Wie groß ist deine Wohnung?

Rendered Industrial Bedroom

Diese Frage stellte mein Mann einer Kollegin, die von ihm wissen wollte, ob ihre Miete zu teuer sei. Sie antwortete als Britin erwartungsgemäß mit der Anzahl der Schlafzimmer („One bedroom.“). Als sich mein Mann, durch seine intensiven Erfahrungen auf dem Kölner Immobilienmarkt offensichtlich erfolgreich indoktriniert, nach der genauen Quadratmeterzahl erkundigte, zuckte seine Kollegin mit den Achseln. Die wusste sie beim besten Willen nicht. Im Ernst?

In der Tat sucht man Quadratmeterangaben in britischen Wohnungsanzeigen vergeblich. Entscheidend ist einzig, über wie viele Schlafzimmer eine Immobilie verfügt. Hier kommt man als Deutscher leicht durcheinander, denn bei uns ist eine 2-Zimmer-Wohnung (oder im Osten des Landes „2-Raum-Wohnung“) eine Wohnung mit einem Schlafzimmer (das zweite Zimmer ist das Wohnzimmer). In Großbritannien geht man davon aus, dass ein Wohnzimmer keiner besonderen Erwähnung bedarf. Eine 2-bedroom flat wäre hier somit eine 3-Zimmer-Wohnung. Eine 1-Zimmer-Wohnung wird in UK studio genannt. Die tatsächliche flächenmäßige Größe der Wohnung ist dem Briten offenbar schnuppe. Kaum zu glauben, wenn man in einem Land groß wurde, in dem es Formeln für die Berechnung der Bodenfläche unter Dachschrägen gibt und man rechtlich gegen den Vermieter vorgehen kann, wenn die Quadratmeterzahl mehr als 10 % unter der angegebenen liegt.

Verwirrend ist auch die Zählweise der Etagen, sobald man den Atlantik überquert. Bei uns beginnt man beim Erdgeschoss (EG) und zählt dann 1., 2., 3. usw. Obergeschoss (OG). In Großbritannien entsprechend ground floor und dann first, second, third usw. floor. In den USA hingegen ist der first floor das EG. Eigentlich logisch.

Auch ein englischer Bekannter von uns, seines Zeichens Kfz-Mechaniker, bestätigte jüngst, die Deutschen liebten genaue Zahlenangaben: Hier müsse jeder sein Gewicht in Kilogramm und seine Körpergröße in Zentimeter kennen. Seine Kollegen hätten es nicht durchgehen lassen, dass er sein eigenes Gewicht nicht anzugeben wusste und ihn auf der werkstatteigenen Industriewaage gewogen.

Dass auch die Österreicher es genau nehmen, erfahrt ihr nächste Woche.

Der Pommes-Buddha sagt: Was wäre das Leben ohne Zentimeter?

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The blandest thing on the menu

indische curries

Asked to name a very traditional British dish, many Brits will say something like ‘Lamb Jalfrezi’. So entrenched is the culture of the former British colony in the United Kingdom that it has become part of its identity. Many Indian people run restaurants in Great Britain, and as there is competition all over the place, the quality of the food is mostly excellent. But where can you go for palatable Indian cuisine in Cologne?

One of the things my English husband complains about most in Germany is the fact that it is so hard to find a good curry here. We cook them ourselves, most of the time. (A great book to make easy and tasty curries for beginners as well as advanced cooks is The Hairy Bikers Great Curries.) The rest of the time, when we want Indian food, we can be seen roaming about town trying to find a curry that’s at least half decent. Sadly, despite being a city of considerable size, Cologne has as yet not yielded any true revelations. Instead, we recently discovered a treasure in Hürth, Royal India. Recommended by an Indian lady and now by us too!

An absolutely hilarious taking-the-mickey approach to the whole British-Indian identity issue is taken by the BBC series Goodness Gracious Me, broadcast first on BBC Radio 4 (1996-98) and later on BBC Two (1998-2001). In one of the episodes, a group of Indians visits an English restaurant (‘go for an English,’ as they call it) and behaves in a way that many drunk British guys do at curry places all the time. As a special dare, one of them orders ‘the blandest thing on the menu.’ Get a taste here.

I intentionally didn’t go into detail with the political issue here, but I do recommend these extracts from Foreign Secretary Robin Cook’s 2001 speech calling Chicken Tikka Masala a true British national dish.

Next week, find out why size matters to Germans.

The Pommes Buddha says: When in Germany, select your tandoor wisely.

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Gruß aus der Heimat

Briefkasten

Einer der Gründe, warum ich Großbritannien so mag, sind die zahlreichen liebenswerten Sitten und Bräuche seiner Einwohner. Dazu gehört beispielsweise das Verschicken einer Grußkarte zu jedem erdenklichen Anlass. In Deutschland verschickt man viel seltener Karten, und die Anforderungen an den Gratulanten unterscheiden sich von denen auf der Insel. Aber in welcher Form? Und warum stehen Liebhaber englischer Grußkarten mit der Deutschen Post auf Kriegsfuß?

Im Januar hat die Deutsche Post, wie alle Jahre wieder, das Porto für einen Standardbrief erhöht. Ein „normaler“ Brief nach England kostet nunmehr 0,80 €. Hat man sich jedoch an den 08/15‑Motiven und –Formaten vieler deutscher Grußkartenfabrikanten satt gesehen und pflegt angesichts ihrer stilvoll bezaubernden Andersartigkeit Karten britischer Vertreiber wie Marks & Spencer oder John Lewis zu erwerben, so darf man keineswegs davon ausgehen, damit „normale“ Post zu verschicken. Eine englische Grußkarte – und das macht gerade einen beträchtlichen Teil ihres Charmes aus – hat selten die hier üblichen Formate DIN A6 oder DIN lang, sondern ist oft kleiner und meist entweder quadratisch oder sehr schmal und länglich. Damit unterschreitet sie das Mindestformat der Deutschen Post und kostet mittlerweile 1,50 €.

Doch zurück zum Brauch des Kartenschreibens. In Großbritannien ist es vollkommen üblich, auf eine Karte handschriftlich lediglich die Adressaten, (sofern kein vorgedruckter Text vorhanden ist) einen kurzen Einzeiler und schließlich die Grußformel einzutragen. Eine Grußkarte wird also als genau dies betrachtet: ein kurzer, lieber Gruß. In unseren Breiten hingegen gilt eine vorformulierte Karte als lieblos. Es werden vom Verfasser mindestens ein bis zwei handschriftliche und möglichst individuell formulierte Sätze erwartet.

Bei den Briten ist es zudem Brauch, erhaltene Grußkarten zu würdigen, indem man sie für einen gewissen Zeitraum daheim sichtbar präsentiert, beispielsweise auf dem Fensterbrett oder dem im angelsächsischen Raum berühmt-berüchtigten Kaminsims. Meine Schwiegermutter etwa dekoriert alljährlich hingebungsvoll ihre Wohnzimmerwand mit allen an sie verschickten Weihnachtskarten. In Deutschland legt man Karten nach dem Lesen beiseite, und oft landen sie alsbald im Altpapier. (Immerhin!)

Und nächste Woche wird’s kulinarisch …

Der Pommes-Buddha sagt: Eine Karte macht noch keinen Brief.

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German disease

Doctors Hospital Corridor Nurse Pushing Gurney Stretcher Bed

My husband and his colleagues often discuss how strange the German language is to them. They find it amusingly logical that gloves are called ‘hand shoes’, love the fact that the end of a working day is called ‘celebration night’ and wonder why women’s football teams are called Mannschaft (literally: ‘manship’ – the related matter of sexism in the German language will have to be discussed in a separate entry). Another one of those peculiar words is Krankenhaus.

‘Why would you want to go to a “sick house” to give birth?’ one colleague observed. True. For the same reason, the former Krankenschwester (‘nurse’; literally: ‘sick people’s sister’) is now officially called ‘Gesundheits- und Krankenpflegerin’ (‘health and sick people’s carer’), which is even more ludicrous as not only is it awkwardly long but it also unfittingly combines an abstract noun and a concrete noun. Our health insurance companies, however, are still called Krankenkassen (‘sick people’s funds’). Well, we Germans are known for our propensity to go see the doctor and for an obsession with our own ailments.

This talk about the health sector reminds me of a so-called ‘false friend’, a word that seems to be identical in two languages, but isn’t. The German Klinik (or Klinikum) has a distinctly different meaning from the English ‘clinic’. The German word usually refers to a specialised hospital or medical centre or is sometimes simply a synonym of Krankenhaus. The English word, on the other hand, denotes something usually of smaller scale and restricted to outpatient treatment. Depending on the context, it may be translated, among others, as Praxis, Ambulanz or even Sprechstunde, but rarely as Klinik.

Next time you go see your doctor, be a proper German and ask for your Krankenschein, will you? Meanwhile, the Pommes Buddha will be dealing with a different kind of incompatibility.

The Pommes Buddha says: When your Hexenschuss plagues you, sick people’s gymnastics is the way.

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