Tatort: Großbritannien

detective story concept

Krimi-Serien erfreuen sich seit jeher großer Beliebtheit. Das Vereinigte Königreich wartet mit einem breiten Repertoire auf, das einem heterogenen und anspruchsvollen Publikum gerecht zu werden weiß. Neben der mit Liebe zum Detail inszenierten und großartig adaptierten Neuverfilmung der Sherlock-Holmes-Romane („Sherlock“), die seit 2012 über britische Fernsehbildschirme flimmert und längst auch in Deutschland Einzug erhalten hat, lohnt sich ein Blick an die englische Südküste.

Der Blick geht nach Broadchurch in Wessex. Broadchurch? Nie gehört? Na ja, so manchen englischen Ortsnamen hat selbst der Brite nie gehört. Doch bei Broadchurch handelt es sich in der Tat um einen fiktiven Ort. Und „Wessex“ klingt, analog zu „Essex“ und „Sussex“, vollkommen logisch nach einer Region in England – ist es aber nicht. „Erfunden“ hat Wessex der englische Schriftsteller Thomas Hardy. Nun wurde diese Grafschaft für das britische Fernsehen wiederbelebt.

Broadchurch ist der Name einer britischen TV-Serie, deren dritte Staffel derzeit in Arbeit ist. Die Geschichte beginnt wie so mancher klassische Kriminalfall mit einem Mord in einem kleinen Städtchen, in dem jeder jeden kennt und zahlreiche Verdächtigungen hin‑ und hergehen.

Zugegeben, man muss über so manche inhaltliche Schwäche hinwegsehen können – wer’s zu genau nimmt, wird die Stärken des Werks nicht genießen können. Gelingt es einem jedoch, sich auf die Geschichte einzulassen, so wird man mit fesselnder Spannung und fulminanten Twists belohnt.

Auffallend ist bei vielen neueren Serienproduktionen eine ungewöhnlich kreative Kameraarbeit. Allein durch Kameraführung, Detailaufnahmen, Zeitlupen etc. wird eine packende Atmosphäre geschaffen. Die Umgebung verkörpert gewissermaßen eine eigene Figur des Stücks.

Gegenüber dem Medium Spielfilm hat die Serie natürlich den großen Vorteil (der in zeitgenössischen Produktionen seit etwa einem Jahrzehnt als eines der wichtigsten dramaturgischen Mittel tatsächlich genutzt wird), dass die Figuren erheblich komplexer entwickelbar sind. Als legendär zu nennen ist in diesem Zusammenhang die US-amerikanische Serie Breaking Bad – kaum zu übertreffen an dramaturgischer Raffinesse und Figurentiefe. Wie neulich in einem Gespräch mit Familie und Freunden alle, die die Serie gesehen haben, einstimmig feststellten, gibt es, serienhistorisch aber auch schlicht im Rezipientenleben, eine Zeit vor Breaking Bad und eine Zeit nach Breaking Bad.

Ach, es gäbe so viel zu dieser Serie zu sagen. Breaking Bad ist überall. Genau wie die Deutschen. Aber dazu mehr nächste Woche.

Der Pommes-Buddha sagt: Ein Leben ohne Serien ist möglich, aber sinnlos.

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Mogelpackung

Zitronen

Last week, we looked at ‘squeaky bum time’ as a potential candidate for a loan word in German. The beautiful German word ‘Mogelpackung’ would be an excellent choice for a loan word in other languages. What exactly is a Mogelpackung and what does it have to do with citrus fruit?

Recently, I heard a programme on BBC Radio 4 about excessive packaging of ordered goods. One customer complained, for example, that she had been sent one bottle of nail varnish in a box that was big enough to accommodate a large TV set. ‘The Germans,’ said one of the presenting journalists, ‘have invented a nice word for it: Mogelpackung. It means “deceptive packaging.”’

According to the German spelling bible Duden, the word ‘Mogelpackung’ refers to feigning a larger quantity of content than the package actually contains. This is commonly used for product packaging on supermarket shelves. So the term may also refer to hoodwinking customers into paying more for a product.

Along with schummeln, mogeln is a somewhat old-fashioned verb meaning ‘to cheat.’ When we were children, my nan used to warn us against mogeln or schummeln during a nice round of Mensch Ärgere Dich Nicht, the godmother of German board games.

At any rate, Mogelpackung is a wonderful word. You can also use it in a figurative sense, for example if government reforms or bills don’t live up to the electorate’s expectations – or even in personal relationships (‘Der Typ war ‘ne echte Mogelpackung!’).

There is another German expression for the same phenomenon. You can say ‘Außen hui, innen pfui’ – meaning something is ‘wow!’ on the outside and ‘phooey!’ (American English ‘yuck!’) on the inside.

The first English expression that came to my mind in this context was ‘bad apple.’ It equally denotes something that turns out to be lousy without showing any sign of lousiness at first sight. However, ‘bad apple’ contains a rather comprehensive and general devaluation, similar to a schwarzes Schaf (‘black sheep’) in German.

And then there’s the lemon. ‘Lemons’, however, are more specific and often refer to cars with hidden faults.

A search for Mogelpackung on dict.cc yields paraphrases such as ‘bluff package,’ ‘misleading packaging’ or the above-mentioned ‘deceptive packaging.’ But there is no true equivalent in English. So, dear Brits, how about the German Mogelpackung?

To those of you who would like to know more about German loan words in other languages, I recommend the diverting blog From Auspuff to Zeitgeist by my dear colleague Birte Priebe.

Next time, let’s find some good apples for a change.

The Pommes Buddha says: When life deals you lemons, make lemonade.

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Arschquietschzeit

Red stadium seats

Arschquietschzeit

Manchmal entdeckt man in einer fremden Sprache ein Wort, das in der eigenen Sprache fehlt und das genau passend ist, für das, was man ausdrücken will. Geht das auch anderen Sprachnutzern so und bürgert sich dieses Wort dann in der eigenen Sprache ein, so nennt man dies ein „Lehnwort“. Ich möchte an dieser Stelle eine Lanze brechen für die Entlehnung des wunderbaren Ausdrucks squeaky bum time (wörtlich „Arschquietschzeit“). Aber welcher Arsch quietscht da und warum?

Laut der Webseite phrases.org.uk wurde dieser Ausdruck 2003 während der heißen Phase der britischen Premier League von Sir Alex Ferguson, damals Trainer von Man U, geprägt. Die rivalisierenden Fußballclubs Arsenal und Manchester United waren damals beide Kandidaten für den Ligasieg. „Fergie“ kreierte diesen Ausspruch, um die nervenaufreibende Stimmung zu beschreiben, bei der die Zuschauer mit ihren angespannt verschwitzten Hintern auf den Plastiksitzen hin‑ und herrutschen.

Ehrlich gesagt dachte ich bei dem Ausdruck im Zusammenhang mit der Erklärung, es handele sich um die spannende letzte Phase eines Wettkampfs, insbesondere wenn es ein Kopf-an-Kopf-Rennen gibt, zunächst an einen Hintern, der so in die Enge gequetscht ist, dass es beim Furzen quietscht. Nun, wie auch immer – die Worte lassen einprägsame Bilder entstehen. Und sie sind in England wirklich zum geflügelten Wort geworden, das rege Verwendung findet.

Auf Deutsch würde man in so einer Situation sagen „Jetzt geht’s um die Wurst“, „Jetzt gilt’s“ oder „Was für eine Zitterpartie!“. Aber keiner dieser Ausdrücke spiegelt eben genau alle Aspekte der Arschquietschzeit wider, geschweige denn das einprägsame Bild eines nervös schwitzenden Hinterns auf einer Stadionsitzschale.

Im Englischen gibt es allerhand deutsche Lehnwörter wie blitzkrieg, zeitgeist oder Weltschmerz (letzteres seltsamerweise auch im Englischen als einziges großgeschrieben). Man könnte sich jedoch noch so einige andere vorstellen – ohrwurm, hexenschuss, geisterfahrer, heimat, fremdschämen … (Mehr schöne deutsche Wörter findet Ihr übrigens auf http://deutschwortschatz.de/.) Und über eines von ihnen sprechen wir nächste Woche.

Der Pommes-Buddha sagt: So manches Wort passt wie Arsch auf Eimer.

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Gobbledegook

symbolic picture for gobbledygook

Learners of German have quite a cross to bear. Not only are they studying a language with complicated grammar and tons of irregularities and exceptions, but they are also incessantly told so by pitying native speakers of that language. Now here’s something new. Even German has a silver lining! Read on, and I’ll let you in on a big secret.

The secret is: even Germans don’t understand German – because it’s not necessary to understand it. German is all about smoke screens and mirrors. It sounds disarmingly professional and convincing. However, most of the time, people are not entirely sure what they’re talking about.

The best example of this are compound nouns. As Paul Sullivan illustrates in his text How to piss off a German (‘Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz’), these words can get quite long in German.

And legal German is even worse. Let’s take a real-life example. When, during my interpreting work for patent law firms that I frequently do, I first came across the expression ‘immaterialgüterrechtlicher Zweckübertragungsgrundsatz’, I had, quite frankly, no idea what that means, even in my own language. So what did I do? I asked someone who is in the know.

When my more senior colleague Obi Wan explained it to me, I realised that, to translate German into English, you must first dissect and analyse it. In this respect, English is much more precise. In English, this expression reads something like ‘the principle of special-purpose transfer under intellectual property law.’ Suddenly, all references are clear. It’s magic!

By implication, this means, my poor, suffering learners of German, that there’s light at the end of the tunnel. You can translate complex English concepts into German by simply condensing them into the longest-possible compounds. Easy-peasy! ‘Our jam contains large amounts of freshly-picked fruit’ will single-handedly become ‘Wir bieten pflückfrische Vollfruchtmarmelade’ (a tribute to Loriot).

English, however, is often underrated and misunderstood. Especially Germans seem to judge the quality of a German-English translation by the exact number of words that match and think if a text is intellectually comprehensible it does not dignify the Fachlichkeit of the original.

Here lies the major difference between the two cultures: academic or scientific texts in German are expected to impress by their complexity while in English they are supposed to be accessible to as vast a readership as possible. Encryption vs decryption.

For those interested in the dynamics of technical texts in English, I recommend Prof. Dirk Siepmann’s book Wissenschaftliche Texte auf Englisch schreiben (2012, Stuttgart, Klett) for further reading.

Next week, we’ll get squeaky.

The Pommes Buddha says: Your water pipes will love zerstörungsfreie Rohrleckortung.

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