Die Krönung

3d rendering of chess board game

Seit in Großbritannien für den Brexit gestimmt wurde, sind viele interessante Entwicklungen zu beobachten. Eine davon ist die gefühlt wieder auflebende Begeisterung für die berühmt-berüchtigte quirkiness („Schrulligkeit“) der Briten, allen voran der Royal Family. Filme wie „Paddington“ und Serien wie „The Crown“ erfreuen sich größter Beliebtheit. Hier sind ein paar unnütze Fakten über die British monarchy.

Laut der britischen Zeitung The Guardian erhält die Krone derzeit gut 82,2 Mio. GBP Steuergelder jährlich (im November 2017 wurde der Anteil von 15 % auf 25 % des Crown Estate („Kronguts“) erhöht). Bei einem BIP von rund 2 Bio. GBP im vergangenen Jahr sind das also etwa 0,004 %.

Die Queen spricht wie alle Britinnen und Briten der sozialen Oberschicht Hochenglisch, die sogenannte received pronunciation oder RP. Hierbei handelt es sich um eine auch als Queen’s English bekannte, von regionalen Färbungen freie, künstliche Variante des Englischen. Von einigen wird es auch als posh English bezeichnet.

Bis vor gut 10 Jahren wurde erwartet, dass alle Reporter der öffentlich-rechtlichen BBC-Fernseh- und Radiosender RP verwenden. Daher nannte man diese Sprachvariante auch BBC English. Die konservative Tageszeitung The Daily Telegraph (Wir erinnern uns: Sie wird gelesen von Leuten, die denken, das Land wird von einem anderen Land regiert (Blog-Eintrag „Pressestimmen“).) schrieb 2008, der Chef der BBC wünsche sich mehr regionale Akzente. Zynische Stimmen munkeln, diese Öffnung hin zu einer großzügigen Vielfalt drücke sich heute darin aus, dass Schottisch das neue BBC English geworden sei.

Hier findet man übrigens etliche Hörbeispiele britischer Dialekte: http://weloveaccents.co.uk/.

Die Königsfamilie ist nach wie vor beliebt. Laut einer Opinium (nicht Opium!)-Umfrage waren 2017 zwei Drittel der BritInnen für die Erhaltung der Monarchie. Findet gar ein königliches Großereignis wie eine Hochzeit (Save the Date: Prince Harry & Meghan Markle heiraten am 19. Mai 2018!) statt, ist das Land außer Rand und Band. Man feiert kostümiert auf den Straßen oder im eigenen Garten, wo Accessoires wie Fähnchen, Hüte und Wimpelketten nicht fehlen dürfen.

Bei der letzten royal wedding 2011 ging das Spiel „Find Your Royal Wedding Name“ in den sozialen Netzwerken viral. Nach einer Spielart setzt man seinen Namen, den man als hypothetischer Gast bei der königlichen Hochzeit trägt, wie folgt zusammen: Lord/Lady + Name des ersten Haustiers + Name der Straße, in der man aufwuchs. In anderen Varianten findet der Mädchenname der Mutter oder der Vorname der Großeltern Verwendung.

Unter glühenden Handarbeitsverfechtern hochbeliebt war auch das Buch „Knit Your Own Royal Wedding“ von Fiona Goble.

Wer sich für die menschliche Seite des jüngeren britischen Königshauses interessiert, dem sei die Netflix-Serie „The Crown“ ans Herz gelegt. Sie überzeugt durch bewegende Darstellung – doch Achtung: historische Ereignisse werden nicht immer wahrheitsgetreu dargestellt. Elisabeth II, oder wie die Berliner sie auch gerne gewohnt schnodderig, aber liebevoll, nennen: Themsen-Else, wird von der großartigen Claire Foy einfühlsam und mit wunderbarer RP portraitiert.

Wer einen für alle Generationen unterhaltsamen, angekitschten Familienfilm vor der Kulisse Londons sucht, ist mit Paddington (1 + 2) gut beraten. Nicht zuletzt ist auch das sehr britisch: das Romantische, leicht Abgehobene, Urige, Fantasievolle. Denn wie las ich neulich recht treffend auf einer Postkarte? Die Realität ist etwas für Leute, die Angst vor Einhörnern haben.

Der Pommes-Buddha sagt: It takes all sorts to make the world.

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