The plait scale

braid girl

There are several reasons for this week’s revelation. One, it’s an act of reprisal: my husband hijacked my Facebook page the other day, so I’m hijacking his idea. Two, I’m on a rescue mission. This fascinating observation on the German culture is otherwise likely to pass into oblivion as it’s safe to assume that the blog my magnificent other was going to launch won’t be launched for another 150 years or so. (In case it does I herewith officially recognise his intellectual property rights.) So let’s learn about the mysterious plait scale …

‘The Plait Scale’ indicates the number of people in a country using some form of braiding in their hairdos, or, to put it in statistical terms, the ‘braid penetration’ of the population. The very concept of a braid was alien to my husband, who claimed that no girl or woman in England ever braided their hair. This may be changing as we speak (or read, as the case may be), as the plait, together with its masculine equivalent, the beard, has been making a strong case for itself on the international fashion stage lately.

So Mr K was intrigued to find plaited hair in various shapes and forms in a part of Germany outside of the world-acclaimed Plait Zone of Bavaria. Even more intriguingly, he observed that the number of people (mostly women) plaiting their hair dwindles gradually as you travel northwards, starting from, say, Oberstdorf. Women as far north as Hamburg, he noticed, were extremely unlikely to braid their hair at all. So the plait scale ranges from Algriet (north, no plaits) to Zenzi (south, corded maize of plaits), with Cologne approximately in midfield (plaits can be seen but are not ubiquitous).

If only I knew how this gem of insight could be of any relevant use … Well, I thought I’d share it with you anyway. You never know when this bit of trivia may come in handy. (As an interpreter I know that there is no such thing as useless information!)

More tasty tidbits are to come (see, I can’t do without food references). But first, let’s look at some practical issues of British-German life next week.

The Pommes Buddha says: Happy braiding!

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Britische Behaglichkeit

England

Wenn mich jemand fragte, wie ich in einem Satz die Essenz der englischen Kultur wie ich sie kenne zusammenfassen würde, so wäre die Antwort eine Frage, die für mich der Inbegriff der britischen Behaglichkeit ist. Unzählige Male schon wurde sie mir gestellt – eigentlich so gut wie jedes Mal, wenn ich auf der Insel bei jemandem zu Hause war.

„Shall I put the kettle on?“ Nun muss man etwas ausholen … Das was im typischen deutschen Haushalt die gute alte Kaffeemaschine ist (ich meine diese nun schon fast antik anmutende Konstruktion mit Filteraufsatz, Glaskanne und Warmhalteplatte), ist in Großbritannien the kettle, der (heutzutage vorwiegend elektrische) Wasserkocher. Fassungslos stand ich im Jahr 2000, zu Beginn meines Auslandssemesters in London, in der Küche meiner Unterkunft – es gab keine Kaffeemaschine! Ein Wasserkocher fand sich immerhin, aber kein Filteraufsatz, um wenigstens von Hand aufzubrühen. Nachdem ich auf der Suche nach Kaffeepulver lediglich auf körnigen Kaffee stieß, wurde mir klar: Im durchschnittlichen Haushalt wird Kaffee hier tassenweise hergestellt, und zwar aus Instant-Kaffeepulver. (Ja, ganz im Gegensatz zu Australien und Neuseeland hinkte Großbritannien dem Rest von Europa – oder auf Britisch Europe bzw. the Continent – in der Kaffeekultur lange weit hinterher.)

Tee wird, so man nicht der detaillierten Anweisung des Britischen Instituts für Normung (BSI) folgt, die 8 Seiten umfasst und für lächerliche 90 GBP zu erwerben ist, ebenfalls pro Tasse bzw. Becher aufgegossen. Milch darf selbstverständlich nicht fehlen. Und ein echter „Bauarbeitertee“ (siehe „builder’s brew“) wird’s nur mit reichlich Zucker. Da bekommt Stephen Twining Schnappatmung! Er erklärt auf Youtube, wie es richtig geht. Und hier schreibt der Independent über die perfekte Tasse Tee.

„Shall I put the kettle on?“ ist somit eine meist rhetorische Frage, die sagen soll: „Komm’, wir machen es uns gemütlich und trinken einen Tee (oder Kaffee)!“

Nächste Woche geht’s zur Abwechslung dann mal um nicht-kulinarische Verflechtungen …

Der Pommes-Budhha sagt: Manche mögen’s heiß!

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Höflichkeit ist eine Zier

Pondering Life

Eines der ersten Dinge, die mir aufgefallen sind, als ich als Studentin in London lebte, war die nachgerade allerorten erlebte Höflichkeit meiner Mitmenschen. Wenn man zur Rush Hour in der Tube versehentlich jemandem auf den Fuß trat, entschuldigte sich dieser mehrmals dafür, derlei Unannehmlichkeiten bereitet zu haben. Man mag dies als übertriebenen vorauseilenden Gehorsam aburteilen. Ich empfand es als im alltäglichen Umgang äußerst angenehmes Respektszeugnis. Was ist dran am Mythos des britischen Gentleman?

Laut dem englischen Schauspieler Edward Fox „[b]eing a gentleman is the number one priority, the chief question integral to our national life.“ Auch wenn man heute in Großbritannien, wie in jedem Land, Klagen über den Verfall von Sitte und Anstand vernimmt, so kann man doch sicher sein, dass der politeness auf der Insel im Allgemeinen erheblich mehr Bedeutung beigemessen wird als in unserem schönen Land. Mein englischer Ehemann wird es niemals müde zu betonen, dass Szenen wie die folgende – in Deutschland an der Tagesordnung – angesichts des unangebrachten Einmischens in fremde Angelegenheiten in England Stürme der Entrüstung auslösen würden.

Neulich fuhr ich in Köln mit dem Bus vom Bezirksrathaus nach Hause. Ich stand, meine zu diesem Zeitpunkt acht Wochen alte Tochter lag im Kinderwagen vor mir. Wie Babys es mit unerhörter Zuverlässigkeit in öffentlichen Verkehrsmitteln zu tun pflegen, weinte sie herzzerreißend. Eine ältere Dame wohnte dem Spektakel entsetzt bei und begann, dieses zu kommentieren. „Das Baby ist schon ganz rot. Das ist bestimmt nicht gut!“ Da ich nicht reagierte, forderte sie mich alsdann auf: „Nehmen Sie es doch mal heraus!“ Nachdem ich nur kurz erwiderte, das sei ja nun gerade schlecht möglich, setzte sie fort: „Was hat das Baby?“ (Wäre ich schlagfertig gewesen, hätte ich entgegnet: „Was haben Sie???“)

Solche und ähnliche Szenen werden mir von jungen Eltern allenthalben geschildert. Wildfremde, „gutmeinende“ Menschen verteilen großzügig Ratschläge, Aufforderungen oder gar Anfeindungen in Bezug auf die Kindererziehung. In Großbritannien ist so etwas verpöhnt. Nicht umsonst gibt es den Ausdruck small talk, denn der big talk gehört in die eigenen vier Wände.

Den Nörglern sage ich, entspannt Euch alle mal und schaut, wie Elternsein heute geht: http://time.com/3720541/how-to-parent-like-a-german/?xid=newsletter-brief. Zur vertiefenden Lektüre empfehle ich The Idle Parent von Tom Hodgkinson (hier zusammen mit zwei weiteren Büchern besprochen).

Nächste Woche wird’s bärig. Oder beerig?

Der Pommes-Buddha sagt: Einatmen – und ausatmen.

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Ein Tag beim Rennen

Rennbahn

Wer kennt sie nicht, die Bilder eleganter Damen in wagenradgroßen Hüten, die Champagner schlürfend am Rande der Pferderennstrecke im englischen Ascot posieren? Die Herren in Frack und Zylinder, die Tageszeitung unterm Arm? So vergnügt sich die High Society auf der Insel, denkt man. Nur die High Society?

Am 11. April ist es wieder soweit: Am wichtigsten Tag im Pferderennkalender wettet die britische Nation beim Grand National auf der Liverpooler Rennbahn Aintree zum Vergnügen. Dieses Spektakel kommt einem nationalen Feiertag gleich. Durch alle Schichten der Gesellschaft hinweg putzt man sich heraus und geht zur Rennbahn oder wettet im örtlichen Wettbüro.

Auch im übrigen Jahr ist der Besuch der Pferderennbahn ein durchaus gängiges Vergnügen. Besonders schick gekleidet wird sich dafür in der Regel nicht. Und es geht auch nicht sehr festlich zu: Familien bringen eine Decke und Essen mit und machen auf der Wiese an der Bahn ein Picknick. Selbstverständlich lässt es sich kein echter Brite nehmen, beim Rennen auch zu wetten. Hierzu sucht man sich aus den freien Buchmachern am Platz denjenigen mit der günstigsten Quote für das Wunschpferd heraus.

In Deutschland sind Pferderennen ein weniger verbreitetes Freizeitvergnügen. Dabei bietet beispielsweise die Kölner Galopprennbahn ein herrliches Ausflugsziel für die ganze Familie: Erfrischungen von Pommes über Erdbeerbowle bis hin zum Champagner verwöhnen das kulinarisch geneigte Publikum – alternativ kann man auch hier picknicken oder auch das äußerst vorzeigbare Gasthaus Rennbahn aufsuchen. Die Kleinen vergnügen sich auf dem Spielplatz, der sogar eine Hüpfburg vorzuweisen hat.

Wetten kann man hier natürlich auch, allerdings nicht bei Buchmachern, sondern nur direkt beim Rennverein nach dem Totalisator-Prinzip (engl. Tote). Ich persönlich suche mir meine Favoriten immer nach dem Namen aus. „Oh So Sassy“, „Yourartisonfire“, „Swiftly Done“, „Boomerang Bob“ (keine Konfabulationen von mir!) – am liebsten mag ich Namen, aus denen man Sätze bilden kann. Unsere dreijährige Tochter orientiert sich gerne am schönsten Jockey-Trikot. Mein Mann hingegen wendet eine nicht entschlüsselbare englische Geheimstrategie an, mit der er so gut wie immer unseren gesamten Wetteinsatz zurückgewinnt.

Übrigens verfügt Köln auch über die einzige Jockeyschule in Deutschland. Und viele Jockeys heißen ja Hermann. Oder? Wer war nochmal Hermann? Mehr dazu nächste Woche …

Der Pommes-Buddha sagt: Auch Einhufer können Herzstück eines vergnüglichen Nachmittages sein. Prosit!

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Wie groß ist deine Wohnung?

Rendered Industrial Bedroom

Diese Frage stellte mein Mann einer Kollegin, die von ihm wissen wollte, ob ihre Miete zu teuer sei. Sie antwortete als Britin erwartungsgemäß mit der Anzahl der Schlafzimmer („One bedroom.“). Als sich mein Mann, durch seine intensiven Erfahrungen auf dem Kölner Immobilienmarkt offensichtlich erfolgreich indoktriniert, nach der genauen Quadratmeterzahl erkundigte, zuckte seine Kollegin mit den Achseln. Die wusste sie beim besten Willen nicht. Im Ernst?

In der Tat sucht man Quadratmeterangaben in britischen Wohnungsanzeigen vergeblich. Entscheidend ist einzig, über wie viele Schlafzimmer eine Immobilie verfügt. Hier kommt man als Deutscher leicht durcheinander, denn bei uns ist eine 2-Zimmer-Wohnung (oder im Osten des Landes „2-Raum-Wohnung“) eine Wohnung mit einem Schlafzimmer (das zweite Zimmer ist das Wohnzimmer). In Großbritannien geht man davon aus, dass ein Wohnzimmer keiner besonderen Erwähnung bedarf. Eine 2-bedroom flat wäre hier somit eine 3-Zimmer-Wohnung. Eine 1-Zimmer-Wohnung wird in UK studio genannt. Die tatsächliche flächenmäßige Größe der Wohnung ist dem Briten offenbar schnuppe. Kaum zu glauben, wenn man in einem Land groß wurde, in dem es Formeln für die Berechnung der Bodenfläche unter Dachschrägen gibt und man rechtlich gegen den Vermieter vorgehen kann, wenn die Quadratmeterzahl mehr als 10 % unter der angegebenen liegt.

Verwirrend ist auch die Zählweise der Etagen, sobald man den Atlantik überquert. Bei uns beginnt man beim Erdgeschoss (EG) und zählt dann 1., 2., 3. usw. Obergeschoss (OG). In Großbritannien entsprechend ground floor und dann first, second, third usw. floor. In den USA hingegen ist der first floor das EG. Eigentlich logisch.

Auch ein englischer Bekannter von uns, seines Zeichens Kfz-Mechaniker, bestätigte jüngst, die Deutschen liebten genaue Zahlenangaben: Hier müsse jeder sein Gewicht in Kilogramm und seine Körpergröße in Zentimeter kennen. Seine Kollegen hätten es nicht durchgehen lassen, dass er sein eigenes Gewicht nicht anzugeben wusste und ihn auf der werkstatteigenen Industriewaage gewogen.

Dass auch die Österreicher es genau nehmen, erfahrt ihr nächste Woche.

Der Pommes-Buddha sagt: Was wäre das Leben ohne Zentimeter?

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Gruß aus der Heimat

Briefkasten

Einer der Gründe, warum ich Großbritannien so mag, sind die zahlreichen liebenswerten Sitten und Bräuche seiner Einwohner. Dazu gehört beispielsweise das Verschicken einer Grußkarte zu jedem erdenklichen Anlass. In Deutschland verschickt man viel seltener Karten, und die Anforderungen an den Gratulanten unterscheiden sich von denen auf der Insel. Aber in welcher Form? Und warum stehen Liebhaber englischer Grußkarten mit der Deutschen Post auf Kriegsfuß?

Im Januar hat die Deutsche Post, wie alle Jahre wieder, das Porto für einen Standardbrief erhöht. Ein „normaler“ Brief nach England kostet nunmehr 0,80 €. Hat man sich jedoch an den 08/15‑Motiven und –Formaten vieler deutscher Grußkartenfabrikanten satt gesehen und pflegt angesichts ihrer stilvoll bezaubernden Andersartigkeit Karten britischer Vertreiber wie Marks & Spencer oder John Lewis zu erwerben, so darf man keineswegs davon ausgehen, damit „normale“ Post zu verschicken. Eine englische Grußkarte – und das macht gerade einen beträchtlichen Teil ihres Charmes aus – hat selten die hier üblichen Formate DIN A6 oder DIN lang, sondern ist oft kleiner und meist entweder quadratisch oder sehr schmal und länglich. Damit unterschreitet sie das Mindestformat der Deutschen Post und kostet mittlerweile 1,50 €.

Doch zurück zum Brauch des Kartenschreibens. In Großbritannien ist es vollkommen üblich, auf eine Karte handschriftlich lediglich die Adressaten, (sofern kein vorgedruckter Text vorhanden ist) einen kurzen Einzeiler und schließlich die Grußformel einzutragen. Eine Grußkarte wird also als genau dies betrachtet: ein kurzer, lieber Gruß. In unseren Breiten hingegen gilt eine vorformulierte Karte als lieblos. Es werden vom Verfasser mindestens ein bis zwei handschriftliche und möglichst individuell formulierte Sätze erwartet.

Bei den Briten ist es zudem Brauch, erhaltene Grußkarten zu würdigen, indem man sie für einen gewissen Zeitraum daheim sichtbar präsentiert, beispielsweise auf dem Fensterbrett oder dem im angelsächsischen Raum berühmt-berüchtigten Kaminsims. Meine Schwiegermutter etwa dekoriert alljährlich hingebungsvoll ihre Wohnzimmerwand mit allen an sie verschickten Weihnachtskarten. In Deutschland legt man Karten nach dem Lesen beiseite, und oft landen sie alsbald im Altpapier. (Immerhin!)

Und nächste Woche wird’s kulinarisch …

Der Pommes-Buddha sagt: Eine Karte macht noch keinen Brief.

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Out of humour

Clownskopf und Konfetti

As the end of the carnival season is drawing near, Cologne is preparing for six days of celebration. Visitors from all over the world will flock in and be merry. Many foreigners think that Germans love carnival for the sole reason that it gives them permission to shed their otherwise serious face and let their hair down just for a few days a year. But is that really so?

Germans are known throughout the world for many good things. A sense of humour isn’t one of them. I’ve come across this prejudice several times – in Great Britain and Australia. While it may be true that it is not a forte of the German soul to laugh about oneself as systematically as the British do, it would be wrong to say that all Germans ‘go to the basement to laugh’, as a German saying goes.

It is true that, even in laid-back Cologne, people generally seem to have a certain sense of self-righteous entitlement, which I call Anspruchshaltung. For example, complete strangers will pass judgment on anything and everything, from the way you raise your child to the way you ride your bike – not to your face but loud enough to make sure you hear. The concept of queuing in Germany is replaced by the concept of ‘If I cheat my way in front of you, I’m first and you’re stuffed. Hard cheese’! This is just as annoying to many Germans as it is to foreigners.

And yet, humour, in my opinion, is the one thing that unites the world. A (German) friend of mine who recently spent the better part of two years on an aid mission in Afghanistan told me how he ditched all the official advice about treading on eggshells with topics such as sex, religion and politics. Despite being a non-smoker, he decided he’d use cigarette breaks to befriend his Afghan colleagues and just have a good laugh with them. They came to deeply respect him for being the only person to show a true interest in their lives. In the end, they all took the micky out of each other. He was the only German sitting with Afghans during lunch. And the only one who ever got invited to an Afghan house.

So, if you dare, try out your humour with your German colleagues next time. And invite them to pancakes on Veilchendienstag. Read more next week …

The Pommes Buddha says: Humour is the key.

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Ein Mann und sein Hund

Schäferhund

Hand hoch: Wer von Euch erinnert sich an den „Claim“ der 80er-Jahre-TV-Serie Knight Rider? „Ein Mann und sein Auto kämpfen gegen das Unrecht“. Daran erinnert es mich, wenn ich den Titel des in Großbritannien seit Jahren immens beliebten TV-Formats „One Man and His Dog“ höre. Dabei handelt es sich jedoch keineswegs um ein Kriminalfälle aufklärendes Ermittler-Duo, sondern …

… schlichtweg um eine Person und ihr Nutztier. In dem Programm, das seit 1976 (!) zur besten Sendezeit ausgestrahlt wird und in seinen besten Zeiten 8 Millionen Zuschauer zählte, geht es um nichts Anderes als Hundehalter und, ungeachtet des sexistischen Titels auch gelegentlich -halterinnen, die auf einem Feld-, Wald- und Wiesenparcours die Qualitäten ihres Hirtenhundes demonstrieren. Die Hunde müssen Aufgaben unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade erfüllen und dabei Schafe durch verschiedene Hindernisse treiben. Punktabzug gibt es beispielsweise, wenn nicht alle Schafe durch das vorgegebene Gatter laufen. Als im Musikantenstadl-Deutschland sozialisierte Person ist man ja manchen Kummer gewohnt, aber bei diesem Feuerwerk der Unterhaltung blieb selbst mir die Kinnlade offen stehen.

Der Erfolg einer so biederen Sendung ist jedoch symptomatisch für die andererseits wiederum äußerst einnehmende Tierliebe der Briten. Ich kenne kein anderes Land, in dem Themen rund um die heimische Fauna derart viel öffentlicher Raum gewidmet wird wie im Vereinigten Königreich. Wo sonst werden Ereignisse wie „The oldest Barnacle Goose ever recorded was seen last week at WWT Caerlaverock Wetland Centre on the Solway Coast“ als Sensation gefeiert? Nirgends wird mit so viel Nachdruck um die Mithilfe der Bevölkerung gebeten, wenn es um die Sichtung einer bedrohten Vogelart geht, nirgends mit so viel Inbrunst die Fuchs- und Dachsproblematik im urbanen Raum diskutiert. Als abgestumpfter Mitteleuropäer findet man dies zunächst befremdlich. Öffnet man sich jedoch dieser leicht verklärten Naturvernarrtheit, erfährt man, beispielsweise durch eine ganz non-virtuelle Art des „Tweet of the Day“, kathartische Entschleunigung.

Interessanterweise ist es trotz dieser Sorge um die Natur bei den Briten mit der Mülltrennung nicht so weit her. Auf der Insel gelten wir Deutschen als Umweltschutz-Extremisten. Mein Mann macht sich zu Recht regelmäßig darüber lustig, dass der Nachbar zwar mit Argusaugen darüber wacht, ob wir Papier und Plastik ordnungsgemäß entsorgen, ein Tempolimit auf der Autobahn aber als ultimative Zumutung empfindet. Und dass Kohle hier immer noch subventioniert wird.

Nächste Woche erwartet Euch dann ein saisongemäßer Exkurs in humoristische Gefilde.

Der Pommes-Buddha sagt: Bitte rufen Sie an, wenn Sie eine Weißwangengans in Ihrem Garten sichten.

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Mother’s passport

Schwangere Frau liegend hält  Babybauch und Mutterpass

As the birth of our second child is imminent or may have taken place by the time you read this, I’ve been thinking about this oddly-named booklet that accompanies you through your pregnancy in Germany, the Mutterpass (literally: ‘mother’s passport’). To me it sounds like a certificate you’re awarded when you’ve passed all the exams related to baby stuff such as changing nappies, mopping up barf and skillfully steering around nervous breakdowns two to three times a day.

One manufacturer of baby formula had this very suitable TV ad, which unfortunately I’m unable to locate online. It said something along the lines of ‘No prior experience required. No need for an interview. No assessment centre. And yet the job is yours’, meaning the job of being a parent. The Mutterpass, accordingly, is not a proof of aptitude. It’s a medical document filled out by your OB-GYN (note to German readers: pronounce each letter separately – by the way, a brilliant source for English abbreviations is http://www.acronymfinder.com) which you have to have on your person at all times throughout your pregnancy.

On my quest to find out whether the same thing existed in English-speaking countries, I came across the South Australian ‘pregnancy record’, but couldn’t find an NHS equivalent. My husband’s cousin, a mother of two, informed me that the English equivalent is an A4 record simply referred to as ‘the notes’. I’d love to hear of other ‘bump log’ versions from you ladies around the globe.

The online dictionary dict.cc suggests two translations for Mutterpass, one of them being the above-mentioned ‘pregnancy record (book/booklet)’. However, I found the other one, ‘maternity log’, much more appealing, imagining how I navigate through some kind of baby haze and keep a log to record my journey to and through parenthood. Reminds me a bit of the Ehefähigkeitszeugnis (literally: ‘proof of ability for marriage’, legally a so-called ‘certificate of no impediment’) I only barely escaped from providing when getting married in England.

Next week, we’ll check out a different type of pass …

The Pommes Buddha says: Never trust a mother without a passport.

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An mein Ohr kommt nur Wasser und O-Ton

Video, movie, cinema concept. Retro camera, reels, clapperboard

Als ich mich neulich mit einer Freundin fürs Kino verabreden wollte, stellte ich wieder einmal fest, an welchem Punkt sich die Geister scheiden: Selbst atheistische Sprachfreaks bekreuzigen sich bei der Aussicht auf die Synchronfassung eines Films! Wie kommt es eigentlich, dass in Deutschland synchronisiert, in englischsprachigen Ländern hingegen untertitelt wird?

Traditionell werden in vier Ländern ausländische Filme synchronisiert, also in eine neue von Sprechern bzw. Schauspielern eingesprochene Fassung gebracht: in Deutschland, Spanien, Italien und Frankreich. In allen anderen Ländern der Welt werden Filme untertitelt. Dies liegt hauptsächlich an der Entwicklung der Filmindustrie und ihrer damit einhergehenden Bedeutung in den genannten Ländern, die dann auch zu einer entsprechenden Ausstattung mit Finanzmitteln führte. (Synchronisation ist ungleich teurer als Untertitelung.)

Das deutsche Ohr ist also an einen deutschen Ton beim Film gewöhnt, das deutsche Auge jedoch nicht an das Lesen von Untertiteln. Ich persönlich war indes schon früh von Originalfassungen (OmU = Original mit Untertiteln; OV = Originalversion) fasziniert und schaute als Jugendliche wo ich konnte unsere niederländischen Nachbarsender im Fernsehen an, die meine Lieblingsserien im englischsprachigen Original zeigten. Schon damals fand ich, dass bei der Synchronisation von Filmen und Serien ein erheblicher Teil des Ausdrucks und der Atmosphäre verloren geht.

Ganz selten findet man jedoch auch den umgekehrten Fall, dass eine geniale Synchronfassung dem Original noch einen zusätzlichen Pfiff verleiht – dies meist bei älteren Filmen, die sich mit zum Teil abenteuerlichen, mit zielsprachlichen Spezifika wie Dialekten gespickten deutschen Fassungen schmücken können. (Hier sei einer meiner Lieblingsfilme erwähnt: „Manche mögen’s heiß“ [„Some like it hot“] von 1959, in dem der großartige Georg Thomalla Jack Lemmon seine Stimme lieh.)

Wer mehr zum Thema lesen mag, dem sei die Kurzübersicht Code of Good Subtitling Practice bzw. „die Bibel“ der Untertitelung „Subtitling“ von Jan Ivarsson und Mary Carroll ans Herz gelegt.

Und nächste Woche geht’s um kleine deutsche Wörter, die Engländer zum Lachen bringen.

Der Pommes-Buddha sagt: Ich bin ein Mann! – Na und? Niemand ist vollkommen!

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