Ein Leben ohne Serien ist möglich, aber sinnlos.

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England gegen Deutschland

Travel destination and journey luggage concept, stack of suitcases in colors of national flags of european countries isolated on white background

Neulich fragte mich eine meiner treuen Leserinnen, ob ich eigentlich gerne in England wohnen würde, da ich doch immer nur Gutes über England und Schlechtes über Deutschland schriebe. Hm. Stimmt es wirklich, dass hier einem der beiden Länder Unrecht getan wird? Oder beiden? Was ist besser: England oder Deutschland?

Ohne hier nun eine Punktestatistik der bisherigen Blog-Einträge zu erarbeiten, will ich ihre Bemerkung würdigen und annehmen, dass dieser Eindruck auch bei anderen Leserinnen entstanden sein könnte.

Drei Erklärungen gäbe es vielleicht, sollte doch England oft besser weggekommen sein. Zunächst mein Empfinden, dass wir Deutschen uns nicht gerade durch große Bescheidenheit auszeichnen und wohl kein weiteres Bauchpinseln mehr nötig haben. Hier möchte ich mir jedoch gleich selbst widersprechen und sagen, dass dies eine sehr verallgemeinernde Ansicht ist, die nur aus marginalen Begegnungen im Ausland herrührt und sich eigentlich nicht einmal mit meinen Erfahrungen im persönlichen Umfeld deckt. (Sehr introspektiv, der heutige Text!)

Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass sich unsere nationalen Identitäten (oder zumindest deren kleinster gemeinsamer Nenner) unterscheiden. Als Deutscher ist man es gewohnt, auf der Weltbühne wahrgenommen und respektiert zu werden. Mein Mann hingegen findet, als Engländer fristet man ein Underdog-Dasein. Man kommt von einer kleinen Insel, die niemand richtig ernst nimmt. – Ach, Schnuffi, so ist es gar nicht! Aber offenbar wird es von vielen Briten so empfunden.

Der zweite Grund könnte der Effekt der Kirschen des Nachbarn sein, die immer süßer erscheinen als die eigenen (auf Englisch „The grass is always greener (on the other side of the fence)“). Das, was man hat, schätzt man weniger als das, was Andere haben.

Der dritte Grund ist der, dass es im Kontext eines interkulturellen Blogs naheliegt, mit Klischees zu spielen und diese bisweilen überspitzt darzustellen, da darauf vertraut werden kann, dass die geneigten Leser schon wissen, wie sich das in Wirklichkeit verhält (bzw. hat ja jede ihre eigene Wirklichkeit). (Nein, nicht alle Deutschen sind pünktlich, ernst und größenwahnsinnig.)

In England oder Deutschland leben? Am Schönsten wäre es, wenn beides ginge. Aber am Zweitschönsten ist es, in einem schönen Land zu leben und dieses andere schöne Land so oft wie möglich besuchen zu können. Ein Eintauchen in beide Kulturen – das genieße ich als großes Privileg.

Natürlich wird die existenzielle Frage „England oder Deutschland?“ auf die Spitze getrieben, wann immer sich die beiden Länder in einer wichtigen internationalen Sportveranstaltung begegnen. Mein Mann versucht regelmäßig, unsere Kinder zu indoktrinieren, zu England zu halten. Finde ich okay, weil wir ja dafür immer gewinnen! Hi, hi!

Also: Im Rennen England gegen Deutschland gibt es nur Sieger! Damit ein wundervolles neues Jahr! Und nächste Woche geht’s nach den gesellschaftsphilosophischen Betrachtungen gleich weiter mit sprachphilosophischen.

Der Pommes-Buddha sagt: Dengland ist das schönste Land!

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