Die Frühjahrsfibel

Wiese mit bunten Blumen im Frhling

Mit dem Beginn des Frühlings geht jedes Jahr so einiges einher. Allenthalben werden Phänomene wie die Frühjahrsmüdigkeit und der Frühjahrsputz von allerlei Blickwinkeln beleuchtet. Schauen wir uns mal einige dieser Phänomene an. Gibt’s die eigentlich auch in Großbritannien?

Mich hat’s irgendwie auch erwischt. Im März fühlte ich mich eine ganze Weile lang matt und ständig müde. Das ist die sogenannte Frühjahrsmüdigkeit, die laut einer WDR-Reportage auf die energieraubende Umstellung des Stoffwechsels zurückzuführen ist und etwa zwei Drittel aller Menschen betrifft. Mein englischer Ehemann hatte davon noch nie gehört. Also googelte ich dieses Phänomen und fand heraus, dass es auf Englisch offenbar spring fever genannt werden kann. Eine Umfrage unter einer Handvoll muttersprachlicher Freunde und Kolleginnen ergab jedoch, dass spring fever 1. nicht sehr verbreitet bis hin zu unbekannt ist und 2., wenn überhaupt, meist eher in der nachgerade antonymen Bedeutung, nämlich im Sinne eines Herbeisehnens des Frühlings, verwendet wird. Das Konzept der Frühjahrsmüdigkeit scheint also in den englischsprachigen Kulturen kein etabliertes zu sein.

Den Frühjahrsputz hingegen gibt es auch im englischen Sprachraum. Dort heißt er spring cleaning. Das wissen wir spätestens seit der gleichnamigen Folge der international bekannten englischen Kinder-Kultserie Shaun das Schaf.

Es ist schon seltsam, aber auch ich verspüre dieser Tage einen gesteigerten Drang, auszumisten und alles schön zu machen. „Ausmisten“ ist übrigens auch ein schönes deutsches Wort, das eigentlich aus der Agrarwirtschaft kommt und clearing out (the dung) bedeutet. Wenn eine Deutsche, die keinen Bauernhof betreibt, jedoch sagt: „Ich hab‘ ausgemistet“, bezieht sich dies immer auf das Aussortieren von Alltagsgegenständen zum Wegwerfen, Weggeben (also Verschenken) oder Verkaufen.

Neulich fuhren wir mit unseren Kindern im Auto zum nächstgelegenen Erlebnisbauernhof (wie man das als Mittelschicht-Städter mit ökologischem Sendungsbewusstsein so macht). Vor uns fuhr ein grauhaariger Herr recht langsam und unsicher. „Sunday driver“, kommentierte mein englischer Ehemann. Ah, dachte ich, den Sonntagsfahrer gibt’s also auch auf Englisch – scheint ein international verbreitetes Phänomen zu sein. Ganz im Gegensatz zum Geisterfahrer, wie in diesem Medium bereits berichtet.

Am letzten Wochenende im März ist es dann stets soweit: Die Uhren werden auf Sommerzeit umgestellt. Das geschieht in Großbritannien übrigens zur selben Zeit. Die Sommerzeit, die ja eigentlich die „falsche“, also die von der allgemeinen Übereinkunft abweichende, Zeitzählung ist, heißt dort Daylight Saving Time, also die Zeit, die das Tageslicht erhält.

Und was hat es eigentlich mit dem Ausdruck „Fibel“ aus dem Titel auf sich? Es handelt sich, wie ich finde, um ein sehr schönes, altes deutsches Wort. Heutzutage wird es nicht mehr oft gebraucht, früher bezeichnete es ein Lesebuch, mit dem Schüler das Lesen lernten. Heute wird es laut Duden eher für Lehrbücher verwendet, die in ein Fachgebiet einführen.

Also, nun seid Ihr für den britisch-deutschen Frühling gefibelt und dürft ihn in vollen Zügen genießen!

Der Pommes-Buddha sagt: Ein Sonntagsfahrer macht noch keinen Frühling.

  

Fresh fruit salad

Heallthy Organic Fruit Salad

One, two, three, four, Mary at the cottage door. Five, six, seven, eight, eating cherries off a plate. Thus goes an English nursery rhyme. But who picked the cherries Mary is innocently eating here? And do Germans pick cherries too? Read more on cherries and other proverbial fruit …

Fresh fruit salad has for decades been on British hotel breakfast menus. I recently remembered I saw it on a menu in Jersey once, and this made me think how different cultures use fruit in their proverbs and figures of speech.

The proverbial ‘cherry picking’, which is increasingly used as a loan word in German (as this example shows), i.e. the act of selectively considering only information which serves a certain purpose and thus taking the best bits of something, is referred to in German as ‘raisin picking’ (sich die Rosinen herauspicken).

A similar turn of phrase in English is ‘to have your cake and eat it (too)’, i.e. to have the best of both worlds. In German, one could say something along the lines of auf zwei/allen Hochzeiten (gleichzeitig) tanzen.

In German, cherries are usually mentioned in relation to neighbours (die Kirschen in Nachbars Garten sind süßer), to which situation Englishpeople would say the grass is always greener (on the other side (of the fence)). However, if someone is a moper, we say mit dem ist nicht gut Kirschen essen.

Speaking of fruit-bearing trees in gardens, apples are a popular subject in turns of phrases. In German, when faced with a difficult situation but having to endure it, you ‘bite the sour apple’ (in den sauren Apfel beißen). In English, you ‘bite the bullet’ or ‘grasp the nettle’ (ouch!).

In both languages, you can’t ‘compare apples and pairs’ (Äpfel mit Birnen vergleichen), the equivalent in non-British English being ‘apples and oranges’. ‘Apples and pairs’, though not actually used much these days, is also one of the flagship examples of Cockney Rhyming Slang (see earlier blog post ‘Poesie made in London’).

If you are making a great bargain in German, you buy something ‘for an apple and an egg’ (für’n Appel und ‘n Ei), in English it is ‘cheap as chips’ (in US American English ‘a dime a dozen’). In England, ‘an apple a day keeps the doctor away’.

If you are insinuating that a daughter is very much like her mother, the German and English sayings are similar: der Apfel fällt nicht weit vom Stamm (‘the apple does not fall far from the trunk’) and ‘the apple never falls far from the tree’. However, ‘like mother, like daughter’ is also commonly used.

Oh, we could go on for ages dwelling on the sheer abundance of fruit and vegetable-related utterances. Let me finish with some of my personal favourites.

The first one will blow your German friends away if used after a long period of not seeing each other. If they have been neglecting communication, take that, ‘Du treulose Tomate!’

The second one, using the same fruit (someone told me once that tomatoes are fruit and not vegetables – no clue if that’s true or just an alternative fact), could be a door-opener at the Ausländerbehörde, where most of you poor Brexit-beaten bastards are presently queuing for German citizenship. If you can squeeze that one in, they will let you go without a language test for sure. Just say something like, ‘Ich glaub’ ich hab’ Tomaten auf den Augen. Ich konnte Zimmer 305 nicht finden.‘ That’s it. You must be German! Come into my arms, son! Here, have a piece of Blutwurst!

And finally, numbers three and four are English expressions referring to a person who behaves in a rather strange or crazy manner: ‘nutter’ and, turning full circle back to fruit salad, ‘fruitcake’.

So enjoy your fruit salad, or fruitcake, whichever it may be, and feel free to contribute more in the comments section below.

The Pommes Buddha says: Do you have beans in your ears?

  

Arschquietschzeit

Red stadium seats

Arschquietschzeit

Manchmal entdeckt man in einer fremden Sprache ein Wort, das in der eigenen Sprache fehlt und das genau passend ist, für das, was man ausdrücken will. Geht das auch anderen Sprachnutzern so und bürgert sich dieses Wort dann in der eigenen Sprache ein, so nennt man dies ein „Lehnwort“. Ich möchte an dieser Stelle eine Lanze brechen für die Entlehnung des wunderbaren Ausdrucks squeaky bum time (wörtlich „Arschquietschzeit“). Aber welcher Arsch quietscht da und warum?

Laut der Webseite phrases.org.uk wurde dieser Ausdruck 2003 während der heißen Phase der britischen Premier League von Sir Alex Ferguson, damals Trainer von Man U, geprägt. Die rivalisierenden Fußballclubs Arsenal und Manchester United waren damals beide Kandidaten für den Ligasieg. „Fergie“ kreierte diesen Ausspruch, um die nervenaufreibende Stimmung zu beschreiben, bei der die Zuschauer mit ihren angespannt verschwitzten Hintern auf den Plastiksitzen hin‑ und herrutschen.

Ehrlich gesagt dachte ich bei dem Ausdruck im Zusammenhang mit der Erklärung, es handele sich um die spannende letzte Phase eines Wettkampfs, insbesondere wenn es ein Kopf-an-Kopf-Rennen gibt, zunächst an einen Hintern, der so in die Enge gequetscht ist, dass es beim Furzen quietscht. Nun, wie auch immer – die Worte lassen einprägsame Bilder entstehen. Und sie sind in England wirklich zum geflügelten Wort geworden, das rege Verwendung findet.

Auf Deutsch würde man in so einer Situation sagen „Jetzt geht’s um die Wurst“, „Jetzt gilt’s“ oder „Was für eine Zitterpartie!“. Aber keiner dieser Ausdrücke spiegelt eben genau alle Aspekte der Arschquietschzeit wider, geschweige denn das einprägsame Bild eines nervös schwitzenden Hinterns auf einer Stadionsitzschale.

Im Englischen gibt es allerhand deutsche Lehnwörter wie blitzkrieg, zeitgeist oder Weltschmerz (letzteres seltsamerweise auch im Englischen als einziges großgeschrieben). Man könnte sich jedoch noch so einige andere vorstellen – ohrwurm, hexenschuss, geisterfahrer, heimat, fremdschämen … (Mehr schöne deutsche Wörter findet Ihr übrigens auf http://deutschwortschatz.de/.) Und über eines von ihnen sprechen wir nächste Woche.

Der Pommes-Buddha sagt: So manches Wort passt wie Arsch auf Eimer.

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Of owls and other birds

UK Wild Llittle Owl

In a recent conversation with friends, the German saying Wat dem eenen sin Uhl [Eule], is dem annern sin Nachtigall (literally: ‘One man’s owl is another man’s nightingale’) came up. When my English husband enquired about the meaning of Nachtigall, our friends’ sixteen-year-old daughter suggested ‘mockingbird’ (Spottdrossel) as a translation. But isn’t that an entirely different kettle of fish?

After some discussion, it turned out that the daughter, who insisted she had verified the translation (‘Generation Y’-style, on her smartphone, of course), based her assumption on the German translation of the book title ‘To Kill a Mockingbird’ (Wer die Nachtigall stört). In this specific case, the mockingbird, commonly found in North America and the state bird of several US-American states while rarely sighted in Europe, was replaced in the German book title by the nightingale, a bird more prevalent there and thus more familiar to German-speaking readers. (Besides, Wer die Spottdrossel stört just hasn’t got this certain ring to it, does it?). Translation theorists refer to this seeming mismatch as ‘pragmatic translation’ or ‘cultural substitution’, meaning that a culture-specific word is replaced with a target-language word with a different meaning but a similar impact on the target reader (Mona Baker: In other words. A coursebook on translation. Routledge, 1992, p.31).

Getting back to the German saying, it is maintained that the owl represents doom or death, whereas the nightingale with its beautiful song is a bearer of good news, so an apt translation would indeed be ‘One man’s meat is another man’s poison’.

My favourite use of the German Nachtigall, however, is in the Berlin figure of speech Nachtijall, ick hör’ da trapsen!, which refers to the speaker’s hunch or premonition about something – perhaps a ‘ghost driver’. Read more next week …

The Pommes Buddha says: When the nightingale traipses, there is no escape.

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