England gegen Deutschland

Travel destination and journey luggage concept, stack of suitcases in colors of national flags of european countries isolated on white background

Neulich fragte mich eine meiner treuen Leserinnen, ob ich eigentlich gerne in England wohnen würde, da ich doch immer nur Gutes über England und Schlechtes über Deutschland schriebe. Hm. Stimmt es wirklich, dass hier einem der beiden Länder Unrecht getan wird? Oder beiden? Was ist besser: England oder Deutschland?

Ohne hier nun eine Punktestatistik der bisherigen Blog-Einträge zu erarbeiten, will ich ihre Bemerkung würdigen und annehmen, dass dieser Eindruck auch bei anderen Leserinnen entstanden sein könnte.

Drei Erklärungen gäbe es vielleicht, sollte doch England oft besser weggekommen sein. Zunächst mein Empfinden, dass wir Deutschen uns nicht gerade durch große Bescheidenheit auszeichnen und wohl kein weiteres Bauchpinseln mehr nötig haben. Hier möchte ich mir jedoch gleich selbst widersprechen und sagen, dass dies eine sehr verallgemeinernde Ansicht ist, die nur aus marginalen Begegnungen im Ausland herrührt und sich eigentlich nicht einmal mit meinen Erfahrungen im persönlichen Umfeld deckt. (Sehr introspektiv, der heutige Text!)

Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass sich unsere nationalen Identitäten (oder zumindest deren kleinster gemeinsamer Nenner) unterscheiden. Als Deutscher ist man es gewohnt, auf der Weltbühne wahrgenommen und respektiert zu werden. Mein Mann hingegen findet, als Engländer fristet man ein Underdog-Dasein. Man kommt von einer kleinen Insel, die niemand richtig ernst nimmt. – Ach, Schnuffi, so ist es gar nicht! Aber offenbar wird es von vielen Briten so empfunden.

Der zweite Grund könnte der Effekt der Kirschen des Nachbarn sein, die immer süßer erscheinen als die eigenen (auf Englisch „The grass is always greener (on the other side of the fence)“). Das, was man hat, schätzt man weniger als das, was Andere haben.

Der dritte Grund ist der, dass es im Kontext eines interkulturellen Blogs naheliegt, mit Klischees zu spielen und diese bisweilen überspitzt darzustellen, da darauf vertraut werden kann, dass die geneigten Leser schon wissen, wie sich das in Wirklichkeit verhält (bzw. hat ja jede ihre eigene Wirklichkeit). (Nein, nicht alle Deutschen sind pünktlich, ernst und größenwahnsinnig.)

In England oder Deutschland leben? Am Schönsten wäre es, wenn beides ginge. Aber am Zweitschönsten ist es, in einem schönen Land zu leben und dieses andere schöne Land so oft wie möglich besuchen zu können. Ein Eintauchen in beide Kulturen – das genieße ich als großes Privileg.

Natürlich wird die existenzielle Frage „England oder Deutschland?“ auf die Spitze getrieben, wann immer sich die beiden Länder in einer wichtigen internationalen Sportveranstaltung begegnen. Mein Mann versucht regelmäßig, unsere Kinder zu indoktrinieren, zu England zu halten. Finde ich okay, weil wir ja dafür immer gewinnen! Hi, hi!

Also: Im Rennen England gegen Deutschland gibt es nur Sieger! Damit ein wundervolles neues Jahr! Und nächste Woche geht’s nach den gesellschaftsphilosophischen Betrachtungen gleich weiter mit sprachphilosophischen.

Der Pommes-Buddha sagt: Dengland ist das schönste Land!

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2 thoughts on “England gegen Deutschland

  1. Nachbarskirscheneffekt! Again what learned!

    als Engländer fristet man ein Underdog-Dasein. Man kommt von einer kleinen Insel, die niemand richtig ernst nimmt. – Ach, Schnuffi, so ist es gar nicht! Aber offenbar wird es von vielen Briten so empfunden.

    Komisch! Mein Eindruck, von vielen Briten (jedoch natürlich nicht von allen oder gar von den meisten) gewonnen, ist eine gewisse Hochnäsigkeit bezüglich vor allem England auf der Weltbühne. Kann es sein, dass Europäern gegenüber sie sich bescheiden fühlen, aber der Rest der Welt habe noch viel (mehr) von ihnen zu lernen?

    Unterhaltungen mit Briten an und über unterschiedlichen Regionen der Welt haben bei mir manchmal einen leicht beurteilenden Nachgeschmack hinterlassen. Vor allem zu den Themen Ordnung, Sauberkeit, Disziplin oder ganz besonders Höflichkeit, haben sie bei mir oft den gleichen Eindruck gemacht, für den eigentlich die Deutschen (bis vielleicht auf die Höflichkeit, ob gerecht oder ungerecht) so berühmt sind!

    Oder ist das ein Merkmal meines eigenen Minderwertigkeitskomplexes — und haben andere Staatsbürger der britischen Ex-Kolonien was ähnliches!?

    Frohes Neues!

    • Lieber Cliff,
      schön, wieder von Dir zu hören! Interessante Anmerkung. Das war mir nicht bewusst. Ich denke, das mit der Überheblichkeit ist vielleicht ein typisches britisch-amerikanisches Phänomen (und das mit der Minderwertigkeit ein britisch-deutsches – wobei das auch oft mit Witzen über den 2. Weltkrieg kompensiert wird). Oder es handelt sich in einigen Fällen vielleicht um kulturbedingte Missverständnisse? Mr King berichtet jedenfalls von etlichen solchen aus einer Zeit, in der er als Brite für ein amerikanisches Unternehmen arbeitete. (“Die Amerikaner fallen gleich mit der Tür ins Haus.” / “Über sein Gehalt redet man nicht.” etc.) Wäre natürlich mal einen Blog-Eintrag wert.
      Alles Gute im neuen Jahr und viele liebe Grüße
      Sarah

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