Glücksrad

Fahrradweg

England ist das Land der … Was fällt einem da spontan ein? Dichter und Denker? Sicherlich. Romantischen Gärten? Durchaus. Radfahrer? Ganz bestimmt nicht. Doch neulich traute ich meinen Augen kaum, sah ich auf der Insel doch einen Menschen sich auf einer Landstraße auf einem Fahrrad fortbewegen. Ein Zufall?

Rührend war, dass dieser Mensch genau so aussah, wie mein englischer Ehemann deutsche Trekking-Urlauber beschreibt: heillos überausgerüstet. Man hatte jedenfalls den Eindruck, dass hier der Drahtesel nicht zweckmäßig als Fortbewegungsmittel eingesetzt, sondern vielmehr als Sportgerät genutzt wurde.

Das Fahrrad als Vehikel wird jedoch auch in England beliebter. Der Londoner Oberbürgermeister Boris Johnson, der sich in seiner Heimat selbst immer wieder gern als passionierter Radler inszeniert, eröffnete Ende 2015 die erste britische Radfahrer-Autobahn.

Ah, die Autobahn – Schauplatz so manchen Emotionskontrollverlusts! Im Englischen gibt’s den wunderbaren Ausdruck road rage (Lehnwortalarm!). Wer wie ich jüngst das Buch The Chimp Paradox von Steve Peters gelesen hat, wird aus Kräften versuchen, es nicht persönlich zu nehmen, wenn ein Bergheimer BMW mal wieder den Fahrradweg mit der Rechtsabbiegespur verwechselt … Oooommmmm! (Peters sagt auch, man soll nicht in Stereotypen denken.)

Aber road rage funktioniert natürlich auch umgekehrt (Diese rücksichtslosen Radfahrer!) oder gar innerhalb der eigenen Sippe. Ich fahre am liebsten hinter verantwortungsbewussten Radfahrern, zu erkennen an Helm und Warnweste, und denen, die nichts dem Zufall überlassen, zu erkennen an dem zusätzlichen Regenschutz auf dem Fahrradhelm. Da sind keine unvorhergesehenen Bewegungen zu erwarten.

Zum Bürgerkrieg unter Radfahrern gibt es ein Schmankerl aus dem coolen New York. Obgleich diese Stadt für Radfahrer wieder ganz anders tickt, passen die Kategorien unterschiedlicher Radler-Archetypen, die der Bike Snob in diesem sehr unterhaltsamen Artikel umreißt, meiner Meinung nach wunderbar auf die meisten Großstädte dieser Welt.

Übrigens, ein super Fahrrad-Reparaturladen in Köln ist Portz am Ring. Freundliche Mitarbeiter, faire Preise, super Service, zentrale Lage.

Und nächste Woche kommen wir den Siezern auf die Spur.

Der Pommes-Buddha sagt: Ein Rad kommt selten allein.

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Kneipentour

Glass of dark beer with candle in pub setting

Habt Ihr schon einmal bemerkt, dass, wo immer man sich in der Welt bewegt, Kneipen immer ein scheinbar vom Rest des öffentlichen Lebens getrennt funktionierender Kosmos sind? Auch wenn man durchschaut, wie die meisten anderen Gesellschaftsbereiche eines Landes funktionieren, wird man doch oft von den ungeschriebenen Gesetzen beispielsweise eines Pubs überrascht. Wie bestellt man also ein Bier in England?

Im Vereinigten Königreich gibt es in Kneipen, genannt pubs (kurz für public house), keine Bedienung an den Tischen. Man geht an die Theke und bestellt. Meist gibt es eine Auswahl mehrerer Biere vom Fass (draught / on tap) sowie ein bis zwei Sorten cider (Apfelwein). Manche Biere (oft die sogenannten ales) werden bei Raumtemperatur getrunken. Alles vom Fass gibt es als pint (knapp 500 mL) oder als half (pint). Ein Bier mit Limonade (in Deutschland je nach Region „Radler“ oder „Alster“) heißt shandy. Man bezahlt gleich an der Theke und setzt sich dann an einen freien Tisch.

In Deutschland kann man in der Regel annehmen, dass in allen Gastwirtschaften, also Restaurants und Kneipen, am Tisch bedient wird. Das Angebot der Biersorten unterscheidet sich regional und reicht von Weißbier bzw. Weizenbier über Pils bis hin zu Kölsch (Köln) und Alt (Düsseldorf), wobei jedes Bier in einem anderen Glas und in anderer Menge serviert wird. Das Kölsch wird in sogenannten Stangen (200 mL) ausgeschenkt. In Brauhäusern ist es Usus, dass ein leeres Glas automatisch durch ein volles ersetzt wird. Will man kein weiteres Kölsch, so legt man seinen Bierdeckel auf das Glas.

Im britischen Pub ist es üblich, so man in einer überschaubaren Gruppe unterwegs ist, dass reihum jeweils einer eine Runde holt. Scheint dies logistisch unpraktisch oder zu teuer, weil es zu viele Gruppenmitglieder sind, so wird oft vorgeschlagen: „Shall we go Dutch?“, das heißt, jeder holt und zahlt sein eigenes Getränk.

An Karneval, wenn die Kölner Kneipen so voll sind, dass Tischbedienung nicht mehr möglich ist, wird das englische System übernommen. Man zahlt an der Theke und holt normalerweise gleich eine ganze Runde. Dazu kann man beispielsweise einen Kranz (siehe Kölsch-Knigge auf der Webseite der StäV) oder einen Meter Kölsch bestellen. (Mehr zur kölnischen Kultur auf www.koeln-lese.de.)

Wenn man im Pub Essen bestellt, tut man dies ebenfalls an der Theke, bezahlt es dort und erhält dann meist einen Gegenstand mit einer Nummer darauf. Das Essen wird an den Tisch gebracht, wobei die Bedienung den richtigen Tisch anhand dieser Nummer identifiziert.

Übrigens, ein kleiner Exkurs ans andere Ende der Welt: In Australien steht auf Pubs oft Hotel. Auf Hotels steht aber auch Hotel. Also Vorsicht: Nicht jedes hotel hat auch tatsächlich Zimmer zu vermieten. „Eine Runde spendieren“ oder „einen ausgeben“ heißt im australischen Englisch (und nur dort!) to shout. Man hört dort also oft „My shout!“ oder „Can I shout you a drink?“

Für die Nachlese zur englischen Kultur empfehle ich auch an dieser Stelle gerne wieder Kate Fox’ Buch Watching the English. The Hidden Rules of English Behaviour. (Siehe Links.)

Das war’s mit unserer kleinen Kneipentour (Englisch: pub crawl). Weiter geht es nächste Woche mit Stimmen aus dem Off.

Der Pommes-Buddha sagt: Das letzte Kölsch war schlecht.

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Tatort: Großbritannien

detective story concept

Krimi-Serien erfreuen sich seit jeher großer Beliebtheit. Das Vereinigte Königreich wartet mit einem breiten Repertoire auf, das einem heterogenen und anspruchsvollen Publikum gerecht zu werden weiß. Neben der mit Liebe zum Detail inszenierten und großartig adaptierten Neuverfilmung der Sherlock-Holmes-Romane („Sherlock“), die seit 2012 über britische Fernsehbildschirme flimmert und längst auch in Deutschland Einzug erhalten hat, lohnt sich ein Blick an die englische Südküste.

Der Blick geht nach Broadchurch in Wessex. Broadchurch? Nie gehört? Na ja, so manchen englischen Ortsnamen hat selbst der Brite nie gehört. Doch bei Broadchurch handelt es sich in der Tat um einen fiktiven Ort. Und „Wessex“ klingt, analog zu „Essex“ und „Sussex“, vollkommen logisch nach einer Region in England – ist es aber nicht. „Erfunden“ hat Wessex der englische Schriftsteller Thomas Hardy. Nun wurde diese Grafschaft für das britische Fernsehen wiederbelebt.

Broadchurch ist der Name einer britischen TV-Serie, deren dritte Staffel derzeit in Arbeit ist. Die Geschichte beginnt wie so mancher klassische Kriminalfall mit einem Mord in einem kleinen Städtchen, in dem jeder jeden kennt und zahlreiche Verdächtigungen hin‑ und hergehen.

Zugegeben, man muss über so manche inhaltliche Schwäche hinwegsehen können – wer’s zu genau nimmt, wird die Stärken des Werks nicht genießen können. Gelingt es einem jedoch, sich auf die Geschichte einzulassen, so wird man mit fesselnder Spannung und fulminanten Twists belohnt.

Auffallend ist bei vielen neueren Serienproduktionen eine ungewöhnlich kreative Kameraarbeit. Allein durch Kameraführung, Detailaufnahmen, Zeitlupen etc. wird eine packende Atmosphäre geschaffen. Die Umgebung verkörpert gewissermaßen eine eigene Figur des Stücks.

Gegenüber dem Medium Spielfilm hat die Serie natürlich den großen Vorteil (der in zeitgenössischen Produktionen seit etwa einem Jahrzehnt als eines der wichtigsten dramaturgischen Mittel tatsächlich genutzt wird), dass die Figuren erheblich komplexer entwickelbar sind. Als legendär zu nennen ist in diesem Zusammenhang die US-amerikanische Serie Breaking Bad – kaum zu übertreffen an dramaturgischer Raffinesse und Figurentiefe. Wie neulich in einem Gespräch mit Familie und Freunden alle, die die Serie gesehen haben, einstimmig feststellten, gibt es, serienhistorisch aber auch schlicht im Rezipientenleben, eine Zeit vor Breaking Bad und eine Zeit nach Breaking Bad.

Ach, es gäbe so viel zu dieser Serie zu sagen. Breaking Bad ist überall. Genau wie die Deutschen. Aber dazu mehr nächste Woche.

Der Pommes-Buddha sagt: Ein Leben ohne Serien ist möglich, aber sinnlos.

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Arschquietschzeit

Red stadium seats

Arschquietschzeit

Manchmal entdeckt man in einer fremden Sprache ein Wort, das in der eigenen Sprache fehlt und das genau passend ist, für das, was man ausdrücken will. Geht das auch anderen Sprachnutzern so und bürgert sich dieses Wort dann in der eigenen Sprache ein, so nennt man dies ein „Lehnwort“. Ich möchte an dieser Stelle eine Lanze brechen für die Entlehnung des wunderbaren Ausdrucks squeaky bum time (wörtlich „Arschquietschzeit“). Aber welcher Arsch quietscht da und warum?

Laut der Webseite phrases.org.uk wurde dieser Ausdruck 2003 während der heißen Phase der britischen Premier League von Sir Alex Ferguson, damals Trainer von Man U, geprägt. Die rivalisierenden Fußballclubs Arsenal und Manchester United waren damals beide Kandidaten für den Ligasieg. „Fergie“ kreierte diesen Ausspruch, um die nervenaufreibende Stimmung zu beschreiben, bei der die Zuschauer mit ihren angespannt verschwitzten Hintern auf den Plastiksitzen hin‑ und herrutschen.

Ehrlich gesagt dachte ich bei dem Ausdruck im Zusammenhang mit der Erklärung, es handele sich um die spannende letzte Phase eines Wettkampfs, insbesondere wenn es ein Kopf-an-Kopf-Rennen gibt, zunächst an einen Hintern, der so in die Enge gequetscht ist, dass es beim Furzen quietscht. Nun, wie auch immer – die Worte lassen einprägsame Bilder entstehen. Und sie sind in England wirklich zum geflügelten Wort geworden, das rege Verwendung findet.

Auf Deutsch würde man in so einer Situation sagen „Jetzt geht’s um die Wurst“, „Jetzt gilt’s“ oder „Was für eine Zitterpartie!“. Aber keiner dieser Ausdrücke spiegelt eben genau alle Aspekte der Arschquietschzeit wider, geschweige denn das einprägsame Bild eines nervös schwitzenden Hinterns auf einer Stadionsitzschale.

Im Englischen gibt es allerhand deutsche Lehnwörter wie blitzkrieg, zeitgeist oder Weltschmerz (letzteres seltsamerweise auch im Englischen als einziges großgeschrieben). Man könnte sich jedoch noch so einige andere vorstellen – ohrwurm, hexenschuss, geisterfahrer, heimat, fremdschämen … (Mehr schöne deutsche Wörter findet Ihr übrigens auf http://deutschwortschatz.de/.) Und über eines von ihnen sprechen wir nächste Woche.

Der Pommes-Buddha sagt: So manches Wort passt wie Arsch auf Eimer.

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England gegen Deutschland

Travel destination and journey luggage concept, stack of suitcases in colors of national flags of european countries isolated on white background

Neulich fragte mich eine meiner treuen Leserinnen, ob ich eigentlich gerne in England wohnen würde, da ich doch immer nur Gutes über England und Schlechtes über Deutschland schriebe. Hm. Stimmt es wirklich, dass hier einem der beiden Länder Unrecht getan wird? Oder beiden? Was ist besser: England oder Deutschland?

Ohne hier nun eine Punktestatistik der bisherigen Blog-Einträge zu erarbeiten, will ich ihre Bemerkung würdigen und annehmen, dass dieser Eindruck auch bei anderen Leserinnen entstanden sein könnte.

Drei Erklärungen gäbe es vielleicht, sollte doch England oft besser weggekommen sein. Zunächst mein Empfinden, dass wir Deutschen uns nicht gerade durch große Bescheidenheit auszeichnen und wohl kein weiteres Bauchpinseln mehr nötig haben. Hier möchte ich mir jedoch gleich selbst widersprechen und sagen, dass dies eine sehr verallgemeinernde Ansicht ist, die nur aus marginalen Begegnungen im Ausland herrührt und sich eigentlich nicht einmal mit meinen Erfahrungen im persönlichen Umfeld deckt. (Sehr introspektiv, der heutige Text!)

Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass sich unsere nationalen Identitäten (oder zumindest deren kleinster gemeinsamer Nenner) unterscheiden. Als Deutscher ist man es gewohnt, auf der Weltbühne wahrgenommen und respektiert zu werden. Mein Mann hingegen findet, als Engländer fristet man ein Underdog-Dasein. Man kommt von einer kleinen Insel, die niemand richtig ernst nimmt. – Ach, Schnuffi, so ist es gar nicht! Aber offenbar wird es von vielen Briten so empfunden.

Der zweite Grund könnte der Effekt der Kirschen des Nachbarn sein, die immer süßer erscheinen als die eigenen (auf Englisch „The grass is always greener (on the other side of the fence)“). Das, was man hat, schätzt man weniger als das, was Andere haben.

Der dritte Grund ist der, dass es im Kontext eines interkulturellen Blogs naheliegt, mit Klischees zu spielen und diese bisweilen überspitzt darzustellen, da darauf vertraut werden kann, dass die geneigten Leser schon wissen, wie sich das in Wirklichkeit verhält (bzw. hat ja jede ihre eigene Wirklichkeit). (Nein, nicht alle Deutschen sind pünktlich, ernst und größenwahnsinnig.)

In England oder Deutschland leben? Am Schönsten wäre es, wenn beides ginge. Aber am Zweitschönsten ist es, in einem schönen Land zu leben und dieses andere schöne Land so oft wie möglich besuchen zu können. Ein Eintauchen in beide Kulturen – das genieße ich als großes Privileg.

Natürlich wird die existenzielle Frage „England oder Deutschland?“ auf die Spitze getrieben, wann immer sich die beiden Länder in einer wichtigen internationalen Sportveranstaltung begegnen. Mein Mann versucht regelmäßig, unsere Kinder zu indoktrinieren, zu England zu halten. Finde ich okay, weil wir ja dafür immer gewinnen! Hi, hi!

Also: Im Rennen England gegen Deutschland gibt es nur Sieger! Damit ein wundervolles neues Jahr! Und nächste Woche geht’s nach den gesellschaftsphilosophischen Betrachtungen gleich weiter mit sprachphilosophischen.

Der Pommes-Buddha sagt: Dengland ist das schönste Land!

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Pantomime auf Englisch

Weihnachtsfreude

Als ich mein erstes Weihnachten bei meinen Schwiegereltern in Großbritannien feierte, kam in der Planungsphase die Frage auf, ob wir uns ein panto-Theaterstück ansehen wollen. „Was ist panto?“ fragte ich meinen Gatten. Pantomime,“ antwortete dieser. Ah! Pantomime. Das kenne ich. Oder … ?

Für Deutsche bedeutet der Begriff „Pantomime“ so viel wie „stummes Theater“. Die Schauspieler stellen alles ohne Worte dar und kommunizieren ausschließlich durch Mimik und Gestik. Klassisch stellt man sich hierzu eine Figur in schwarzer Kleidung mit weißen Handschuhen und einem weiß geschminkten Gesicht vor.

Wer sich in dieser Erwartung Karten für ein englisches panto-Stück kauft, wird im besten Fall überrascht, im schlechtesten Fall entsetzt sein. In der britischen Weihnachtssaison bezieht sich das Wort pantomime auf das krasse Gegenteil des deutschen Begriffsinhalts: eine zotige, schrille, bunte Inszenierung eines Märchens mit gesprochenem Wort, Gesang und ritualisierter Publikumsbeteiligung.

Es handelt sich um eine sehr britische und dort traditionelle Form des Theaters, die Unterhaltung für die ganze Familie zu bieten beabsichtigt. Über kindliche Sprache und Bühnenbilder hinaus verstecken sich oft auch Anspielungen und Humor, die nur Erwachsenen zugänglich sind.

Zur Tradition gehört es, dass mindestens eine der führenden weiblichen Rollen (meist die einer unsympathischen Figur) von einem Mann gespielt wird. Dies erinnert zwar, wie die audience participation, an die Rocky Horror Picture Show, darf jedoch keinesfalls mit Travestie verwechselt werden. Vielmehr ist dies Ausdruck einer Gesellschaft, die sich selbst gern auf die Schippe nimmt und in der die Rollenklischees nicht nur im Theater weniger starr sind als dies in unserem Land noch der Fall ist. (Wunderbar kompatibel ist diese Haltung übrigens mit dem Kölner Karneval. So feierte mein Ehemann diesen bereits diverse Male als betont schwache Kopie von Königin Elisabeth II. (mit Drei-Tage-Bart).)

Schillernde Kostüme à la Priscilla, Disneyeske Bühnenbilder, Männer in Frauenkleidern, ein kreischendes Publikum. Im Deutschen kommt mir für diese Art der Unterhaltung das schöne Wort „Klamauk“ in den Sinn. Für viele Engländer gehört dieses Theatererlebnis an Weihnachten einfach dazu. Andere rümpfen über diese eher ordinäre Form der darstellenden Kunst die Nase. Fakt ist: Wer Karneval mag, wird panto lieben! Einfach mal den geistigen Anspruch über Bord werfen und von der Stimmung mitreißen lassen. Natürlich gibt’s da von Produktion zu Produktion auch Qualitätsunterschiede. Aber wie Eltern wissen, sinkt die eigene Schmerzgrenze in nachgerade absurde Tiefen im Austausch für ekstatisch funkelnde Kinderaugen.

Nächste Woche gibt’s noch mehr, das Kinderaugen zum funkeln bringt.

Der Pommes-Buddha sagt: He’s behind you!

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Seitenverkehrt

Pedestrian zebra crossing in London

„Drive on the left, drive on the left, drive on the left.“ Dieser Satz wird zum Mantra, wann immer wir in Folkstone den Shuttlezug des Channel Tunnel verlassen. Wer zwischen Kontinentaleuropa und Großbritannien hin‑ und herreist, muss sich immer wieder an die korrekte Fahrtrichtung erinnern. Auch meinem englischen Ehemann passiert es nach Jahren noch, dass er an der falschen Seite ins Auto steigen will. Doch nicht nur der Straßenverkehr ist in England irgendwie anders (siehe Verkehrserziehung auf Englisch) …

Nicht nur als Autofahrer muss man auf der Insel genau achtgeben, wenn man Rechtsverkehr gewohnt ist – auch als Fußgänger kann es verwirrend sein, dass die Autos aus der anderen Richtung kommen. In London und anderen Städten wird der Fußgänger an Überwegen vorsichtshalber durch einen Hinweis mit Pfeil am Fahrbahnrand entsprechend instruiert („LOOK LEFT“ bzw. „LOOK RIGHT“). Es gibt durchaus Zustände, in denen auch ein Brite dankbar für diese Anweisung ist.

Bewegt man sich zu Fuß auf englischen Bürgersteigen, so wird man feststellen, dass entgegenkommende Passanten, analog zur Fahrtrichtung auf den Straßen, intuitiv nach links ausweichen, wohingegen sie dies in unseren Breiten eher nach rechts tun. Kollisionen vorprogrammiert!

Doch auch zu Tisch wird der aufmerksame Europäer seltsam anmutende Handgriffe beobachten können. Schließt mal kurz die Augen und stellt Euch vor, wie Ihr Suppe löffelt. Nichts dabei, oder? Die Briten machen das jedoch anders. Sie kippen einen so gut wie leeren Teller Suppe meist nach hinten, also vom Körper weg, um den Rest der Flüssigkeit dann mit einer Bewegung auszulöffeln, die ebenfalls vom Körper weg weist. Sieht für uns etwas sonderbar aus – ist aber so!

Eine Sache gibt es jedoch, die in Deutschland und England gleich ist. ÖPNV-Profis werden sofort wissen, wovon ich spreche. Auf allen Rolltreppen beider Nationen gibt es, zumindest in größeren Städten, die (hierzulande ungeschriebene, in London allerorten ausgewiesene) Regel „Rechts stehen, links gehen“. In beiden Ländern werden Pendler ungehalten, wenn Ungeübte die Passage für Eilige auf der linken Seite versperren.

Zum Fahren im Linksverkehr gibt es noch eine Anekdote, wie sie in ähnlicher Form sicher viele zu erzählen wissen. Als Jugendliche machte ich einmal mit meiner Familie und einer befreundeten Familie in England Urlaub. Unterwegs im Mietwagen auf der Straße tippte unsere Freundin ihren Mann, der vorne rechts saß, an und forderte ihn auf, sich mal umzudrehen und sich etwas anzuschauen. Dieser erwiderte entsetzt: „Aber ich fahre doch!“

Aber wehe man ist dann auch noch Linkshänder – dann ist das Chaos perfekt! Und wie dann Daumendrücken geht, sehen wir nächste Woche.

Der Pommes-Buddha sagt: Mein rechter, rechter Platz ist frei …

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Der Preis ist heiß

Football ticket card modern design. Vector illustration

Der deutsche Fußball ist in letzter Zeit in aller Munde. Die Nationalelf wurde jüngst Weltmeister, Bayern München startet wieder einmal durch, und nun, neuerdings, bröckelt die Fassade des unantastbaren Kaiser Franz. Während andere über Skandale und schockierende Ereignisse hinter den Kulissen berichten, wollen wir uns an der Basis die angenehmen Seiten des Daseins als Fußballfan in Deutschland anschauen.

Als Bayern München neulich in der Gruppenrunde der Champions League auswärts gegen Arsenal spielte (übrigens heißt es nicht, wie die deutsche Berichterstattung nicht müde wird zu titulieren, Arsenal London), machten die Proteste der Münchener Fans über Ticketpreise in England Schlagzeilen. Die BBC Sport-Webseite berichtet, dass Arsenal mit einem Dauerkartenpreis von 2.013 £ (ca. 2.875 €) der teuerste Club der Premier League sei. Das günstigste Dauerticket liege bei 1.014 £ (ca. 1448 €). (Bei Bayern kostet das teuerste bzw. günstigste Jahresticket laut Webseite 750 € bzw. 140 €.)

Seit Jahren diskutiert man auf der Insel hitzig darüber, dass der Sport sich weg von einem Breitensport und hin zu einem Elite-Ereignis entwickelt, bei dem nicht eingefleischte Fans, sondern desinteressierte Geschäftsleute das Publikum geben. Selbst die günstigsten Einzeltickets für ein weniger prestigeträchtiges Spiel liegen so hoch, dass sie sich der kleine Mann und die kleine Frau kaum noch leisten können (siehe auch: http://www.bbc.com/sport/0/football/29614980). Dies mag auch mit daran liegen, dass es seit Hillsborough in UK keine Stehplätze mehr gibt. Hier stellt sich jedoch die Frage, ob es an der Zeit wäre, Fußballtickets öffentlich zu subventionieren. (Wer hierbei nicht sofort an Humphreys gerümpfte Nase denkt, dem empfehle ich grundsätzlich die geniale britische Politsatire-Serie Yes, Prime Minister und insbesondere Folge 6 der zweiten Staffel, The Patron of the Arts.) Für die weitere Lektüre zum Thema schreibt der Guardian Filching from the fans.

Beim 1. FC Köln liegen Ticketpreise übrigens bei 785 €/115 €. Mr K, dessen Herz in seinem englischen Leben für West Ham United schlägt, hat sich mittlerweile und mit großem Vergnügen zu einem Vollblut-FC-Fan gemausert.

Bei einem Stadionbesuch in Deutschland fällt dem geneigten Engländer sofort auf, dass das Bild auf den Zuschauertribünen, wenn nicht geprägt, so aber deutlich durchzogen ist von Frauen und Kindern. Oft gibt es sogar designierte Familienbereiche. Mein englischer Ehemann bezeichnet Deutschland daher gerne als family football-friendly nation. Es gibt bezahlbare Tickets, Stehplätze und man darf im Stadion Bier trinken. Das Paradies auf Erden für jeden englischen Fußballfan!

Und zum Schluss noch ein Tipp für die coolste Fußballsendung, die das deutsche Fernsehen zu bieten hat: Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs. Unbedingt gucken (auch für Nichtfußballfans)!

Nächste Woche geht’s um ein Paradies für Deutsche.

Der Pommes-Buddha sagt: Im Stadion sind alle Fans gleich, doch manche sind gleicher als andere.

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Wer ist der Typ?

Fireworks over Palace of Westminster

Wer erinnert sich noch an die ziemlich schlechte Fernsehshow Familienduell? Dort hieß es immer: „Wir haben 100 Leute befragt …“ und die Kandidaten sollten raten, welche die häufigsten Antworten waren. Würde der Satz weiter lauten: „… welches Ereignis sie am ehesten mit einem Feuerwerk verbinden“, so wäre die Top-Antwort in Deutschland höchstwahrscheinlich „Silvester“. In dem britischen Pendant Family Fortunes wäre dem sicherlich nicht so …

Remember, remember the fifth of November … so geht ein Gedicht, das an den 5. November 1605 erinnern soll, an dem ein Sprengstoffanschlag auf die Houses of Parliament vereitelt werden konnte. Dieser Tag ist nach dem Hauptverschwörer des Attentats Guy Fawkes Day benannt. Dieser auch Bonfire Night genannte Tag wird im Vereinigten Königreich groß gefeiert.

Das Feuerwerk ist nur eine von vielen mit diesem Feiertag verbundenen Traditionen. Viele Kinder basteln eine große Strohpuppe, die Guy Fawkes verkörpern soll. Mit dieser laufen sie in den Tagen vor dem 5. November durch die Nachbarschaft oder die Innenstadt und bitten um einen „Penny for the Guy!“ Wie so viele englische Bräuche weist auch dieser Parallelen zum deutschen bzw. rheinischen Brauchtum auf. Kölner ahnen es schon: Den Guy aus Stroh ereilt dasselbe Schicksal wie seinen Cousin, den Nubbel. Er wird am Abend in einem großen Feuer verbrannt. (Feuer im November wiederum erinnert an den deutschen Sankt-Martins-Brauch.)

Der geplante Anschlag ging als Gunpowder Plot in die Geschichte ein, da das Londoner Parlamentsgebäude zum Tag des opening of Parliament (Eröffnung der Sitzungsperiode), also unter Anwesenheit der königlichen Familie, durch Entzünden etlicher Pulverfässer in die Luft gesprengt werden sollte. Wer sich eine Erläuterung des Guy Fawkes Day in verständlichem Englisch anhören möchte, sei auf das YouTube-Video von EnglishClass101.com verwiesen.

Einige Ereignisse in The Empty Hearse, der Eröffnung der 3. Staffel der brillanten Miniserie Sherlock, einer modernen Adaption der Arthur-Conan-Doyle-Klassiker um den Privatdetektiv desselben Vornamens, versteht man besser, wenn man die Geschichte um Guy Fawkes kennt. Sherlock ist absolut empfehlenswert – nicht nur, weil es sich um äußerst raffinierte und unkonventionell inszenierte Neuinterpretationen handelt, sondern auch, weil sich hierin viele Anspielungen auf die britische Kultur verstecken.

A propos Kultur: Nächste Woche geht’s darum, wie man sich als Deutscher durch den Alltag bewegt.

Der Pommes-Buddha sagt: Am Tag des Guy gibt’s Böllerei.

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Movember

Mustache

Ja, es ist wieder Herbst. Bald ist Halloween und dann … Movember! Ja, Movember. Nicht November. Also, November auch, aber: Movember – nie gehört? Dann lernt Ihr heute was über eine junge aus den USA stammende PR-Aktion, die sich inzwischen in vielen englischsprachigen Ländern etabliert hat.

„Mann“ trägt ja neuerdings Bart. Als wir vor Kurzem einem Bekannten meines Mannes begegneten und dieser ihn nicht sofort erkannte, erklärte ich, es könne daran liegen, dass er sich seit dem letzten Jahr einen Bart hat wachsen lassen. Darauf erwiderte der Bekannte: „We’ve all grown a beard since last year!“ Stimmt. Seit ganz Hollywood „ja“ zur Gesichtsbehaarung sagt, sind Vollbärte absolut gefragt.

Wer im November allerdings vermehrt Herren mit Schnurrbärten sieht, wundere sich nicht. Einige, die sonst keine Gesichtsbehaarung tragen, rasieren sich im gesamten Monat November die Oberlippe nicht. Andere, die sonst Vollbart tragen, rasieren sich diesen bis auf den Schnurrbart ab. Und das nicht nur, weil’s Spaß macht und oft ziemlich bescheuert aussieht, sondern für einen guten Zweck. Jeder Schnurrbartträger versucht, so viele Sponsoren wie möglich zu finden, die ihm Schmerzensgeld dafür zahlen, einen ganzen Monat lang im Zuhälter-Look herumlaufen und sich gegenüber so manchem Kunden erklären zu müssen. Das so gesammelte Geld kommt dem Kampf gegen Prostata‑ und Hodenkrebs zugute.

Und warum heißt das Ganze Movember? Dieses Kunstwort setzt sich aus dem Monat November und dem englischen Wort für Schnurrbart moustache zusammen. Bros with mos (= brothers with moustaches; „Brüder mit Schnurrbärten“) lautet das Motto.

Mittlerweile geht diese kultige Aktion sogar schon so weit, dass sich auch Frauen anschließen und sich jeden Tag des Monats November mit einem (angeklebten oder ‑gemalten) Schnurrbart zeigen. Die Mo Bros werden von Mo Sistas unterstützt.

Und entzückt stellte ich bei meiner Recherche fest: Es gibt den Movember nun auch in Deutschland! Hier erfahrt Ihr mehr darüber, wie man mitmachen und/oder spenden kann.

Mein englischer Ehemann und seine Kollegen hatten sich übrigens vor zwei Jahren so lächerliche Schnurrbärte wachsen lassen, dass sie sich am Ende des Monats, kurz vor der Schur, in Indianer‑ und Polizeikostümen als The Village People fotografieren ließen. Hei, was für ein Spaß!

Und nächste Woche geht’s nicht um einen Monat, sondern um einen Tag.

Der Pommes-Buddha sagt: Just a mo, bro!

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