Arsch kurz

Acronym Chat Bubble

Die Abk. von Abk. ist Abk. Daher möchte ich euch heute mal in die wunderbare Welt der englischen Abkürzungen entführen. Wie ist es eigentlich richtig: „Mr“ oder „Mr.“? Und was haben ein Hintern und ein männliches Geschlechtsteil im öffentlichen Dienst zu suchen? Come in and find out.

Zunächst etwas zur Semantik der Abkürzungen. Und hier meine ich wirklich Dinger, die jeder Brite und Amerikaner kennt und so gut wie niemals in der Langform verwendet. Als jemand, der Englisch lernt und verstehen möchte, sollte man (mindestens) die unten aufgeführten Abkürzungen beherrschen.

Zu unterscheiden sind Abkürzungen, die als Wort ausgesprochen werden und solche, bei denen man die Buchstaben einzeln ausspricht. Die erste Kategorie umfasst weniger Elemente. Viele von ihnen stammen aus dem Militärjargon. Hier sind beispielhaft zu nennen: AWOL [ˈeɪwɒl] (Absent Without Offical Leave) und snafu (Situation Normal, All Fucked Up), wobei Letzteres in den Oxford Learner‘s Dictionaries online als Substantiv aufgeführt wird. Zudem wird in den USA in der Allgemeinsprache häufig von WASPs (White Anglo-Saxon Protestant; Aussprache identisch mit der des Insekts) gesprochen, wenn man die privilegierte Mittelschicht meint.

Übrigens steht hinter US-amerikanischen Abkürzungen in der Regel ein Punkt („Mr.“, „U.S.A.“), hinter britischen hingegen nicht („Mr“, „USA“).

Die zweite Kategorie umfasst ungleich mehr Abkürzungen, zu denen natürlich ständig neue hinzukommen. Hier eine Auswahl:

Abk. Englische Langform Deutsch
aka also known as alias
asap [im amerikanischen Englisch (AE) als Wort ausgesprochen]

as soon as possible

 

 

baldmöglichst

BO body odour (unangenehmer) Körpergeruch
BS Bullshit Blödsinn, Stuss, Schwachsinn
C of E Church of England anglikanische Kirche
DOA dead on arrival bei Ankunft bereits tot

[bekannt aus dem Titelsong der Serie Friends („Your love life’s D.O.A.“)]

GDP Gross Domestic Product Bruttoinlandsprodukt, BIP
GOP Grand Old Party gemeint ist die US-amerikanische Partei der Republikaner
GP general practitioner Hausarzt, Allgemeinmediziner
MIA missing in action vermisst [Militärjargon]
OAP old-age pensioner Rentner
ob-gyn obstetrician-gynaecologist Frauanarzt
OTT over the top übertrieben, überzogen
POW Prisoner of War Kriegsgefangener
STD sexually transmitted disease Geschlechtskrankheit
TGIF Thank God it’s Friday Gott sei Dank ist Freitag

[Ausspruch der Erleichterung am letzten Arbeitstag der Woche]

TLC tender loving care Streicheleinheiten, Zuwendung

 

Schließlich gibt’s noch ein paar kleine Schmankerl, die zu kennen nicht schadet. Hübsch finde ich SBD (Silent But Deadly) für „Schleicher“, also einen lautlosen Furz, der einen unverhofft ins olfaktorische Jenseits katapultiert.

Großartig ist auch diese Anekdote meiner Schwiegermutter. Während ihrer Zeit als Angestellte bei einer englischen Stadtverwaltung wurde eine interne Umstrukturierung durchgeführt. Ab sofort hatten sich die einzelnen Geschäftsbereiche Business Units (BUs) zu nennen. Natürlich hatten die Geschäftsbereiche auch Führungspersonen. Diese wurden Business Unit Managers genannt, bis jemand darauf kam, dass sie somit BUMs waren („bum“ = „Arsch“, oder auch „Penner“, „Gammler“, „Faulenzer“). Die Umbenennung wurde zügig rückgängig gemacht.

Ähnlich grotesk ist die Tatsache, überliefert durch das ehemalige Parlamentsmitglied Alan Johnson in Folge 7 der neunten Staffel der Comedy-Show Russell Howard’s Good News (ab Minute 19:38), dass Johnsons Ressort unter Tony Blair im Jahr 2005 ursprünglich Department for Productivity, Energy, Industry and Science, kurz: PEnIS, heißen sollte. Dies wurde im letzten Moment rückgängig gemacht.

Wer über eine unbekannte Abkürzung im Englischen stolpert, dem empfehle ich die Webseite www.acronymfinder.com. Dort findet man so gut wie alles. Für die Vulgärsprache sei dem geneigten Leser wie immer das Urban Dictionary ans Herz gelegt.

Und nächste Woche reisen wir in die Welt der deutschen Inneneinrichtung.

Der Pommes-Buddha sagt: RSVP.

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Rote Sauce

tomato ketchup

Was ist ein „halber Hahn“? Die meisten Deutschen werden hier zunächst an ein halbes Brathähnchen (in Ostdeutschland „Broiler“) denken. Wer jedoch in Köln einen „Halven Hahn“ bestellt, bekommt ein Roggenbrötchen mit einer fingerdicken Scheibe Gouda serviert. Doch nicht nur im Deutschen gibt es Ausdrücke, die nicht das sind, was sie vorgeben.

Die englische Sprache wird oft unterschätzt. Wer sie lernt, macht anfangs oft rasch Fortschritte, da die Grundregeln ihrer Grammatik leicht zu erlernen sind. Hat man jedoch ein gewisses Niveau erreicht, ist das Englische ebenso komplex und facettenreich wie andere Sprachen. Es kann durchaus verwirrend sein – sowohl phonetisch als auch semantisch. Die folgenden Wörter beispielsweise werden im Britischen gleich ausgesprochen: torque und talk, pair und pear, shake und sheikh. Dahingegen werden nachfolgende Wörter je nach Kontext und Bedeutung jeweils unterschiedlich ausgesprochen: read, wound, tear. Und dann gibt es noch die Wörter, meist Eigennamen, die viel zu viele (also stumme) Buchstaben haben: Worcester, Leicester, Warwick.

Für Außenstehende ist es vollkommen unlogisch, dass Privatschulen in England public schools heißen, dass marmalade ausschließlich aus Zitrusfrüchten gemacht werden darf und dass die wichtigsten Spiele des Nationalsports Cricket sich test matches nennen. Manche Engländer sagen dinner und meinen das Mittagessen, manche sagen tea und meinen das Abendessen. Und das, was wir (und die Amerikaner und wahrscheinlich alle anderen Völker der Welt) schlicht „Ketchup“ nennen, betiteln die Briten oft als red sauce oder tomato sauce. Und dann gibt es noch brown sauce, eine würzige Tinktur, die in so gut wie jedem englischen Vorratsschrank zu finden ist – ähnlich beliebt wie Maggi im deutschen Durchschnittshaushalt. Überhaupt ist alles Mögliche sauce, was in anderen Sprachen niemals so genannt würde. Außer Bratensauce, die heißt gravy.

Als wir vor einiger Zeit mit unserer englischen Familie im Urlaub waren, fragte Auntie Sylvie meine dreijährige Tochter, auf die Ketchup-Flasche zeigend, wie red sauce auf Deutsch heiße. Das Kind sah sie völlig ungläubig an. Man konnte ihm beim Denken zusehen: „Ist das eine Fangfrage oder bist du wirklich so doof, dass du das nicht weißt?“ Es entschied sich für letztere Variante und sagte mit bevormundender Fassungslosigkeit: „Ketchup!“ Tante Sylvie und alle Anderen, die ein elaboriertes deutsches Wort erwartet hatten, schüttelten sich vor Lachen.

Wusstet ihr übrigens, dass die englische Sprache mehr als eine Million Wörter hat?

Natürlich hat das Deutsche auch sehr, sehr viele Wörter. Und was die Deutschen „englisch“ nennen und umgekehrt, erfahrt ihr nächste Woche!

Der Pommes-Buddha sagt: Would you like some black pudding for dessert?

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Erlebnis Bad

2015-KW33 Erlebnis Bad

Wenn man in einem fremden Land ein Badezimmer betritt, ist immer irgendetwas anders. In Italien beispielsweise muss man erst einmal herausfinden, dass der Buchstabe „C“ oder das Wort „caldo“ auf dem Wasserhahn nicht für „kalt“, sondern für „heiß“ steht. Gut – Ausschlussprinzip. Nicht so kompliziert. In England jedoch erwartet einen im häuslichen Badbereich eine ganz eigene Welt …

Meine erste bewusste Begegnung mit einem englischen Bad war im Jahr 2000, als ich, wie das in London so üblich ist, in einer WG („shared flat“) wohnte. „Und was mag das für ein Zimmer sein?“ dachte ich bei mir, der Auslegeware durch eine Tür folgend, bis ich plötzlich vor einer Badewanne stand. Teppich im Bad??? Meine Mutter hätte seinerzeit hyperventiliert ob der Aussicht, uns als Kinder in einem solchen Raum mit dem recht formfreudigen Element Wasser uns selbst zu überlassen.

Für großen intrafamiliären Diskussionsstoff sorgt im Hause King die Tatsache, dass deutsche Badezimmer in den Augen meines englischen Ehemannes Todesfallen sind, kann man dort doch tatsächlich in unmittelbarer Wassernähe elektrische Geräte in Wandsteckdosen stecken! Ich erzähle ihm dann immer eine Anekdote aus Zeiten vor dem FI-Schalter, der zufolge ein Bekannter eines Bekannten behauptete, einen Fernseher auf dem Badewannenrand so positioniert zu haben, dass dieser, sollte er je ins Wasser fallen, dabei seinen eigenen Stecker ziehen würde. Unser Disput darüber, ob nun aufgrund der hiesigen Badbeschaffenheit mehr Deutsche als Briten den Stromtod sterben, konnte bisher trotz Zuhilfenahme der folgenden Statistiken nicht geklärt werden (also: Nein!). [Englische Statistik 2012 / Deutsche Statistik 2012]

Zuletzt noch eine Warnung an den arglosen deutschen Nasszellenbenutzer: Viele Duschen im Vereinigten Königreich haben einen integrierten Durchlauferhitzer mit drei Wasserdruckstufen („Low“, „High“ und „Very High“). Drückt man wagemutig auf den letzteren Knopf, so halte man sich mit beiden Händen gut an der Duschkabine fest und lehne sich mit all seinem Körpergewicht dem Duschkopf entgegen. Mit ungeahnter Schnelligkeit und Heftigkeit wird einem ein niagarafallartiger Wasserschwall ins überraschte Gesicht geschleudert, dass es nur so prasselt!

Also, Ihr Deutschen in UK, immer schön im Neoprenanzug duschen, damit die Haut nicht aufreißt. Für Briten in Germania indes empfiehlt es sich für ein erhöhtes Heimatgefühl immer ein Stück hochflorigen Bodenbelag mit sich zu führen. Und für deutsche Toiletten gibt’s eine separate Anleitung – nächste Woche!

Der Pommes-Buddha sagt: Im Bad geföhnt ist halb gewonnen.

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Verkehrserziehung auf Englisch

Destination Milton Keynes!

Die Deutschen lieben ihre Autobahn. Viele Ausländer jedoch schütteln ungläubig den Kopf über die fehlende Geschwindigkeitsbeschränkung und empfinden den vorherrschenden Fahrstil als rücksichtslos. Angenehmer fährt es sich da auf der Insel …

Dort, wie auch in den USA, wird weniger gedrängelt und weniger aggressiv gefahren. Zudem ist die Beschilderung an Schnellstraßen orientierungsfreundlicher, da oft die Himmelsrichtung mit angegeben wird. „The North“ oder „The South“ steht da. Das erinnert mich an DDR-Zeiten, als wir regelmäßig Pakete „inne Zone“ („Den Osten“) schickten, wie meine aus Brandenburg stammende Großmutter zu sagen pflegte.

Dennoch gilt es im englischen Straßenverkehr einige Dinge zu beachten. Insbesondere das Fahren im – in Großbritannien recht häufig vorkommenden – Kreisverkehr kann eine Herausforderung darstellen. Dabei braucht man sich eigentlich nur wenige Regeln zu merken.

Crashkurs für den britischen Verteiler
1. Da Linksverkehr herrscht, fährt man im Uhrzeigersinn in den Kreisel ein.
2. Die Fahrzeuge im Kreisverkehr haben immer Vorfahrt. (Das ist in Deutschland eigentlich nicht so, da es aber fast jeder intuitiv so empfindet, sind die meisten Verteiler mit entsprechenden Verkehrszeichen bestückt.)
3. Wer in den Kreisverkehr einfährt, muss seine letztendliche Fahrtrichtung genau so anzeigen, als stünde er an einer Kreuzung. Das heißt, man blinkt rechts (auch wenn man zunächst natürlich leicht links fährt), wenn man von Süden kommend nach Osten fährt. Der Blinker sollte bis kurz vor der Ausfahrt rechts blinken und dann kurz links, um das Verlassen des Kreisels anzuzeigen.
4. Je nach letztendlicher Richtung ordnet man sich in die Fahrspur ein. Bei zwei Fahrspuren ordnen sich Linksabbieger in die linke, Rechtsabbieger in die rechte Spur ein. Geradeausfahrer können in der Regel beide Spuren verwenden. Bei drei Fahrspuren ist meist die mittlere Spur für die Geradeausfahrer reserviert. Bei mehr Spuren ist die Richtung meist auf der Fahrspur angezeigt.

Wenn man das System einmal verstanden hat, ist es recht eingängig und einer entspannten Fahrt steht nichts mehr im Wege.

Lokal kann der Verkehr allerdings auch in England eine ziemliche Nervenprobe darstellen. Noch um einiges anstrengender als in Köln ist auch das Fahren im Londoner Stadtgebiet ein Alptraum. Daher hat die Stadtverwaltung in Kooperation mit London Transport derzeit unter #ShareTheRoad Fernsehwerbung für ein rücksichtsvolleres Verhalten aller Verkehrsteilnehmer geschaltet. Wie man in deutschen Stadtgebieten die Umweltplakette benötigt, so muss man auch in London eine Congestion Charge zahlen.

Und hier noch ein kleines Glossar zur Erklärung englischer Straßenschilder. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die deutschen Übersetzungen sind eher als Erläuterung denn als akkurate Entsprechung aufzufassen.

abnormal load Schwertransport
congestion Stau
construction traffic only Baufahrzeuge frei
diverted traffic Umleitung
hard shoulder Seitenstreifen
keep apart 2 chevrons 2 Zeichen Abstand halten
keep your distance Abstand halten!
lay-by Haltebucht
merge in turn Reissverschlussverfahren
queues likely Staugefahr
road liable to flooding Überflutungsgefahr
roundabout Kreisverkehr, Verteiler
slip road Autobahnauffahrt, Autobahnausfahrt, Autobahnzubringer
works access Baustelleneinfahrt
works exit Baustellenausfahrt
works traffic, site traffic, construction traffic Achtung Baustellenverkehr!

Dass es einem auch bei manchen Wortschöpfungen schwindelig werden kann, erfahrt Ihr nächste Woche.

Der Pommes-Buddha sagt: Gute Fahrt, Mr Krabs!

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Fingerfertigkeit

Closeup on business woman showing 3 fingers

Zählen auf Englisch ist einfach, oder? One, two, three, four, five … Klar, wenn man die Zahlen nur liest oder hört, ist das keine Hexerei. Aber sobald man die Finger zu Hilfe nimmt, enttarnt man seine Herkunft.

Wer den Quentin-Tarantino-Film Inglourious Basterds gesehen hat, kennt die Szene, in der ein britischer Leutnant sich in einer Spelunke als Deutscher ausgibt. Seinen leicht gefärbten Akzent erklärt er damit, dass er aus einem abgelegenen Bergdorf komme. Damit kommt er zunächst durch. Seine Tarnung fliegt jedoch endgültig auf, als er für sich und seine Begleitung drei Gläser bestellt und dabei Zeigefinger, Mittelfinger und Ringfinger hochhält. So würde kein Deutscher die Zahl Drei zeigen.

In Deutschland beginnt man beim Zählen für gewöhnlich mit dem Daumen, dann kommen Zeigefinger, Mittelfinger usw. hinzu. In England fängt man entweder beim kleinen Finger oder beim Zeigefinger an und nimmt erst zuletzt den Daumen dazu. Wenn man die Zahl Drei zeigt, ist demnach die oben beschriebene Variante gängig.

Meine bilingual (und bikulturell) aufwachsende Tochter kennt beide Varianten und unterscheidet sie derzeit (mit knapp vier Jahren), im Gegensatz zu den verbalen Sprachen, noch nicht klar. Sie zeigt die Eins mal mit dem Zeigefinger, mal mit dem Daumen, und erklärt schlicht: „Man kann das auch so zeigen.“

Und wie sieht es mit anderen Fingergesten aus? Der einzeln von einer mit dem Handrücken nach vorn gerichteten Hand nach oben gestreckte Mittelfinger gilt so gut wie weltweit als schlimme Beleidigung ‒ eine Geste, auf die man sich in der verbalen deutschen Sprache schlicht als „Der Finger“, oder auch „Der Stinkefinger“, bezieht, im Englischen analog als „The Finger“. In Großbritannien häufiger im Gebrauch und ähnlich vulgär ist jedoch der V-förmig nach oben gestreckter Zeige- und Mittelfinger bei nach vorne weisendem Handrücken – eine in Deutschland unbekannte Geste. Die Herkunft beider Gesten wird bei mittelalterlichen (oft normannischen) Bogenschützen verortet. Sie demonstrierten ihren Feinden durch das zeigen des Fingers bzw. der Finger, mit dem bzw. denen sie den Bogen spannen: „Schau‘ her, ich kann dir gefährlich werden!“

„Den Vogel“ (Zeigefinger an die Schläfe tippen) zeigt man in England auch – dort allerdings bedeutet er schlicht: „Denk‘ mal nach!“

Also, Vorsicht bei Fingerübungen im Ausland! Und wo’s andernorts noch brenzlig werden kann, ist beim Essen Bestellen. Aber mehr dazu nächste Woche …

Der Pommes-Buddha sagt: Immer schön Hände waschen!

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Haare außer Kontrolle

Man with crazy expression and puffy hair

Manchmal kommt einfach alles auf einmal. Es ist ein ungewöhnlich kalter, verregneter Junitag, man wacht mit einem steifen Nacken auf, hat verschlafen, der Kaffee ist aus, die Kinder heulen – und so setzt sich der Tag fort. Am liebsten wäre man im Bett geblieben. So ein richtiger Pechtag … Gibt’s das auf Englisch auch?

Klar! Und im Englischen findet sich dafür die bildhafte Beschreibung „bad hair day“ – also wörtlich ein Tag, an dem die Frisur so gar nicht sitzt (auch: „man nicht gut im Haar liegt“ oder „die Haare nicht schön hat“). Entgegen landläufiger Meinung wird dieser Ausdruck heute allerdings fast ausschließlich im übertragenen Sinne verwendet, also in Bezug auf einen „schlechten Tag“ (auf Englisch auch „one of those days“). Mit Haaren hat das, wenn überhaupt, nur entfernt zu tun. Wenn euch also eine Englischmuttersprachlerin fragt: „Bad hair day?“, fasst euch nicht gleich an den Kopf!

Wenn alles auf einmal schiefgeht, nennen das die Amerikaner auch gerne illuster „clusterfuck“ („cluster“ = „Ansammlung“). Auf Deutsch fällt mir in diesem Sprachregister die „Arschkarte“ ein, obgleich der Kontext sich hier leicht verschiebt. „Du hast die Arschkarte“ bedeutet, dass die angesprochene Person in einer bestimmten Situation am schlechtesten wegkommt. Hier befinden wir uns im unerschöpflichen Reich der Fußballanalogien. Die Arschkarte ist die Karte, die der Schiri aus der Gesäßtasche zieht, also die Rote Karte.

Haben wir dann die haarige Situation, die man auf Englisch übrigens auch „hairy“ nennen kann, unbeschadet überstanden, können wir uns zurücklehnen und alle Anspannung ablegen. „Let your hair down“ sagt da der Anglophone, wie in dem gleichnamigen Lied von Corinne Bailey Rae. Das hat nichts mit Rapunzel zu tun. Es heißt einfach, dass man sein Haar nicht streng zum Dutt frisiert trägt, sondern locker-flockig offen schwingen lässt.

Also, ihr Lieben, wenn euch demnächst etwas missfällt, sucht doch nicht das Haar in der Suppe, sondern tragt euer Haar offen! Keine Schnute ziehen – aber dazu mehr nächste Woche.

Der Pommes-Buddha sagt: Zuë Haare sind auch keine Lösung!

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Die ewige Einkaufsliste

Shopping List

Wer schon einmal längere Zeit im Ausland war, wird das kennen: Man vermisst ganz einfache Produkte wie Laugenbretzeln oder Milka-Schokolade. Hat man dann jedoch das dortige Sortiment erkundet und seine Lieblinge gefunden, wird es einem nach der Rückreise ebenso gehen. Für mich sind das zum Beispiel die amerikanischen chocolate chip cookies von Mrs. Fields (alle hier verfügbaren Kekse dieser Art sind mir zu hart). Wenn unsere Familie nach England fährt, steht deshalb ein Besuch bei Waitrose, Sainsbury’s oder Marks & Spencer (ja, dort gibt es auch Lebensmittel) immer auf dem Programm. Und was kaufen wir dort ein?

Unsere ewige Einkaufsliste enthält:

  • tea bags (Alle Teetrinker, die ich kenne, bestätigen: In England ist die Qualität des portionierten Tees unschlagbar.)
  • black bean sauce (Schwarzbohnensauce – eine wichtige Zutat für viele asiatische Rezepte)
  • creamed coconut (wichtige Zutat für beef madras – hier auch zu bekommen, jedoch teurer als in UK)
  • baked beans (auch hier erhältlich, aber nicht die der bevorzugten Marke Branston)
  • malt vinegar (ein Muss auf Pommes bzw. chips)
  • kaffir lime leaves (Kaffirlimonenblätter – hier nicht überall erhältlich)
  • crumpets (kleine Teigküchlein, die man zum Frühstück toastet und mit Butter und/oder Marmelade bestreicht)

Am liebsten würden wir auch die unersetzbare, frische clotted cream mitbringen – aber die muss durchgehend gekühlt werden. Grußkarten und Kleidung sind in Großbritannien ebenfalls viel schöner und oft günstiger als hier.

Doch was, wenn man keine Bezugsquelle in Großbritannien hat? Dann wird’s zwar etwas teurer, aber es gibt keinen Grund zur Verzweiflung: Rettung naht in Form des English Shop in Köln, auf dessen Webseite man – übrigens auch amerikanische Artikel – online bestellen kann! Dort gibt es zumindest eine haltbare Version der für den cream tea obligatorischen clotted cream. Wie der Quark ist dieser Streichrahm ein Milchprodukt, das es in dieser Form woanders nicht gibt. In Ermangelung des Originals kann man die leckeren scones im größten Notfall auch mit Crème double bestreichen. Die kommt der clotted cream am nächsten – wenn sie auch kein würdiger Ersatz ist.

Für Kleidung und Schreibwaren eignet sich Marks & Spencer. Dieses Unternehmen hat mittlerweile sogar eine deutsche Webseite.

Ohne Kleidung kommt man in Deutschland jedoch auch zurecht. Mehr dazu nächste Woche …

Der Pommes-Buddha sagt: Shopping is always nicer on the other side (of the Channel Tunnel).

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Britische Behaglichkeit

England

Wenn mich jemand fragte, wie ich in einem Satz die Essenz der englischen Kultur wie ich sie kenne zusammenfassen würde, so wäre die Antwort eine Frage, die für mich der Inbegriff der britischen Behaglichkeit ist. Unzählige Male schon wurde sie mir gestellt – eigentlich so gut wie jedes Mal, wenn ich auf der Insel bei jemandem zu Hause war.

„Shall I put the kettle on?“ Nun muss man etwas ausholen … Das was im typischen deutschen Haushalt die gute alte Kaffeemaschine ist (ich meine diese nun schon fast antik anmutende Konstruktion mit Filteraufsatz, Glaskanne und Warmhalteplatte), ist in Großbritannien the kettle, der (heutzutage vorwiegend elektrische) Wasserkocher. Fassungslos stand ich im Jahr 2000, zu Beginn meines Auslandssemesters in London, in der Küche meiner Unterkunft – es gab keine Kaffeemaschine! Ein Wasserkocher fand sich immerhin, aber kein Filteraufsatz, um wenigstens von Hand aufzubrühen. Nachdem ich auf der Suche nach Kaffeepulver lediglich auf körnigen Kaffee stieß, wurde mir klar: Im durchschnittlichen Haushalt wird Kaffee hier tassenweise hergestellt, und zwar aus Instant-Kaffeepulver. (Ja, ganz im Gegensatz zu Australien und Neuseeland hinkte Großbritannien dem Rest von Europa – oder auf Britisch Europe bzw. the Continent – in der Kaffeekultur lange weit hinterher.)

Tee wird, so man nicht der detaillierten Anweisung des Britischen Instituts für Normung (BSI) folgt, die 8 Seiten umfasst und für lächerliche 90 GBP zu erwerben ist, ebenfalls pro Tasse bzw. Becher aufgegossen. Milch darf selbstverständlich nicht fehlen. Und ein echter „Bauarbeitertee“ (siehe „builder’s brew“) wird’s nur mit reichlich Zucker. Da bekommt Stephen Twining Schnappatmung! Er erklärt auf Youtube, wie es richtig geht. Und hier schreibt der Independent über die perfekte Tasse Tee.

„Shall I put the kettle on?“ ist somit eine meist rhetorische Frage, die sagen soll: „Komm’, wir machen es uns gemütlich und trinken einen Tee (oder Kaffee)!“

Nächste Woche geht’s zur Abwechslung dann mal um nicht-kulinarische Verflechtungen …

Der Pommes-Budhha sagt: Manche mögen’s heiß!

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Sahnestückchen zum Tee

English Scones, Devonshire style

Welcher Deutsche kennt sie nicht, die schön gedeckte Kaffeetafel mit Kaffeeservice, Kaffekanne auf dem Warmhalte-Stövchen, Kuchen, geschlagener Sahne, Tortenheber und Kuchengabeln. Traditionell bewirtet man so Nachmittags- oder Geburtstagsgäste. Dieses gemütliche Gesamterlebnis wird mit dem stehenden Ausdruck „Kaffee und Kuchen“ bezeichnet. Doch was erwartet einen im Vereinigten Königreich bei einer nachmittäglichen Zusammenkunft?

Nun, eine der beliebtesten Varianten der Teetradition ist der sogenannte cream tea. Hiermit ist nicht nur das Heißgetränk gemeint, das man übrigens in England ausschließlich mit Milch oder Sahne und niemals pur genießt, sondern ein köstlicher Nachmittagsschmaus, in tea rooms gerne auf der möglichst kitschigen Etagere serviert. Neben dem Tee, der in Kürze in einem eigenen Blog-Beitrag behandelt werden wird, kann man sich hier an liebevoll präsentierten scones mit clotted cream und Erdbeermarmelade laben.

Jede dieser Komponenten bedarf eines separaten Kommentars.
1. scone: ein süßes Brötchen mit oder ohne Rosinen; über die korrekte Aussprache des Wortes ist die Nation seit jeher gespalten (je nach geografischer Herkunft und/oder gesellschaftlicher Position [skəʊn] oder [skɒn]); das Brötchen wird aufgeschnitten und mit 2. und 3. bestrichen
2. clotted cream: Streichrahm aus Cornwall oder Devon; besitzt eine frischkäseähnliche Textur und einen Geschmack, der zwischen Butter und Sahne rangiert; wie bei der Aussprache von „scone“ scheiden sich auch hier die Geister, ob man nun zuerst die clotted cream oder zuerst die strawberry jam aufträgt (Egal! Jede der Varianten schmeckt bombastisch!!!)
3. Erdbeermarmelade: Achtung, falscher Freund! Die englische marmalade bezeichnet ausschließlich die recht bittere Orangenmarmelade. Alle anderen Marmeladen heißen jam.

Allgemein spricht man auch vom afternoon tea, bei dem zudem noch kleine Sandwiches gereicht werden. Der high tea, oft auch einfach nur „tea“, hingegen, bezeichnet eine vollwertige Mahlzeit am Abend. Auch heute noch heißt „Abendessen“, insbesondere im Norden von England und in Schottland nicht „dinner“ (oder auf Hochnäsig „supper“), sondern „tea“. „What’s for tea?“ heißt also nicht „Was gibt es zum Tee?“, sondern „Was gibt es zum Abendessen?“ Dann ergibt der Satz „Your tea is in the oven“, der einst in einer deutsch synchronisierten Fassung einer englischen TV-Serie irrtümlich mit „Dein Tee ist im Ofen“ übersetzt wurde, auch Sinn.

Und hier wie immer ein schönes Rezept.

Natürlich gibt’s auf der Insel auch Kuchen, jedoch üblicherweise zum Dessert. Und Kuchengabeln sucht man in der Besteckschublade vergeblich. Kuchen wird mit den normalen großen Gabeln bzw. in gut ausgestatteten Haushalten mit etwas kleineren Dessertgabeln gegessen.

Mehr zum englischen Tee in zwei Wochen. Nächste Woche wird’s erst einmal saisonal brutzelig.

Der Pommes-Buddha sagt: Ob [skəʊn] oder [skɒn], let’s cream tea on!

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In Rosas Munde

Patties fried in bowl with napkin on board

Wer noch nie in Cornwall war, sollte dies rasch nachholen. Rollende Hügel, sonnige Küsten und idyllische Landhäuser … Rosamunde Pilcher hält, was sie verspricht. Mal ganz davon abgesehen, dass Cornwall die britische Region mit der coolsten Flagge ist (weißes Kreuz auf schwarzem Grund – lässt Piraten neidisch werden). Doch die Reise kann gleich vor der Haustür beginnen. Wie das?

Nun, ganz einfach: Seit einem guten Jahr schmückt die Dürener Straße in Köln ein kleiner aber feiner Laden, der das kulinarische Aushängeschild Cornwalls vertreibt, die Cornish pasty (zu Deutsch: „kornische Pastete“). Die Tasty Pasty Company bietet die gefüllte Teigtasche in diversen kreativen Varianten an – von traditionell über Steak & Ale bis hin zu indisch mit Kichererbsen. Zudem lassen etliche andere heimische Produkte wie millionaires’ shortbread oder original englischer Tee, gerne als builder’s brew serviert, das britische Herz höher schlagen.

Aber was genau ist nun diese kleine Pastete? Die klassische Variante, die sich übrigens, analog zum Champagner, nur Cornish nennen darf, wenn sie in der Region selbst hergestellt wurde, enthält Kartoffeln, Rindfleisch, Zwiebeln und Kohlrüben. In Cornwall wurde uns zudem berichtet, dass diese Speise ursprünglich ein typisches Essen für die Arbeiter der dort früher zahlreichen Kohlebergwerke war. Der dicke, geschwungene Teigrand diente ausschließlich dem Anfassen mit schmutzigen Fingern und wurde nicht mit verzehrt. Oft war zudem eine kleine Ecke der Teigtasche mit etwas Süßem gefüllt, sodass man sich vom Hauptgericht zum Dessert vorwärts essen konnte.

Übrigens wird das „a“ in „pasty“ – sofern nicht das Adjektiv gemeint ist – nicht diphthongiert, wie die Sprachwissenschaftlerin sagt. Das bedeutet, man hört nicht zwei unterschiedliche Vokallaute wie beispielsweise bei dem „a“ in „frame“, sondern nur einen kurzen, zwischen dem deutschen „ä“ und „e“ liegenden Monophthong wie in „that“. Es heißt also [ˈteɪstiː ˈpæstiː] und nicht [ˈteɪstiː ˈpeɪstiː].

Ob Mono oder Di, alle pasties bei Dan und Paul und ihren supernetten Mitarbeitern schmecken wunderbar! Wahlweise kann man die leckeren Stücke auch zum Selbstbacken mitnehmen. Und mit dem Catering-Angebot ist die nächste Briten-Party gesichert. Wer noch mehr sehen und hören will, kommt hier auf den Geschmack. Bingo! Nächste Woche mehr dazu

Der Pommes-Buddha sagt: Kornische Pastetchen sind mir die liebsten!

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