Glücksrad

Fahrradweg

England ist das Land der … Was fällt einem da spontan ein? Dichter und Denker? Sicherlich. Romantischen Gärten? Durchaus. Radfahrer? Ganz bestimmt nicht. Doch neulich traute ich meinen Augen kaum, sah ich auf der Insel doch einen Menschen sich auf einer Landstraße auf einem Fahrrad fortbewegen. Ein Zufall?

Rührend war, dass dieser Mensch genau so aussah, wie mein englischer Ehemann deutsche Trekking-Urlauber beschreibt: heillos überausgerüstet. Man hatte jedenfalls den Eindruck, dass hier der Drahtesel nicht zweckmäßig als Fortbewegungsmittel eingesetzt, sondern vielmehr als Sportgerät genutzt wurde.

Das Fahrrad als Vehikel wird jedoch auch in England beliebter. Der Londoner Oberbürgermeister Boris Johnson, der sich in seiner Heimat selbst immer wieder gern als passionierter Radler inszeniert, eröffnete Ende 2015 die erste britische Radfahrer-Autobahn.

Ah, die Autobahn – Schauplatz so manchen Emotionskontrollverlusts! Im Englischen gibt’s den wunderbaren Ausdruck road rage (Lehnwortalarm!). Wer wie ich jüngst das Buch The Chimp Paradox von Steve Peters gelesen hat, wird aus Kräften versuchen, es nicht persönlich zu nehmen, wenn ein Bergheimer BMW mal wieder den Fahrradweg mit der Rechtsabbiegespur verwechselt … Oooommmmm! (Peters sagt auch, man soll nicht in Stereotypen denken.)

Aber road rage funktioniert natürlich auch umgekehrt (Diese rücksichtslosen Radfahrer!) oder gar innerhalb der eigenen Sippe. Ich fahre am liebsten hinter verantwortungsbewussten Radfahrern, zu erkennen an Helm und Warnweste, und denen, die nichts dem Zufall überlassen, zu erkennen an dem zusätzlichen Regenschutz auf dem Fahrradhelm. Da sind keine unvorhergesehenen Bewegungen zu erwarten.

Zum Bürgerkrieg unter Radfahrern gibt es ein Schmankerl aus dem coolen New York. Obgleich diese Stadt für Radfahrer wieder ganz anders tickt, passen die Kategorien unterschiedlicher Radler-Archetypen, die der Bike Snob in diesem sehr unterhaltsamen Artikel umreißt, meiner Meinung nach wunderbar auf die meisten Großstädte dieser Welt.

Übrigens, ein super Fahrrad-Reparaturladen in Köln ist Portz am Ring. Freundliche Mitarbeiter, faire Preise, super Service, zentrale Lage.

Und nächste Woche kommen wir den Siezern auf die Spur.

Der Pommes-Buddha sagt: Ein Rad kommt selten allein.

> Audioversion

  

Magnum in distress

Microphone And Singer

As most of you know, in Germany films are dubbed (see “An mein Ohr kommt nur Wasser und O-Ton”). So on TV and in most cinemas, Daniel Craig and Jennifer Lawrence speak German while their lips form English words. But of course, this being Germany, voice-overs are not services purchased randomly for each film project. No, there is method in this madness. Read on and see for yourself what this entails and why Herr Lehmann is not just a good book.

Each popular American and English actress has her very own German voice, i.e. she is usually dubbed by one and the same voice-over artist in whatever film or series she stars. Voice-over artists may have several actors, but each actor generally has one voice-over artist and thus a recognisable German voice.

Consequently, Germans, unless they are either proper cinema aficionados or interpreters and watch every film in its original version, would never recognise, say, Sean Connery by his real voice.

On the other hand, who’d expect that the unsuspicious-sounding name Manfred Lehmann belongs to the German voice of not only Bruce Willis but also Dolph Lundgren, Gérard Depardieu and Kurt Russell, among others?

As for animated films, the UK, in its own productions, and Germany both make it a crucial part of a film’s PR to use famous actresses and actors for voice-over. For example, the little snowman Olaf in Frozen is spoken by German ‘household-name’ comedian Hape Kerkeling. And UK-produced films such as Arthur Christmas or Flushed Away feature celebs such as Hugh Laurie, James McAvoy, Hugh Jackman and Kate Winslet.

Sometimes, well-known voices can play tricks on you. Do you remember the American TV series Magnum, P.I.? A friend of mine knows a guy who works as a handyman for a film production company. One day, that guy comes home to find an answerphone message by Tom Selleck’s German voice saying, “Hey, Andreas, I have some computer trouble. Could you please give me a ring”? How cool must this Andreas be if Magnum calls him for help!

So voices can definitely leave quite an impression. As an interpreter, I’m very aware of that. Try my podcast to see if you like this text being read to you.

And now get in gear for next week’s road trip.

The Pommes Buddha says: The name is Bond. James Bond.

> Audioversion

  

Kneipentour

Glass of dark beer with candle in pub setting

Habt Ihr schon einmal bemerkt, dass, wo immer man sich in der Welt bewegt, Kneipen immer ein scheinbar vom Rest des öffentlichen Lebens getrennt funktionierender Kosmos sind? Auch wenn man durchschaut, wie die meisten anderen Gesellschaftsbereiche eines Landes funktionieren, wird man doch oft von den ungeschriebenen Gesetzen beispielsweise eines Pubs überrascht. Wie bestellt man also ein Bier in England?

Im Vereinigten Königreich gibt es in Kneipen, genannt pubs (kurz für public house), keine Bedienung an den Tischen. Man geht an die Theke und bestellt. Meist gibt es eine Auswahl mehrerer Biere vom Fass (draught / on tap) sowie ein bis zwei Sorten cider (Apfelwein). Manche Biere (oft die sogenannten ales) werden bei Raumtemperatur getrunken. Alles vom Fass gibt es als pint (knapp 500 mL) oder als half (pint). Ein Bier mit Limonade (in Deutschland je nach Region „Radler“ oder „Alster“) heißt shandy. Man bezahlt gleich an der Theke und setzt sich dann an einen freien Tisch.

In Deutschland kann man in der Regel annehmen, dass in allen Gastwirtschaften, also Restaurants und Kneipen, am Tisch bedient wird. Das Angebot der Biersorten unterscheidet sich regional und reicht von Weißbier bzw. Weizenbier über Pils bis hin zu Kölsch (Köln) und Alt (Düsseldorf), wobei jedes Bier in einem anderen Glas und in anderer Menge serviert wird. Das Kölsch wird in sogenannten Stangen (200 mL) ausgeschenkt. In Brauhäusern ist es Usus, dass ein leeres Glas automatisch durch ein volles ersetzt wird. Will man kein weiteres Kölsch, so legt man seinen Bierdeckel auf das Glas.

Im britischen Pub ist es üblich, so man in einer überschaubaren Gruppe unterwegs ist, dass reihum jeweils einer eine Runde holt. Scheint dies logistisch unpraktisch oder zu teuer, weil es zu viele Gruppenmitglieder sind, so wird oft vorgeschlagen: „Shall we go Dutch?“, das heißt, jeder holt und zahlt sein eigenes Getränk.

An Karneval, wenn die Kölner Kneipen so voll sind, dass Tischbedienung nicht mehr möglich ist, wird das englische System übernommen. Man zahlt an der Theke und holt normalerweise gleich eine ganze Runde. Dazu kann man beispielsweise einen Kranz (siehe Kölsch-Knigge auf der Webseite der StäV) oder einen Meter Kölsch bestellen. (Mehr zur kölnischen Kultur auf www.koeln-lese.de.)

Wenn man im Pub Essen bestellt, tut man dies ebenfalls an der Theke, bezahlt es dort und erhält dann meist einen Gegenstand mit einer Nummer darauf. Das Essen wird an den Tisch gebracht, wobei die Bedienung den richtigen Tisch anhand dieser Nummer identifiziert.

Übrigens, ein kleiner Exkurs ans andere Ende der Welt: In Australien steht auf Pubs oft Hotel. Auf Hotels steht aber auch Hotel. Also Vorsicht: Nicht jedes hotel hat auch tatsächlich Zimmer zu vermieten. „Eine Runde spendieren“ oder „einen ausgeben“ heißt im australischen Englisch (und nur dort!) to shout. Man hört dort also oft „My shout!“ oder „Can I shout you a drink?“

Für die Nachlese zur englischen Kultur empfehle ich auch an dieser Stelle gerne wieder Kate Fox’ Buch Watching the English. The Hidden Rules of English Behaviour. (Siehe Links.)

Das war’s mit unserer kleinen Kneipentour (Englisch: pub crawl). Weiter geht es nächste Woche mit Stimmen aus dem Off.

Der Pommes-Buddha sagt: Das letzte Kölsch war schlecht.

> Audioversion

  

Germans are everywhere

hiking in the mountains

During my time in Australia, some of which I spent travelling around the country, I realised that there’s no escape. I was picturing a secluded part of the world, literally the furthest away from my home country, where I would be left in peace and have a chance to immerse myself into a different culture, completely unfettered by my roots, for a while. But no!

Not only did I not feel secluded at all because, obviously, there was e-mail and Skype – and even people on the telephone in Europe sounded like they were just around the corner. But also, wherever I went, on every last bloody jeep safari into the remotest part of the bush, I would bump into fellow countrymen and women.

Germans do like to travel. The World Tourism Organization UNWTO says that until 2011 Germans were the world champions of travelling, at least based on the money spent in tourism.

Whenever my English husband and I are hiking abroad, he takes mischievous pleasure in a little pastime he calls Spot the German. Having trotted the odd part of the globe, he says you can always recognise Germans by their top-notch, super-organised equipment. And by their Jack Wolfskin coats – which, he assumes, will expand into a fully-equipped tent or ready-to-use canoe at the hassle-free pull of a strap.

I was surprised to hear he’d never heard of Jack Wolfskin before going backpacking. I thought it came from some English-speaking country, but it is actually a German brand.

‘You would never see a German on a hiking trail just wearing a pair of old trainers,’ says Mr K. Yes, we like to be prepared. That makes us feel safe. And when we’re prepared and feel safe, most of us will be in the right mindset to actually let our hair down.

When I went on a trekking tour in Tasmania, I was incredulous at one Irish girl wearing trainers. It did say on the equipment list that rain and mud were to be expected. And this poor girl ended up with very, very, very wet feet, while my feet were nicely dry and snug in my Meindl leather boots. Sometimes it’s nice to be German.

But, oh, what woe if we fall prey to imponderabilities! Imagine … ‘Liebling, I’ve lost my Swiss Army knife. Go, go, you can make it without me!’ – ‘But Schatz, I think we’ll be fine. It’s only the Cologne Zoo cable car.’

Now get your pickaxe, coz next week we’re going on a pub crawl.

The Pommes Buddha says: When in doubt, ask a German. (There’ll probably be one right next to you.)

> Audioversion

  

Tatort: Großbritannien

detective story concept

Krimi-Serien erfreuen sich seit jeher großer Beliebtheit. Das Vereinigte Königreich wartet mit einem breiten Repertoire auf, das einem heterogenen und anspruchsvollen Publikum gerecht zu werden weiß. Neben der mit Liebe zum Detail inszenierten und großartig adaptierten Neuverfilmung der Sherlock-Holmes-Romane („Sherlock“), die seit 2012 über britische Fernsehbildschirme flimmert und längst auch in Deutschland Einzug erhalten hat, lohnt sich ein Blick an die englische Südküste.

Der Blick geht nach Broadchurch in Wessex. Broadchurch? Nie gehört? Na ja, so manchen englischen Ortsnamen hat selbst der Brite nie gehört. Doch bei Broadchurch handelt es sich in der Tat um einen fiktiven Ort. Und „Wessex“ klingt, analog zu „Essex“ und „Sussex“, vollkommen logisch nach einer Region in England – ist es aber nicht. „Erfunden“ hat Wessex der englische Schriftsteller Thomas Hardy. Nun wurde diese Grafschaft für das britische Fernsehen wiederbelebt.

Broadchurch ist der Name einer britischen TV-Serie, deren dritte Staffel derzeit in Arbeit ist. Die Geschichte beginnt wie so mancher klassische Kriminalfall mit einem Mord in einem kleinen Städtchen, in dem jeder jeden kennt und zahlreiche Verdächtigungen hin‑ und hergehen.

Zugegeben, man muss über so manche inhaltliche Schwäche hinwegsehen können – wer’s zu genau nimmt, wird die Stärken des Werks nicht genießen können. Gelingt es einem jedoch, sich auf die Geschichte einzulassen, so wird man mit fesselnder Spannung und fulminanten Twists belohnt.

Auffallend ist bei vielen neueren Serienproduktionen eine ungewöhnlich kreative Kameraarbeit. Allein durch Kameraführung, Detailaufnahmen, Zeitlupen etc. wird eine packende Atmosphäre geschaffen. Die Umgebung verkörpert gewissermaßen eine eigene Figur des Stücks.

Gegenüber dem Medium Spielfilm hat die Serie natürlich den großen Vorteil (der in zeitgenössischen Produktionen seit etwa einem Jahrzehnt als eines der wichtigsten dramaturgischen Mittel tatsächlich genutzt wird), dass die Figuren erheblich komplexer entwickelbar sind. Als legendär zu nennen ist in diesem Zusammenhang die US-amerikanische Serie Breaking Bad – kaum zu übertreffen an dramaturgischer Raffinesse und Figurentiefe. Wie neulich in einem Gespräch mit Familie und Freunden alle, die die Serie gesehen haben, einstimmig feststellten, gibt es, serienhistorisch aber auch schlicht im Rezipientenleben, eine Zeit vor Breaking Bad und eine Zeit nach Breaking Bad.

Ach, es gäbe so viel zu dieser Serie zu sagen. Breaking Bad ist überall. Genau wie die Deutschen. Aber dazu mehr nächste Woche.

Der Pommes-Buddha sagt: Ein Leben ohne Serien ist möglich, aber sinnlos.

> Audioversion

  

England gegen Deutschland

Travel destination and journey luggage concept, stack of suitcases in colors of national flags of european countries isolated on white background

Neulich fragte mich eine meiner treuen Leserinnen, ob ich eigentlich gerne in England wohnen würde, da ich doch immer nur Gutes über England und Schlechtes über Deutschland schriebe. Hm. Stimmt es wirklich, dass hier einem der beiden Länder Unrecht getan wird? Oder beiden? Was ist besser: England oder Deutschland?

Ohne hier nun eine Punktestatistik der bisherigen Blog-Einträge zu erarbeiten, will ich ihre Bemerkung würdigen und annehmen, dass dieser Eindruck auch bei anderen Leserinnen entstanden sein könnte.

Drei Erklärungen gäbe es vielleicht, sollte doch England oft besser weggekommen sein. Zunächst mein Empfinden, dass wir Deutschen uns nicht gerade durch große Bescheidenheit auszeichnen und wohl kein weiteres Bauchpinseln mehr nötig haben. Hier möchte ich mir jedoch gleich selbst widersprechen und sagen, dass dies eine sehr verallgemeinernde Ansicht ist, die nur aus marginalen Begegnungen im Ausland herrührt und sich eigentlich nicht einmal mit meinen Erfahrungen im persönlichen Umfeld deckt. (Sehr introspektiv, der heutige Text!)

Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass sich unsere nationalen Identitäten (oder zumindest deren kleinster gemeinsamer Nenner) unterscheiden. Als Deutscher ist man es gewohnt, auf der Weltbühne wahrgenommen und respektiert zu werden. Mein Mann hingegen findet, als Engländer fristet man ein Underdog-Dasein. Man kommt von einer kleinen Insel, die niemand richtig ernst nimmt. – Ach, Schnuffi, so ist es gar nicht! Aber offenbar wird es von vielen Briten so empfunden.

Der zweite Grund könnte der Effekt der Kirschen des Nachbarn sein, die immer süßer erscheinen als die eigenen (auf Englisch „The grass is always greener (on the other side of the fence)“). Das, was man hat, schätzt man weniger als das, was Andere haben.

Der dritte Grund ist der, dass es im Kontext eines interkulturellen Blogs naheliegt, mit Klischees zu spielen und diese bisweilen überspitzt darzustellen, da darauf vertraut werden kann, dass die geneigten Leser schon wissen, wie sich das in Wirklichkeit verhält (bzw. hat ja jede ihre eigene Wirklichkeit). (Nein, nicht alle Deutschen sind pünktlich, ernst und größenwahnsinnig.)

In England oder Deutschland leben? Am Schönsten wäre es, wenn beides ginge. Aber am Zweitschönsten ist es, in einem schönen Land zu leben und dieses andere schöne Land so oft wie möglich besuchen zu können. Ein Eintauchen in beide Kulturen – das genieße ich als großes Privileg.

Natürlich wird die existenzielle Frage „England oder Deutschland?“ auf die Spitze getrieben, wann immer sich die beiden Länder in einer wichtigen internationalen Sportveranstaltung begegnen. Mein Mann versucht regelmäßig, unsere Kinder zu indoktrinieren, zu England zu halten. Finde ich okay, weil wir ja dafür immer gewinnen! Hi, hi!

Also: Im Rennen England gegen Deutschland gibt es nur Sieger! Damit ein wundervolles neues Jahr! Und nächste Woche geht’s nach den gesellschaftsphilosophischen Betrachtungen gleich weiter mit sprachphilosophischen.

Der Pommes-Buddha sagt: Dengland ist das schönste Land!

> Audioversion

  

Schöne Bescherung

Tannenbaum in stimmungsvoller Schneelandschaft

When days grow short and snowflakes fall (not!), many people like to snuggle up in cosy cotton and enjoy a cuppa. Others prefer to explore a different kind of Gemütlichkeit abroad. One of the big German winter tourism attractions are the Christmas markets, the most famous one being the Christkindlesmarkt in Nuremberg. But who or what is Christkindle and how do Germans celebrate Christmas? Let’s take a peek …

Historically, in Germany, 6th December (St Nicholas Day) was the day when Christmas presents were given. This tradition changed in the 16th century when the Protestant movement, turning away from the cult of the saints, focused on the Christkind (literally ‘child of the Christians’, i.e. Jesus) as the bearer of good tidings, and henceforth the Bescherung (handing out of presents) took place on 24th December. (See Wikipedia.)

Yes, we know Jesus was born on 25th December. But if you’ve lived in Germany for a while, you’ll know that Germans like to reinfeiern, meaning to start celebrating the night before an actual event and work up to a midnight climax when ditties are due and gifts are given.

And, as many things in Germany, celebration is serious business. The Bescherung must not take place before 5pm. (My English husband cringes in agony and disbelief at the idea of having to wait the entire day to open presents, especially as a child.) And we dress festively. And we don’t wear silly hats or use other paraphernalia such as Christmas crackers.

Dear Germans, be aware that, in England and many other countries, Christmas presents are given on the morning of the 25th December and unwrapped bum-style, i.e. in pyjamas. Most of these presents, the children are told, are deposited through the chimney by Santa, or Father Christmas.

The little ones traditionally leave a glass of milk and a mince pie on the side for Santa and a carrot for Rudolph (the red-nosed reindeer), as these two appreciate a small break and some refreshments on their tiresome journey. Miraculously, the milk will be drunk and the mince pie and carrot half-eaten in the morning!

These days in Germany, the question of whether presents are brought by Christkind or Weihnachtsmann is largely a matter of personal (or intra-familial) preference. My sister and I waited impatiently outside the living room door until we heard ‘the bell.’ Then my mum would say, Das Christkind war da, and explain that this angel-like creature had just flown back out of the window.

Today, my husband and I find it easier to hop on the Weihnachtsmann bandwagon, as this is also the prevailing notion at nursery school and in our children’s friends’ families.

No matter how you celebrate, dear readers, have a very merry Christmas!

Next week, witness the ultimate end-of-year showdown: England vs. Germany!

The Pommes Buddha says: You’d better watch out! You’d better not cry!

> Audioversion

  

Pantomime auf Englisch

Weihnachtsfreude

Als ich mein erstes Weihnachten bei meinen Schwiegereltern in Großbritannien feierte, kam in der Planungsphase die Frage auf, ob wir uns ein panto-Theaterstück ansehen wollen. „Was ist panto?“ fragte ich meinen Gatten. Pantomime,“ antwortete dieser. Ah! Pantomime. Das kenne ich. Oder … ?

Für Deutsche bedeutet der Begriff „Pantomime“ so viel wie „stummes Theater“. Die Schauspieler stellen alles ohne Worte dar und kommunizieren ausschließlich durch Mimik und Gestik. Klassisch stellt man sich hierzu eine Figur in schwarzer Kleidung mit weißen Handschuhen und einem weiß geschminkten Gesicht vor.

Wer sich in dieser Erwartung Karten für ein englisches panto-Stück kauft, wird im besten Fall überrascht, im schlechtesten Fall entsetzt sein. In der britischen Weihnachtssaison bezieht sich das Wort pantomime auf das krasse Gegenteil des deutschen Begriffsinhalts: eine zotige, schrille, bunte Inszenierung eines Märchens mit gesprochenem Wort, Gesang und ritualisierter Publikumsbeteiligung.

Es handelt sich um eine sehr britische und dort traditionelle Form des Theaters, die Unterhaltung für die ganze Familie zu bieten beabsichtigt. Über kindliche Sprache und Bühnenbilder hinaus verstecken sich oft auch Anspielungen und Humor, die nur Erwachsenen zugänglich sind.

Zur Tradition gehört es, dass mindestens eine der führenden weiblichen Rollen (meist die einer unsympathischen Figur) von einem Mann gespielt wird. Dies erinnert zwar, wie die audience participation, an die Rocky Horror Picture Show, darf jedoch keinesfalls mit Travestie verwechselt werden. Vielmehr ist dies Ausdruck einer Gesellschaft, die sich selbst gern auf die Schippe nimmt und in der die Rollenklischees nicht nur im Theater weniger starr sind als dies in unserem Land noch der Fall ist. (Wunderbar kompatibel ist diese Haltung übrigens mit dem Kölner Karneval. So feierte mein Ehemann diesen bereits diverse Male als betont schwache Kopie von Königin Elisabeth II. (mit Drei-Tage-Bart).)

Schillernde Kostüme à la Priscilla, Disneyeske Bühnenbilder, Männer in Frauenkleidern, ein kreischendes Publikum. Im Deutschen kommt mir für diese Art der Unterhaltung das schöne Wort „Klamauk“ in den Sinn. Für viele Engländer gehört dieses Theatererlebnis an Weihnachten einfach dazu. Andere rümpfen über diese eher ordinäre Form der darstellenden Kunst die Nase. Fakt ist: Wer Karneval mag, wird panto lieben! Einfach mal den geistigen Anspruch über Bord werfen und von der Stimmung mitreißen lassen. Natürlich gibt’s da von Produktion zu Produktion auch Qualitätsunterschiede. Aber wie Eltern wissen, sinkt die eigene Schmerzgrenze in nachgerade absurde Tiefen im Austausch für ekstatisch funkelnde Kinderaugen.

Nächste Woche gibt’s noch mehr, das Kinderaugen zum funkeln bringt.

Der Pommes-Buddha sagt: He’s behind you!

> Audioversion

  

Nimble fingers

Zwei Hnde drcken die Daumen

This week’s text is a sequel to my German entry Fingerfertigkeit. Have you ever seen a German shake their fist at someone? No, I don’t mean in the menacing wait-till-I-get-you! kind of way of James Bond villains. I mean in a kind, encouraging manner, smiling and wishing the other person luck. How does the luck get into the fist is what you’re asking? You’ll find out in a minute.

Well, first of all, it’s not a real fist. It’s a fist that as a child in my first ju-jitsu class my teacher told me not to make, i.e. one with the thumb inside all your other fingers. If you punch someone like this, you’ll sprain, if not sever or worse!, your thumb. This type of fist is referred to as Daumen drücken (‘pressing thumbs’) in German. And it’s not a fist for fighting. It’s a fist for wishing.

A Canadian friend, who suggested this gesture as a blog topic, said when she first heard this expression, she was not sure what to imagine. She thought perhaps people pressed their extended thumb against the thumb of their other hand – or someone else’s.

It’s not clear where the thumb-pressing comes from. In one of its episodes, the popular children’s TV show Wissen macht Ah! by regional broadcaster WDR, which explains all kinds of phenomena and is generally a good source of information for learners of German, explains a thing or two about Daumen drücken.

For those Germans who haven’t (Brit slang alert!) cottoned on: Brits, Canadians and Americans (and certainly many others) don’t ever press their thumbs for any reason. When they wish someone luck, they cross their fingers. So when you mean to say ‘Ich drück’ dir die Daumen!’ to native speakers of English, you need to make an entirely different gesture (cross index and middle fingers) and say, ‘Fingers crossed!’

This gesture, which is said to be based on the Christian symbol of the cross, is not unknown to Germans. We use it to secretly break a promise we make (this being a common variety of use in several English-speaking countries as well) or to emphasise that two people are really close or get on very well (‘Die sind so!’).

Wieder was gelernt, as your German friends will say. Or Man lernt nie aus – you live and learn. Well, fingers crossed you’ll know who’s behind you next week!

The Pommes Buddha says: It’s not evil. It’s magic.

> Audioversion

  

Seitenverkehrt

Pedestrian zebra crossing in London

„Drive on the left, drive on the left, drive on the left.“ Dieser Satz wird zum Mantra, wann immer wir in Folkstone den Shuttlezug des Channel Tunnel verlassen. Wer zwischen Kontinentaleuropa und Großbritannien hin‑ und herreist, muss sich immer wieder an die korrekte Fahrtrichtung erinnern. Auch meinem englischen Ehemann passiert es nach Jahren noch, dass er an der falschen Seite ins Auto steigen will. Doch nicht nur der Straßenverkehr ist in England irgendwie anders (siehe Verkehrserziehung auf Englisch) …

Nicht nur als Autofahrer muss man auf der Insel genau achtgeben, wenn man Rechtsverkehr gewohnt ist – auch als Fußgänger kann es verwirrend sein, dass die Autos aus der anderen Richtung kommen. In London und anderen Städten wird der Fußgänger an Überwegen vorsichtshalber durch einen Hinweis mit Pfeil am Fahrbahnrand entsprechend instruiert („LOOK LEFT“ bzw. „LOOK RIGHT“). Es gibt durchaus Zustände, in denen auch ein Brite dankbar für diese Anweisung ist.

Bewegt man sich zu Fuß auf englischen Bürgersteigen, so wird man feststellen, dass entgegenkommende Passanten, analog zur Fahrtrichtung auf den Straßen, intuitiv nach links ausweichen, wohingegen sie dies in unseren Breiten eher nach rechts tun. Kollisionen vorprogrammiert!

Doch auch zu Tisch wird der aufmerksame Europäer seltsam anmutende Handgriffe beobachten können. Schließt mal kurz die Augen und stellt Euch vor, wie Ihr Suppe löffelt. Nichts dabei, oder? Die Briten machen das jedoch anders. Sie kippen einen so gut wie leeren Teller Suppe meist nach hinten, also vom Körper weg, um den Rest der Flüssigkeit dann mit einer Bewegung auszulöffeln, die ebenfalls vom Körper weg weist. Sieht für uns etwas sonderbar aus – ist aber so!

Eine Sache gibt es jedoch, die in Deutschland und England gleich ist. ÖPNV-Profis werden sofort wissen, wovon ich spreche. Auf allen Rolltreppen beider Nationen gibt es, zumindest in größeren Städten, die (hierzulande ungeschriebene, in London allerorten ausgewiesene) Regel „Rechts stehen, links gehen“. In beiden Ländern werden Pendler ungehalten, wenn Ungeübte die Passage für Eilige auf der linken Seite versperren.

Zum Fahren im Linksverkehr gibt es noch eine Anekdote, wie sie in ähnlicher Form sicher viele zu erzählen wissen. Als Jugendliche machte ich einmal mit meiner Familie und einer befreundeten Familie in England Urlaub. Unterwegs im Mietwagen auf der Straße tippte unsere Freundin ihren Mann, der vorne rechts saß, an und forderte ihn auf, sich mal umzudrehen und sich etwas anzuschauen. Dieser erwiderte entsetzt: „Aber ich fahre doch!“

Aber wehe man ist dann auch noch Linkshänder – dann ist das Chaos perfekt! Und wie dann Daumendrücken geht, sehen wir nächste Woche.

Der Pommes-Buddha sagt: Mein rechter, rechter Platz ist frei …

> Audioversion