Kneipentour

Glass of dark beer with candle in pub setting

Habt Ihr schon einmal bemerkt, dass, wo immer man sich in der Welt bewegt, Kneipen immer ein scheinbar vom Rest des öffentlichen Lebens getrennt funktionierender Kosmos sind? Auch wenn man durchschaut, wie die meisten anderen Gesellschaftsbereiche eines Landes funktionieren, wird man doch oft von den ungeschriebenen Gesetzen beispielsweise eines Pubs überrascht. Wie bestellt man also ein Bier in England?

Im Vereinigten Königreich gibt es in Kneipen, genannt pubs (kurz für public house), keine Bedienung an den Tischen. Man geht an die Theke und bestellt. Meist gibt es eine Auswahl mehrerer Biere vom Fass (draught / on tap) sowie ein bis zwei Sorten cider (Apfelwein). Manche Biere (oft die sogenannten ales) werden bei Raumtemperatur getrunken. Alles vom Fass gibt es als pint (knapp 500 mL) oder als half (pint). Ein Bier mit Limonade (in Deutschland je nach Region „Radler“ oder „Alster“) heißt shandy. Man bezahlt gleich an der Theke und setzt sich dann an einen freien Tisch.

In Deutschland kann man in der Regel annehmen, dass in allen Gastwirtschaften, also Restaurants und Kneipen, am Tisch bedient wird. Das Angebot der Biersorten unterscheidet sich regional und reicht von Weißbier bzw. Weizenbier über Pils bis hin zu Kölsch (Köln) und Alt (Düsseldorf), wobei jedes Bier in einem anderen Glas und in anderer Menge serviert wird. Das Kölsch wird in sogenannten Stangen (200 mL) ausgeschenkt. In Brauhäusern ist es Usus, dass ein leeres Glas automatisch durch ein volles ersetzt wird. Will man kein weiteres Kölsch, so legt man seinen Bierdeckel auf das Glas.

Im britischen Pub ist es üblich, so man in einer überschaubaren Gruppe unterwegs ist, dass reihum jeweils einer eine Runde holt. Scheint dies logistisch unpraktisch oder zu teuer, weil es zu viele Gruppenmitglieder sind, so wird oft vorgeschlagen: „Shall we go Dutch?“, das heißt, jeder holt und zahlt sein eigenes Getränk.

An Karneval, wenn die Kölner Kneipen so voll sind, dass Tischbedienung nicht mehr möglich ist, wird das englische System übernommen. Man zahlt an der Theke und holt normalerweise gleich eine ganze Runde. Dazu kann man beispielsweise einen Kranz (siehe Kölsch-Knigge auf der Webseite der StäV) oder einen Meter Kölsch bestellen. (Mehr zur kölnischen Kultur auf www.koeln-lese.de.)

Wenn man im Pub Essen bestellt, tut man dies ebenfalls an der Theke, bezahlt es dort und erhält dann meist einen Gegenstand mit einer Nummer darauf. Das Essen wird an den Tisch gebracht, wobei die Bedienung den richtigen Tisch anhand dieser Nummer identifiziert.

Übrigens, ein kleiner Exkurs ans andere Ende der Welt: In Australien steht auf Pubs oft Hotel. Auf Hotels steht aber auch Hotel. Also Vorsicht: Nicht jedes hotel hat auch tatsächlich Zimmer zu vermieten. „Eine Runde spendieren“ oder „einen ausgeben“ heißt im australischen Englisch (und nur dort!) to shout. Man hört dort also oft „My shout!“ oder „Can I shout you a drink?“

Für die Nachlese zur englischen Kultur empfehle ich auch an dieser Stelle gerne wieder Kate Fox’ Buch Watching the English. The Hidden Rules of English Behaviour. (Siehe Links.)

Das war’s mit unserer kleinen Kneipentour (Englisch: pub crawl). Weiter geht es nächste Woche mit Stimmen aus dem Off.

Der Pommes-Buddha sagt: Das letzte Kölsch war schlecht.

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Germans are everywhere

hiking in the mountains

During my time in Australia, some of which I spent travelling around the country, I realised that there’s no escape. I was picturing a secluded part of the world, literally the furthest away from my home country, where I would be left in peace and have a chance to immerse myself into a different culture, completely unfettered by my roots, for a while. But no!

Not only did I not feel secluded at all because, obviously, there was e-mail and Skype – and even people on the telephone in Europe sounded like they were just around the corner. But also, wherever I went, on every last bloody jeep safari into the remotest part of the bush, I would bump into fellow countrymen and women.

Germans do like to travel. The World Tourism Organization UNWTO says that until 2011 Germans were the world champions of travelling, at least based on the money spent in tourism.

Whenever my English husband and I are hiking abroad, he takes mischievous pleasure in a little pastime he calls Spot the German. Having trotted the odd part of the globe, he says you can always recognise Germans by their top-notch, super-organised equipment. And by their Jack Wolfskin coats – which, he assumes, will expand into a fully-equipped tent or ready-to-use canoe at the hassle-free pull of a strap.

I was surprised to hear he’d never heard of Jack Wolfskin before going backpacking. I thought it came from some English-speaking country, but it is actually a German brand.

‘You would never see a German on a hiking trail just wearing a pair of old trainers,’ says Mr K. Yes, we like to be prepared. That makes us feel safe. And when we’re prepared and feel safe, most of us will be in the right mindset to actually let our hair down.

When I went on a trekking tour in Tasmania, I was incredulous at one Irish girl wearing trainers. It did say on the equipment list that rain and mud were to be expected. And this poor girl ended up with very, very, very wet feet, while my feet were nicely dry and snug in my Meindl leather boots. Sometimes it’s nice to be German.

But, oh, what woe if we fall prey to imponderabilities! Imagine … ‘Liebling, I’ve lost my Swiss Army knife. Go, go, you can make it without me!’ – ‘But Schatz, I think we’ll be fine. It’s only the Cologne Zoo cable car.’

Now get your pickaxe, coz next week we’re going on a pub crawl.

The Pommes Buddha says: When in doubt, ask a German. (There’ll probably be one right next to you.)

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Tatort: Großbritannien

detective story concept

Krimi-Serien erfreuen sich seit jeher großer Beliebtheit. Das Vereinigte Königreich wartet mit einem breiten Repertoire auf, das einem heterogenen und anspruchsvollen Publikum gerecht zu werden weiß. Neben der mit Liebe zum Detail inszenierten und großartig adaptierten Neuverfilmung der Sherlock-Holmes-Romane („Sherlock“), die seit 2012 über britische Fernsehbildschirme flimmert und längst auch in Deutschland Einzug erhalten hat, lohnt sich ein Blick an die englische Südküste.

Der Blick geht nach Broadchurch in Wessex. Broadchurch? Nie gehört? Na ja, so manchen englischen Ortsnamen hat selbst der Brite nie gehört. Doch bei Broadchurch handelt es sich in der Tat um einen fiktiven Ort. Und „Wessex“ klingt, analog zu „Essex“ und „Sussex“, vollkommen logisch nach einer Region in England – ist es aber nicht. „Erfunden“ hat Wessex der englische Schriftsteller Thomas Hardy. Nun wurde diese Grafschaft für das britische Fernsehen wiederbelebt.

Broadchurch ist der Name einer britischen TV-Serie, deren dritte Staffel derzeit in Arbeit ist. Die Geschichte beginnt wie so mancher klassische Kriminalfall mit einem Mord in einem kleinen Städtchen, in dem jeder jeden kennt und zahlreiche Verdächtigungen hin‑ und hergehen.

Zugegeben, man muss über so manche inhaltliche Schwäche hinwegsehen können – wer’s zu genau nimmt, wird die Stärken des Werks nicht genießen können. Gelingt es einem jedoch, sich auf die Geschichte einzulassen, so wird man mit fesselnder Spannung und fulminanten Twists belohnt.

Auffallend ist bei vielen neueren Serienproduktionen eine ungewöhnlich kreative Kameraarbeit. Allein durch Kameraführung, Detailaufnahmen, Zeitlupen etc. wird eine packende Atmosphäre geschaffen. Die Umgebung verkörpert gewissermaßen eine eigene Figur des Stücks.

Gegenüber dem Medium Spielfilm hat die Serie natürlich den großen Vorteil (der in zeitgenössischen Produktionen seit etwa einem Jahrzehnt als eines der wichtigsten dramaturgischen Mittel tatsächlich genutzt wird), dass die Figuren erheblich komplexer entwickelbar sind. Als legendär zu nennen ist in diesem Zusammenhang die US-amerikanische Serie Breaking Bad – kaum zu übertreffen an dramaturgischer Raffinesse und Figurentiefe. Wie neulich in einem Gespräch mit Familie und Freunden alle, die die Serie gesehen haben, einstimmig feststellten, gibt es, serienhistorisch aber auch schlicht im Rezipientenleben, eine Zeit vor Breaking Bad und eine Zeit nach Breaking Bad.

Ach, es gäbe so viel zu dieser Serie zu sagen. Breaking Bad ist überall. Genau wie die Deutschen. Aber dazu mehr nächste Woche.

Der Pommes-Buddha sagt: Ein Leben ohne Serien ist möglich, aber sinnlos.

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Mogelpackung

Zitronen

Last week, we looked at ‘squeaky bum time’ as a potential candidate for a loan word in German. The beautiful German word ‘Mogelpackung’ would be an excellent choice for a loan word in other languages. What exactly is a Mogelpackung and what does it have to do with citrus fruit?

Recently, I heard a programme on BBC Radio 4 about excessive packaging of ordered goods. One customer complained, for example, that she had been sent one bottle of nail varnish in a box that was big enough to accommodate a large TV set. ‘The Germans,’ said one of the presenting journalists, ‘have invented a nice word for it: Mogelpackung. It means “deceptive packaging.”’

According to the German spelling bible Duden, the word ‘Mogelpackung’ refers to feigning a larger quantity of content than the package actually contains. This is commonly used for product packaging on supermarket shelves. So the term may also refer to hoodwinking customers into paying more for a product.

Along with schummeln, mogeln is a somewhat old-fashioned verb meaning ‘to cheat.’ When we were children, my nan used to warn us against mogeln or schummeln during a nice round of Mensch Ärgere Dich Nicht, the godmother of German board games.

At any rate, Mogelpackung is a wonderful word. You can also use it in a figurative sense, for example if government reforms or bills don’t live up to the electorate’s expectations – or even in personal relationships (‘Der Typ war ‘ne echte Mogelpackung!’).

There is another German expression for the same phenomenon. You can say ‘Außen hui, innen pfui’ – meaning something is ‘wow!’ on the outside and ‘phooey!’ (American English ‘yuck!’) on the inside.

The first English expression that came to my mind in this context was ‘bad apple.’ It equally denotes something that turns out to be lousy without showing any sign of lousiness at first sight. However, ‘bad apple’ contains a rather comprehensive and general devaluation, similar to a schwarzes Schaf (‘black sheep’) in German.

And then there’s the lemon. ‘Lemons’, however, are more specific and often refer to cars with hidden faults.

A search for Mogelpackung on dict.cc yields paraphrases such as ‘bluff package,’ ‘misleading packaging’ or the above-mentioned ‘deceptive packaging.’ But there is no true equivalent in English. So, dear Brits, how about the German Mogelpackung?

To those of you who would like to know more about German loan words in other languages, I recommend the diverting blog From Auspuff to Zeitgeist by my dear colleague Birte Priebe.

Next time, let’s find some good apples for a change.

The Pommes Buddha says: When life deals you lemons, make lemonade.

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Arschquietschzeit

Red stadium seats

Arschquietschzeit

Manchmal entdeckt man in einer fremden Sprache ein Wort, das in der eigenen Sprache fehlt und das genau passend ist, für das, was man ausdrücken will. Geht das auch anderen Sprachnutzern so und bürgert sich dieses Wort dann in der eigenen Sprache ein, so nennt man dies ein „Lehnwort“. Ich möchte an dieser Stelle eine Lanze brechen für die Entlehnung des wunderbaren Ausdrucks squeaky bum time (wörtlich „Arschquietschzeit“). Aber welcher Arsch quietscht da und warum?

Laut der Webseite phrases.org.uk wurde dieser Ausdruck 2003 während der heißen Phase der britischen Premier League von Sir Alex Ferguson, damals Trainer von Man U, geprägt. Die rivalisierenden Fußballclubs Arsenal und Manchester United waren damals beide Kandidaten für den Ligasieg. „Fergie“ kreierte diesen Ausspruch, um die nervenaufreibende Stimmung zu beschreiben, bei der die Zuschauer mit ihren angespannt verschwitzten Hintern auf den Plastiksitzen hin‑ und herrutschen.

Ehrlich gesagt dachte ich bei dem Ausdruck im Zusammenhang mit der Erklärung, es handele sich um die spannende letzte Phase eines Wettkampfs, insbesondere wenn es ein Kopf-an-Kopf-Rennen gibt, zunächst an einen Hintern, der so in die Enge gequetscht ist, dass es beim Furzen quietscht. Nun, wie auch immer – die Worte lassen einprägsame Bilder entstehen. Und sie sind in England wirklich zum geflügelten Wort geworden, das rege Verwendung findet.

Auf Deutsch würde man in so einer Situation sagen „Jetzt geht’s um die Wurst“, „Jetzt gilt’s“ oder „Was für eine Zitterpartie!“. Aber keiner dieser Ausdrücke spiegelt eben genau alle Aspekte der Arschquietschzeit wider, geschweige denn das einprägsame Bild eines nervös schwitzenden Hinterns auf einer Stadionsitzschale.

Im Englischen gibt es allerhand deutsche Lehnwörter wie blitzkrieg, zeitgeist oder Weltschmerz (letzteres seltsamerweise auch im Englischen als einziges großgeschrieben). Man könnte sich jedoch noch so einige andere vorstellen – ohrwurm, hexenschuss, geisterfahrer, heimat, fremdschämen … (Mehr schöne deutsche Wörter findet Ihr übrigens auf http://deutschwortschatz.de/.) Und über eines von ihnen sprechen wir nächste Woche.

Der Pommes-Buddha sagt: So manches Wort passt wie Arsch auf Eimer.

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Gobbledegook

symbolic picture for gobbledygook

Learners of German have quite a cross to bear. Not only are they studying a language with complicated grammar and tons of irregularities and exceptions, but they are also incessantly told so by pitying native speakers of that language. Now here’s something new. Even German has a silver lining! Read on, and I’ll let you in on a big secret.

The secret is: even Germans don’t understand German – because it’s not necessary to understand it. German is all about smoke screens and mirrors. It sounds disarmingly professional and convincing. However, most of the time, people are not entirely sure what they’re talking about.

The best example of this are compound nouns. As Paul Sullivan illustrates in his text How to piss off a German (‘Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz’), these words can get quite long in German.

And legal German is even worse. Let’s take a real-life example. When, during my interpreting work for patent law firms that I frequently do, I first came across the expression ‘immaterialgüterrechtlicher Zweckübertragungsgrundsatz’, I had, quite frankly, no idea what that means, even in my own language. So what did I do? I asked someone who is in the know.

When my more senior colleague Obi Wan explained it to me, I realised that, to translate German into English, you must first dissect and analyse it. In this respect, English is much more precise. In English, this expression reads something like ‘the principle of special-purpose transfer under intellectual property law.’ Suddenly, all references are clear. It’s magic!

By implication, this means, my poor, suffering learners of German, that there’s light at the end of the tunnel. You can translate complex English concepts into German by simply condensing them into the longest-possible compounds. Easy-peasy! ‘Our jam contains large amounts of freshly-picked fruit’ will single-handedly become ‘Wir bieten pflückfrische Vollfruchtmarmelade’ (a tribute to Loriot).

English, however, is often underrated and misunderstood. Especially Germans seem to judge the quality of a German-English translation by the exact number of words that match and think if a text is intellectually comprehensible it does not dignify the Fachlichkeit of the original.

Here lies the major difference between the two cultures: academic or scientific texts in German are expected to impress by their complexity while in English they are supposed to be accessible to as vast a readership as possible. Encryption vs decryption.

For those interested in the dynamics of technical texts in English, I recommend Prof. Dirk Siepmann’s book Wissenschaftliche Texte auf Englisch schreiben (2012, Stuttgart, Klett) for further reading.

Next week, we’ll get squeaky.

The Pommes Buddha says: Your water pipes will love zerstörungsfreie Rohrleckortung.

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England gegen Deutschland

Travel destination and journey luggage concept, stack of suitcases in colors of national flags of european countries isolated on white background

Neulich fragte mich eine meiner treuen Leserinnen, ob ich eigentlich gerne in England wohnen würde, da ich doch immer nur Gutes über England und Schlechtes über Deutschland schriebe. Hm. Stimmt es wirklich, dass hier einem der beiden Länder Unrecht getan wird? Oder beiden? Was ist besser: England oder Deutschland?

Ohne hier nun eine Punktestatistik der bisherigen Blog-Einträge zu erarbeiten, will ich ihre Bemerkung würdigen und annehmen, dass dieser Eindruck auch bei anderen Leserinnen entstanden sein könnte.

Drei Erklärungen gäbe es vielleicht, sollte doch England oft besser weggekommen sein. Zunächst mein Empfinden, dass wir Deutschen uns nicht gerade durch große Bescheidenheit auszeichnen und wohl kein weiteres Bauchpinseln mehr nötig haben. Hier möchte ich mir jedoch gleich selbst widersprechen und sagen, dass dies eine sehr verallgemeinernde Ansicht ist, die nur aus marginalen Begegnungen im Ausland herrührt und sich eigentlich nicht einmal mit meinen Erfahrungen im persönlichen Umfeld deckt. (Sehr introspektiv, der heutige Text!)

Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass sich unsere nationalen Identitäten (oder zumindest deren kleinster gemeinsamer Nenner) unterscheiden. Als Deutscher ist man es gewohnt, auf der Weltbühne wahrgenommen und respektiert zu werden. Mein Mann hingegen findet, als Engländer fristet man ein Underdog-Dasein. Man kommt von einer kleinen Insel, die niemand richtig ernst nimmt. – Ach, Schnuffi, so ist es gar nicht! Aber offenbar wird es von vielen Briten so empfunden.

Der zweite Grund könnte der Effekt der Kirschen des Nachbarn sein, die immer süßer erscheinen als die eigenen (auf Englisch „The grass is always greener (on the other side of the fence)“). Das, was man hat, schätzt man weniger als das, was Andere haben.

Der dritte Grund ist der, dass es im Kontext eines interkulturellen Blogs naheliegt, mit Klischees zu spielen und diese bisweilen überspitzt darzustellen, da darauf vertraut werden kann, dass die geneigten Leser schon wissen, wie sich das in Wirklichkeit verhält (bzw. hat ja jede ihre eigene Wirklichkeit). (Nein, nicht alle Deutschen sind pünktlich, ernst und größenwahnsinnig.)

In England oder Deutschland leben? Am Schönsten wäre es, wenn beides ginge. Aber am Zweitschönsten ist es, in einem schönen Land zu leben und dieses andere schöne Land so oft wie möglich besuchen zu können. Ein Eintauchen in beide Kulturen – das genieße ich als großes Privileg.

Natürlich wird die existenzielle Frage „England oder Deutschland?“ auf die Spitze getrieben, wann immer sich die beiden Länder in einer wichtigen internationalen Sportveranstaltung begegnen. Mein Mann versucht regelmäßig, unsere Kinder zu indoktrinieren, zu England zu halten. Finde ich okay, weil wir ja dafür immer gewinnen! Hi, hi!

Also: Im Rennen England gegen Deutschland gibt es nur Sieger! Damit ein wundervolles neues Jahr! Und nächste Woche geht’s nach den gesellschaftsphilosophischen Betrachtungen gleich weiter mit sprachphilosophischen.

Der Pommes-Buddha sagt: Dengland ist das schönste Land!

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Schöne Bescherung

Tannenbaum in stimmungsvoller Schneelandschaft

When days grow short and snowflakes fall (not!), many people like to snuggle up in cosy cotton and enjoy a cuppa. Others prefer to explore a different kind of Gemütlichkeit abroad. One of the big German winter tourism attractions are the Christmas markets, the most famous one being the Christkindlesmarkt in Nuremberg. But who or what is Christkindle and how do Germans celebrate Christmas? Let’s take a peek …

Historically, in Germany, 6th December (St Nicholas Day) was the day when Christmas presents were given. This tradition changed in the 16th century when the Protestant movement, turning away from the cult of the saints, focused on the Christkind (literally ‘child of the Christians’, i.e. Jesus) as the bearer of good tidings, and henceforth the Bescherung (handing out of presents) took place on 24th December. (See Wikipedia.)

Yes, we know Jesus was born on 25th December. But if you’ve lived in Germany for a while, you’ll know that Germans like to reinfeiern, meaning to start celebrating the night before an actual event and work up to a midnight climax when ditties are due and gifts are given.

And, as many things in Germany, celebration is serious business. The Bescherung must not take place before 5pm. (My English husband cringes in agony and disbelief at the idea of having to wait the entire day to open presents, especially as a child.) And we dress festively. And we don’t wear silly hats or use other paraphernalia such as Christmas crackers.

Dear Germans, be aware that, in England and many other countries, Christmas presents are given on the morning of the 25th December and unwrapped bum-style, i.e. in pyjamas. Most of these presents, the children are told, are deposited through the chimney by Santa, or Father Christmas.

The little ones traditionally leave a glass of milk and a mince pie on the side for Santa and a carrot for Rudolph (the red-nosed reindeer), as these two appreciate a small break and some refreshments on their tiresome journey. Miraculously, the milk will be drunk and the mince pie and carrot half-eaten in the morning!

These days in Germany, the question of whether presents are brought by Christkind or Weihnachtsmann is largely a matter of personal (or intra-familial) preference. My sister and I waited impatiently outside the living room door until we heard ‘the bell.’ Then my mum would say, Das Christkind war da, and explain that this angel-like creature had just flown back out of the window.

Today, my husband and I find it easier to hop on the Weihnachtsmann bandwagon, as this is also the prevailing notion at nursery school and in our children’s friends’ families.

No matter how you celebrate, dear readers, have a very merry Christmas!

Next week, witness the ultimate end-of-year showdown: England vs. Germany!

The Pommes Buddha says: You’d better watch out! You’d better not cry!

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Pantomime auf Englisch

Weihnachtsfreude

Als ich mein erstes Weihnachten bei meinen Schwiegereltern in Großbritannien feierte, kam in der Planungsphase die Frage auf, ob wir uns ein panto-Theaterstück ansehen wollen. „Was ist panto?“ fragte ich meinen Gatten. Pantomime,“ antwortete dieser. Ah! Pantomime. Das kenne ich. Oder … ?

Für Deutsche bedeutet der Begriff „Pantomime“ so viel wie „stummes Theater“. Die Schauspieler stellen alles ohne Worte dar und kommunizieren ausschließlich durch Mimik und Gestik. Klassisch stellt man sich hierzu eine Figur in schwarzer Kleidung mit weißen Handschuhen und einem weiß geschminkten Gesicht vor.

Wer sich in dieser Erwartung Karten für ein englisches panto-Stück kauft, wird im besten Fall überrascht, im schlechtesten Fall entsetzt sein. In der britischen Weihnachtssaison bezieht sich das Wort pantomime auf das krasse Gegenteil des deutschen Begriffsinhalts: eine zotige, schrille, bunte Inszenierung eines Märchens mit gesprochenem Wort, Gesang und ritualisierter Publikumsbeteiligung.

Es handelt sich um eine sehr britische und dort traditionelle Form des Theaters, die Unterhaltung für die ganze Familie zu bieten beabsichtigt. Über kindliche Sprache und Bühnenbilder hinaus verstecken sich oft auch Anspielungen und Humor, die nur Erwachsenen zugänglich sind.

Zur Tradition gehört es, dass mindestens eine der führenden weiblichen Rollen (meist die einer unsympathischen Figur) von einem Mann gespielt wird. Dies erinnert zwar, wie die audience participation, an die Rocky Horror Picture Show, darf jedoch keinesfalls mit Travestie verwechselt werden. Vielmehr ist dies Ausdruck einer Gesellschaft, die sich selbst gern auf die Schippe nimmt und in der die Rollenklischees nicht nur im Theater weniger starr sind als dies in unserem Land noch der Fall ist. (Wunderbar kompatibel ist diese Haltung übrigens mit dem Kölner Karneval. So feierte mein Ehemann diesen bereits diverse Male als betont schwache Kopie von Königin Elisabeth II. (mit Drei-Tage-Bart).)

Schillernde Kostüme à la Priscilla, Disneyeske Bühnenbilder, Männer in Frauenkleidern, ein kreischendes Publikum. Im Deutschen kommt mir für diese Art der Unterhaltung das schöne Wort „Klamauk“ in den Sinn. Für viele Engländer gehört dieses Theatererlebnis an Weihnachten einfach dazu. Andere rümpfen über diese eher ordinäre Form der darstellenden Kunst die Nase. Fakt ist: Wer Karneval mag, wird panto lieben! Einfach mal den geistigen Anspruch über Bord werfen und von der Stimmung mitreißen lassen. Natürlich gibt’s da von Produktion zu Produktion auch Qualitätsunterschiede. Aber wie Eltern wissen, sinkt die eigene Schmerzgrenze in nachgerade absurde Tiefen im Austausch für ekstatisch funkelnde Kinderaugen.

Nächste Woche gibt’s noch mehr, das Kinderaugen zum funkeln bringt.

Der Pommes-Buddha sagt: He’s behind you!

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Nimble fingers

Zwei Hnde drcken die Daumen

This week’s text is a sequel to my German entry Fingerfertigkeit. Have you ever seen a German shake their fist at someone? No, I don’t mean in the menacing wait-till-I-get-you! kind of way of James Bond villains. I mean in a kind, encouraging manner, smiling and wishing the other person luck. How does the luck get into the fist is what you’re asking? You’ll find out in a minute.

Well, first of all, it’s not a real fist. It’s a fist that as a child in my first ju-jitsu class my teacher told me not to make, i.e. one with the thumb inside all your other fingers. If you punch someone like this, you’ll sprain, if not sever or worse!, your thumb. This type of fist is referred to as Daumen drücken (‘pressing thumbs’) in German. And it’s not a fist for fighting. It’s a fist for wishing.

A Canadian friend, who suggested this gesture as a blog topic, said when she first heard this expression, she was not sure what to imagine. She thought perhaps people pressed their extended thumb against the thumb of their other hand – or someone else’s.

It’s not clear where the thumb-pressing comes from. In one of its episodes, the popular children’s TV show Wissen macht Ah! by regional broadcaster WDR, which explains all kinds of phenomena and is generally a good source of information for learners of German, explains a thing or two about Daumen drücken.

For those Germans who haven’t (Brit slang alert!) cottoned on: Brits, Canadians and Americans (and certainly many others) don’t ever press their thumbs for any reason. When they wish someone luck, they cross their fingers. So when you mean to say ‘Ich drück’ dir die Daumen!’ to native speakers of English, you need to make an entirely different gesture (cross index and middle fingers) and say, ‘Fingers crossed!’

This gesture, which is said to be based on the Christian symbol of the cross, is not unknown to Germans. We use it to secretly break a promise we make (this being a common variety of use in several English-speaking countries as well) or to emphasise that two people are really close or get on very well (‘Die sind so!’).

Wieder was gelernt, as your German friends will say. Or Man lernt nie aus – you live and learn. Well, fingers crossed you’ll know who’s behind you next week!

The Pommes Buddha says: It’s not evil. It’s magic.

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