Der Preis ist heiß

Football ticket card modern design. Vector illustration

Der deutsche Fußball ist in letzter Zeit in aller Munde. Die Nationalelf wurde jüngst Weltmeister, Bayern München startet wieder einmal durch, und nun, neuerdings, bröckelt die Fassade des unantastbaren Kaiser Franz. Während andere über Skandale und schockierende Ereignisse hinter den Kulissen berichten, wollen wir uns an der Basis die angenehmen Seiten des Daseins als Fußballfan in Deutschland anschauen.

Als Bayern München neulich in der Gruppenrunde der Champions League auswärts gegen Arsenal spielte (übrigens heißt es nicht, wie die deutsche Berichterstattung nicht müde wird zu titulieren, Arsenal London), machten die Proteste der Münchener Fans über Ticketpreise in England Schlagzeilen. Die BBC Sport-Webseite berichtet, dass Arsenal mit einem Dauerkartenpreis von 2.013 £ (ca. 2.875 €) der teuerste Club der Premier League sei. Das günstigste Dauerticket liege bei 1.014 £ (ca. 1448 €). (Bei Bayern kostet das teuerste bzw. günstigste Jahresticket laut Webseite 750 € bzw. 140 €.)

Seit Jahren diskutiert man auf der Insel hitzig darüber, dass der Sport sich weg von einem Breitensport und hin zu einem Elite-Ereignis entwickelt, bei dem nicht eingefleischte Fans, sondern desinteressierte Geschäftsleute das Publikum geben. Selbst die günstigsten Einzeltickets für ein weniger prestigeträchtiges Spiel liegen so hoch, dass sie sich der kleine Mann und die kleine Frau kaum noch leisten können (siehe auch: http://www.bbc.com/sport/0/football/29614980). Dies mag auch mit daran liegen, dass es seit Hillsborough in UK keine Stehplätze mehr gibt. Hier stellt sich jedoch die Frage, ob es an der Zeit wäre, Fußballtickets öffentlich zu subventionieren. (Wer hierbei nicht sofort an Humphreys gerümpfte Nase denkt, dem empfehle ich grundsätzlich die geniale britische Politsatire-Serie Yes, Prime Minister und insbesondere Folge 6 der zweiten Staffel, The Patron of the Arts.) Für die weitere Lektüre zum Thema schreibt der Guardian Filching from the fans.

Beim 1. FC Köln liegen Ticketpreise übrigens bei 785 €/115 €. Mr K, dessen Herz in seinem englischen Leben für West Ham United schlägt, hat sich mittlerweile und mit großem Vergnügen zu einem Vollblut-FC-Fan gemausert.

Bei einem Stadionbesuch in Deutschland fällt dem geneigten Engländer sofort auf, dass das Bild auf den Zuschauertribünen, wenn nicht geprägt, so aber deutlich durchzogen ist von Frauen und Kindern. Oft gibt es sogar designierte Familienbereiche. Mein englischer Ehemann bezeichnet Deutschland daher gerne als family football-friendly nation. Es gibt bezahlbare Tickets, Stehplätze und man darf im Stadion Bier trinken. Das Paradies auf Erden für jeden englischen Fußballfan!

Und zum Schluss noch ein Tipp für die coolste Fußballsendung, die das deutsche Fernsehen zu bieten hat: Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs. Unbedingt gucken (auch für Nichtfußballfans)!

Nächste Woche geht’s um ein Paradies für Deutsche.

Der Pommes-Buddha sagt: Im Stadion sind alle Fans gleich, doch manche sind gleicher als andere.

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Ein Tag beim Rennen

Rennbahn

Wer kennt sie nicht, die Bilder eleganter Damen in wagenradgroßen Hüten, die Champagner schlürfend am Rande der Pferderennstrecke im englischen Ascot posieren? Die Herren in Frack und Zylinder, die Tageszeitung unterm Arm? So vergnügt sich die High Society auf der Insel, denkt man. Nur die High Society?

Am 11. April ist es wieder soweit: Am wichtigsten Tag im Pferderennkalender wettet die britische Nation beim Grand National auf der Liverpooler Rennbahn Aintree zum Vergnügen. Dieses Spektakel kommt einem nationalen Feiertag gleich. Durch alle Schichten der Gesellschaft hinweg putzt man sich heraus und geht zur Rennbahn oder wettet im örtlichen Wettbüro.

Auch im übrigen Jahr ist der Besuch der Pferderennbahn ein durchaus gängiges Vergnügen. Besonders schick gekleidet wird sich dafür in der Regel nicht. Und es geht auch nicht sehr festlich zu: Familien bringen eine Decke und Essen mit und machen auf der Wiese an der Bahn ein Picknick. Selbstverständlich lässt es sich kein echter Brite nehmen, beim Rennen auch zu wetten. Hierzu sucht man sich aus den freien Buchmachern am Platz denjenigen mit der günstigsten Quote für das Wunschpferd heraus.

In Deutschland sind Pferderennen ein weniger verbreitetes Freizeitvergnügen. Dabei bietet beispielsweise die Kölner Galopprennbahn ein herrliches Ausflugsziel für die ganze Familie: Erfrischungen von Pommes über Erdbeerbowle bis hin zum Champagner verwöhnen das kulinarisch geneigte Publikum – alternativ kann man auch hier picknicken oder auch das äußerst vorzeigbare Gasthaus Rennbahn aufsuchen. Die Kleinen vergnügen sich auf dem Spielplatz, der sogar eine Hüpfburg vorzuweisen hat.

Wetten kann man hier natürlich auch, allerdings nicht bei Buchmachern, sondern nur direkt beim Rennverein nach dem Totalisator-Prinzip (engl. Tote). Ich persönlich suche mir meine Favoriten immer nach dem Namen aus. „Oh So Sassy“, „Yourartisonfire“, „Swiftly Done“, „Boomerang Bob“ (keine Konfabulationen von mir!) – am liebsten mag ich Namen, aus denen man Sätze bilden kann. Unsere dreijährige Tochter orientiert sich gerne am schönsten Jockey-Trikot. Mein Mann hingegen wendet eine nicht entschlüsselbare englische Geheimstrategie an, mit der er so gut wie immer unseren gesamten Wetteinsatz zurückgewinnt.

Übrigens verfügt Köln auch über die einzige Jockeyschule in Deutschland. Und viele Jockeys heißen ja Hermann. Oder? Wer war nochmal Hermann? Mehr dazu nächste Woche …

Der Pommes-Buddha sagt: Auch Einhufer können Herzstück eines vergnüglichen Nachmittages sein. Prosit!

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Der Ball ist rund

Sport balls

Alle Jahre wieder, im Januar, öffnet sich das Transferfenster. Eine passende Gelegenheit, sich das Thema des deutschen wie englischen Nationalsports einmal genauer anzusehen …

Mit der Frage konfrontiert, was er denn an England am meisten vermisse, pflegt mein Ehemann zu antworten: Match of the Day. Dort ist dies die wichtigste Fußball-Fernsehsendung am Samstagabend, in der, nunmehr seit gut 50 Jahren, alle Spiele der Premier League zusammengefasst und von Experten recht kurzweilig kommentiert werden. Vergleichbar wäre in Deutschland vielleicht Das aktuelle Sportstudio, plus andere Sportarten und minus die Kurzweile.

Hüben wie drüben ist Fußball Nationalsport und vieldiskutiert. Es gibt unzählige eingefleischte Fans und die meisten Einwohner beider Länder wachsen mit „ihrem Verein“ auf. Ich erinnere mich lebhaft an einen Besuch bei Freunden in Newcastle: Er ein hartgesottener NUFC-Fan, für den das Nirvana der Gästeunterhaltung darin bestand, gemeinsam The 283 Goals of Alan Shearer anzusehen – und er konnte zu jedem Tor genau die Umstände berichten. Sein schier unzügelbarer Enthusiasmus war anrührend, muss jedoch auch hierzulande, davon bin ich überzeugt, seinesgleichen nicht lange suchen.

„Fußball“ heißt übrigens auf Britisch „football“. In den USA und Australien, die jeweils eine dort viel bekanntere nationale Variante desselben betreiben (American bzw. Australian football [downunder auch Aussie (rules) football oder schlicht footie genannt]), nennt man den Sport mit dem runden Leder zur Unterscheidung „soccer“. Im US-amerikanischen Englisch gibt es außerdem noch das Wort „foosball“, das sich auf das Spiel bezieht, das wir „Kicker“ oder „Tischfußball“ nennen.

Und, liebe EngländerInnen, in Deutschland heißt es „englische Woche“, wenn Bundesliga‑ und andere Spiele ausnahmsweise einmal unter der Woche stattfinden – was bei Euch ja üblich ist. (An dieser Stelle empfehle ich wärmstens das Wikipedia-Glossar der Fußballbegriffe, auch in einer englischen Version verfügbar.) Fragt sich im Umkehrschluss, ob die jüngste Entscheidung, in der Premier League den Freitagabend als regulären Spieltermin einzuführen, dann wohl als German week bezeichnet werden wird?

Diese kleine Exkursion möchte ich gerne mit der Warnung eines Bekannten einer Freundin zu einer Frage der Elternschaft schließen, die die Themen der vergangenen und laufenden Woche durch eine wunderbare Metapher miteinander verbindet: „Du musst dir immer klar sein: Mit dem dritten Kind wechselst du von Manndeckung auf Raumdeckung.“

Nächste Woche bleiben wir im Spielfluss und folgen einem großen Gewässer.

Der Pommes-Buddha sagt: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.

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