Sprache nach Maß

Yellow measure tape

Als Deutscher kennt man den Zollstock und weiß, dass es mal das Längenmaß Elle gab. Viel mehr ist jedoch von vormetrischen Zeiten nicht übrig geblieben. Kommt man dem gemeinen Briten oder Amerikaner hingegen mit Metern, so versteht er oft nur Bahnhof. Der Sechzehnmeterraum („Sechzehner“) im Fußball heißt in England „18-yard box“ oder schlicht „the box“. Und was wird in Großbritannien und den USA sonst noch anders gemessen?

In dem Kultfilm Pulp Fiction aus dem Jahr 1994 gibt es einen Dialog zum Quarter Pounder, einen Burger der Fast-Food-Kette McDonald’s (in Deutschland hieß er Hamburger Royal TS). Auf die Frage von Jules (Samuel L. Jackson), warum dieser in Paris anders heiße, erklärt Vincent (John Travolta): „[…] they got the metric system there. They wouldn’t know what the fuck a Quarter-Pounder is.” Die USA sind eines von wenigen Ländern der Welt, die das metrische System noch nicht offiziell eingeführt haben. Doch dies ist nur die Spitze des Eisbergs.

Was der gute Vincent „the little differences“ nennt, begegnet einem nicht nur als Amerikaner in Paris, sondern auch allerorten, wenn man als Kontinentaleuropäerin in Großbritannien Urlaub macht. Zunächst fällt auf, dass die Entfernungen auf Schnellstraßenschildern nicht in Kilometern, sondern in Meilen angegeben werden. Spricht mein Schwiegervater davon, wie weit ein Baum von ihm entfernt steht, so drückt er dies stets in yards oder feet aus. Wie weit fünf Meter sind, kann er sich überhaupt nicht vorstellen.

Der Übergang zum metrischen System (genannt „metrication“) ist im Vereinigten Königreich noch nicht abgeschlossen, da diverse Maßeinheiten auch offiziell noch im alten sogenannten imperial system angegeben werden dürfen. Hierzu gehören auch Raummaße wie das berühmte pint (knapp 500 mL), das im Pub für Bier und Ale sowie Cider als Maßeinheit verwendet wird – und im Lebensmittelladen für Milch. Auf englischen Babyflaschen stehen Angaben sowohl in Milliliter als auch in Unzen, wobei zur allgemeinen Verwirrung US-amerikanische Unzen auch noch leicht von den UK-Unzen abweichen.

Das Gewicht darf in GB offiziell nur noch im metrischen System angegeben werden. Dennoch sieht man auch in Supermärkten noch oft die Abkürzung lb für pounds oder oz für ounces. Das Geburtsgewicht unserer beiden Kinder haben wir in der Geburtsanzeige jeweils auch in Pfund und Unzen angegeben. Und im Vorfeld großer feierlicher Ereignisse hört man so manche Engländerin stöhnen, sie müsse aber bis dahin noch mindestens one stone abnehmen!

Besonders abenteuerlich wird’s bei Kochrezepten. Dort tauchen dann auch noch Maßeinheiten wie cup etc. auf, und auch diese unterscheiden sich erneut von den in den USA verwendeten.

Es gibt also kein Durchkommen im Dschungel der Maßeinheiten. (Oder hat jemand Lust, das hier alles zu lesen und auswendig zu lernen?) Dann doch lieber geniale Parodien von Pulp-Fiction-Szenen auf Kölsch anschauen: https://www.youtube.com/results?search_query=pulp+fiction+op+k%C3%B6lsch (Besonders empfehlenswert: „WAT? NOSSA?!“ – ihr erinnert euch doch an den brasilianischen Hitsong von 2012?)

Und nächste Woche geht’s um eine andere Art von Maß.

Der Pommes-Buddha sagt: Tu‘ uns noch e Pittermännsche!

> Audioversion

Teilen│Share:Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on LinkedInEmail this to someone
  

Rough and ready

Klassische Raufasertapete wei Hintergrund

Thinking back to my blog post of the other day about quintessential Britishness, I wondered what my English husband would consider the most German thing of all German things. And then I remembered his horror when we first set foot into our first joint flat in Germany.

‘What’s that on the walls?’ he exclaimed. ‘Wallpaper,’ I said. ‘Yeah, but it looks so retro. We had that stuff in the ‘70s,’ he continued in disgust. Thus went his first encounter with an inexplicable German phenomenon aka The Obsession with Raufasertapete.

How do I begin? For those of you who are unfamiliar with the product: it’s wallpaper with small wood chips in it, which make it very knobbly. It’s hideous. And it’s everywhere. Even on the ceilings. (At least in rented flats.) It’s the cheapest wallpaper you can get in Germany. But don’t ask me who decided it was the bee’s knees. (It does indeed seem like a mandatory piece of interior design in any German home.)

For those of you who are not British, rented flats and houses in Britain do usually not have wallpaper nowadays. They just have rendered walls with a coat of paint on them. And tenants are often not allowed to change the colour of the walls or put a nail in them or anything.

Germany, on the other hand, is the nirvana of tenants. Tenants can do whatever they please. Well, at least they can paint walls monkey-puke yellow and riddle them with Rawlplugs so long as they put everything back into its original state when they move out, i.e. refill the holes and repaint the walls in a light colour.

So here we were in our first German home, applying roll after roll of masking tape to these wood-chip walls. If you’ve ever done that, you know that, the next day, you can’t feel your fingertips. It’s Braille overkill. Honestly, how is a landlord or lady free to paper walls with something that can do irreversible damage to your digital nerves?

Raufaser stands for many German things. It’s unpretentious, sensible (read: cheap) and practical. German bliss!

Next week, learn about language made to measure.

The Pommes Buddha says: I hate Bauhaus.

> Audioversion

Teilen│Share:Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on LinkedInEmail this to someone
  

Arsch kurz

Acronym Chat Bubble

Die Abk. von Abk. ist Abk. Daher möchte ich euch heute mal in die wunderbare Welt der englischen Abkürzungen entführen. Wie ist es eigentlich richtig: „Mr“ oder „Mr.“? Und was haben ein Hintern und ein männliches Geschlechtsteil im öffentlichen Dienst zu suchen? Come in and find out.

Zunächst etwas zur Semantik der Abkürzungen. Und hier meine ich wirklich Dinger, die jeder Brite und Amerikaner kennt und so gut wie niemals in der Langform verwendet. Als jemand, der Englisch lernt und verstehen möchte, sollte man (mindestens) die unten aufgeführten Abkürzungen beherrschen.

Zu unterscheiden sind Abkürzungen, die als Wort ausgesprochen werden und solche, bei denen man die Buchstaben einzeln ausspricht. Die erste Kategorie umfasst weniger Elemente. Viele von ihnen stammen aus dem Militärjargon. Hier sind beispielhaft zu nennen: AWOL [ˈeɪwɒl] (Absent Without Offical Leave) und snafu (Situation Normal, All Fucked Up), wobei Letzteres in den Oxford Learner‘s Dictionaries online als Substantiv aufgeführt wird. Zudem wird in den USA in der Allgemeinsprache häufig von WASPs (White Anglo-Saxon Protestant; Aussprache identisch mit der des Insekts) gesprochen, wenn man die privilegierte Mittelschicht meint.

Übrigens steht hinter US-amerikanischen Abkürzungen in der Regel ein Punkt („Mr.“, „U.S.A.“), hinter britischen hingegen nicht („Mr“, „USA“).

Die zweite Kategorie umfasst ungleich mehr Abkürzungen, zu denen natürlich ständig neue hinzukommen. Hier eine Auswahl:

Abk. Englische Langform Deutsch
aka also known as alias
asap [im amerikanischen Englisch (AE) als Wort ausgesprochen]

as soon as possible

 

 

baldmöglichst

BO body odour (unangenehmer) Körpergeruch
BS Bullshit Blödsinn, Stuss, Schwachsinn
C of E Church of England anglikanische Kirche
DOA dead on arrival bei Ankunft bereits tot

[bekannt aus dem Titelsong der Serie Friends („Your love life’s D.O.A.“)]

GDP Gross Domestic Product Bruttoinlandsprodukt, BIP
GOP Grand Old Party gemeint ist die US-amerikanische Partei der Republikaner
GP general practitioner Hausarzt, Allgemeinmediziner
MIA missing in action vermisst [Militärjargon]
OAP old-age pensioner Rentner
ob-gyn obstetrician-gynaecologist Frauanarzt
OTT over the top übertrieben, überzogen
POW Prisoner of War Kriegsgefangener
STD sexually transmitted disease Geschlechtskrankheit
TGIF Thank God it’s Friday Gott sei Dank ist Freitag

[Ausspruch der Erleichterung am letzten Arbeitstag der Woche]

TLC tender loving care Streicheleinheiten, Zuwendung

 

Schließlich gibt’s noch ein paar kleine Schmankerl, die zu kennen nicht schadet. Hübsch finde ich SBD (Silent But Deadly) für „Schleicher“, also einen lautlosen Furz, der einen unverhofft ins olfaktorische Jenseits katapultiert.

Großartig ist auch diese Anekdote meiner Schwiegermutter. Während ihrer Zeit als Angestellte bei einer englischen Stadtverwaltung wurde eine interne Umstrukturierung durchgeführt. Ab sofort hatten sich die einzelnen Geschäftsbereiche Business Units (BUs) zu nennen. Natürlich hatten die Geschäftsbereiche auch Führungspersonen. Diese wurden Business Unit Managers genannt, bis jemand darauf kam, dass sie somit BUMs waren („bum“ = „Arsch“, oder auch „Penner“, „Gammler“, „Faulenzer“). Die Umbenennung wurde zügig rückgängig gemacht.

Ähnlich grotesk ist die Tatsache, überliefert durch das ehemalige Parlamentsmitglied Alan Johnson in Folge 7 der neunten Staffel der Comedy-Show Russell Howard’s Good News (ab Minute 19:38), dass Johnsons Ressort unter Tony Blair im Jahr 2005 ursprünglich Department for Productivity, Energy, Industry and Science, kurz: PEnIS, heißen sollte. Dies wurde im letzten Moment rückgängig gemacht.

Wer über eine unbekannte Abkürzung im Englischen stolpert, dem empfehle ich die Webseite www.acronymfinder.com. Dort findet man so gut wie alles. Für die Vulgärsprache sei dem geneigten Leser wie immer das Urban Dictionary ans Herz gelegt.

Und nächste Woche reisen wir in die Welt der deutschen Inneneinrichtung.

Der Pommes-Buddha sagt: RSVP.

> Audioversion

Teilen│Share:Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on LinkedInEmail this to someone
  

German and English

Man holding an adjustable wrench

In warm countries, there’s quite a bit of creeping and crawling an average Central European is unfamiliar with. When I lived in Sydney, Australia, for a year, we had a certain type of small cockroach in the kitchen. When I asked my Australian flatmate what they are and how we can get rid of them, she just said, ‘They’re German cockroaches. You can’t get rid of them.’ (I’ll just leave that uncommented for you to feast on.) What else is ‘German’ in English and vice versa?

Let’s stay in the animal realm and start with a similarity: the German Shepherd is called ‘German’ in German as well. And that’s about it with commonalities.

Diseases are interesting. Our two languages made a trade-off here. In English, the rubella disease is also referred to as German measles. In return, rickets used to be called die englische Krankheit (‘the English disease’) in German. So we’re even in this area.

And then, German gets a bit out of hand. We love the English so much that we make ample use of them in our language. For example, when ordering beef in Germany, if you are asked how you would like it cooked, you have to say ‘Englisch, bitte!’ if your preference is rare. And also other areas show frequent use of englisch.

Sports – In German football (American English: soccer), the englische Woche (‘English week’) means that some matches take place during the week as opposed to being limited to the weekend, as is common in Germany. (However, at Lidl and Aldi, it means offering limited-edition British products such as shortbread and fish & chips.)

Nature – The people of Munich are very proud of their Englischer Garten.

Horseracing – Unsurprisingly, there is a considerable influence from Great Britain in this area. The riding technique of ‘rising’ is called englischer Trab, or Leichttraben, in German.

Bookbinding – apparently, a certain type of cardboard cover with a sleeve is called englische Broschur in German.

And even our toolboxes are full of our favourite islanders: the colloquial word for an adjustable wrench in German is Engländer.

If you think that’s OTT, I’d like to share something very brief with you next week.

The Pommes Buddha says: Hey mate, chuck us the German, will ya?

> Audioversion

Teilen│Share:Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on LinkedInEmail this to someone
  

Rote Sauce

tomato ketchup

Was ist ein „halber Hahn“? Die meisten Deutschen werden hier zunächst an ein halbes Brathähnchen (in Ostdeutschland „Broiler“) denken. Wer jedoch in Köln einen „Halven Hahn“ bestellt, bekommt ein Roggenbrötchen mit einer fingerdicken Scheibe Gouda serviert. Doch nicht nur im Deutschen gibt es Ausdrücke, die nicht das sind, was sie vorgeben.

Die englische Sprache wird oft unterschätzt. Wer sie lernt, macht anfangs oft rasch Fortschritte, da die Grundregeln ihrer Grammatik leicht zu erlernen sind. Hat man jedoch ein gewisses Niveau erreicht, ist das Englische ebenso komplex und facettenreich wie andere Sprachen. Es kann durchaus verwirrend sein – sowohl phonetisch als auch semantisch. Die folgenden Wörter beispielsweise werden im Britischen gleich ausgesprochen: torque und talk, pair und pear, shake und sheikh. Dahingegen werden nachfolgende Wörter je nach Kontext und Bedeutung jeweils unterschiedlich ausgesprochen: read, wound, tear. Und dann gibt es noch die Wörter, meist Eigennamen, die viel zu viele (also stumme) Buchstaben haben: Worcester, Leicester, Warwick.

Für Außenstehende ist es vollkommen unlogisch, dass Privatschulen in England public schools heißen, dass marmalade ausschließlich aus Zitrusfrüchten gemacht werden darf und dass die wichtigsten Spiele des Nationalsports Cricket sich test matches nennen. Manche Engländer sagen dinner und meinen das Mittagessen, manche sagen tea und meinen das Abendessen. Und das, was wir (und die Amerikaner und wahrscheinlich alle anderen Völker der Welt) schlicht „Ketchup“ nennen, betiteln die Briten oft als red sauce oder tomato sauce. Und dann gibt es noch brown sauce, eine würzige Tinktur, die in so gut wie jedem englischen Vorratsschrank zu finden ist – ähnlich beliebt wie Maggi im deutschen Durchschnittshaushalt. Überhaupt ist alles Mögliche sauce, was in anderen Sprachen niemals so genannt würde. Außer Bratensauce, die heißt gravy.

Als wir vor einiger Zeit mit unserer englischen Familie im Urlaub waren, fragte Auntie Sylvie meine dreijährige Tochter, auf die Ketchup-Flasche zeigend, wie red sauce auf Deutsch heiße. Das Kind sah sie völlig ungläubig an. Man konnte ihm beim Denken zusehen: „Ist das eine Fangfrage oder bist du wirklich so doof, dass du das nicht weißt?“ Es entschied sich für letztere Variante und sagte mit bevormundender Fassungslosigkeit: „Ketchup!“ Tante Sylvie und alle Anderen, die ein elaboriertes deutsches Wort erwartet hatten, schüttelten sich vor Lachen.

Wusstet ihr übrigens, dass die englische Sprache mehr als eine Million Wörter hat?

Natürlich hat das Deutsche auch sehr, sehr viele Wörter. Und was die Deutschen „englisch“ nennen und umgekehrt, erfahrt ihr nächste Woche!

Der Pommes-Buddha sagt: Would you like some black pudding for dessert?

> Audioversion

Teilen│Share:Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on LinkedInEmail this to someone
  

Big business

2015-KW34 Loo

Last week, we visited the bathroom. It’s only a small step further to a facility that lends itself to extensive cultural studies. In many Asian countries, the sounds produced by a person using a WC are considered very private and shouldn’t be witnessed by other people under any circumstances. Therefore, lavatories are often equipped with sound machines imitating the flush to mask any possibly embarrassing noise (replacing the use of the actual flush, which had led to an exorbitant waste of water). So what about Germany? Here’s a bit of German loo etiquette.

As many of you globetrotters will know (for one will reliably bump into a German in even the remotest corner of this earth), Germans are embarrassed by hardly anything. While individuals from other cultural backgrounds go to great length to conceal or play down whatever they create – in every sense of the word – Germans are proud and boastful with regard to both national and personal output. The Swiss don’t call us Kannich (‘I can do it!’) for nothing! As you’ve learned, we show every last wrinkle of our bodies to total strangers at sauna spas. And that’s only the beginning. (Attention! German explicitness alert!)

When poor, unsuspecting Mr K, paper in hand and anticipating some pleasant reading time, first used a proper German toilet (they are a dying species now but can still be found) for Number Two (or ‘big business’ [‘das große Geschäft’] in German), he found himself propelled into a chemical warfare scenario. The paper was misappropriated for hectic fanning. ‘Proper’ German toilets, you see, have a sort of open-air ledge where all your hard day’s work will sit patiently for inspection and approval by the rightful owner (or whatever other suitable purpose one can think up). The fact that, at this point, there is no water to absorb any untoward odours, catches many a guileless foreigner by ugly surprise. Or, to be more graphic, let’s just say, you had no idea what yours really smells like … (Though my husband says the worst is the burning sensation in your eyes.)

Of course, one needs mind-blowing water power to persuade the purposefully-perched bundle of processed food to so much as consider moving in the rough direction of the sewer. Be warned: the flush is deafening!

Ironically, we dub the toilet ‘the silent place’ (‘das stille Örtchen’). If you think that’s weird, read next week how screwed up some English names for things can be!

The Pommes Buddha says: My own smells alright …

> Audioversion

Teilen│Share:Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on LinkedInEmail this to someone
  

Erlebnis Bad

2015-KW33 Erlebnis Bad

Wenn man in einem fremden Land ein Badezimmer betritt, ist immer irgendetwas anders. In Italien beispielsweise muss man erst einmal herausfinden, dass der Buchstabe „C“ oder das Wort „caldo“ auf dem Wasserhahn nicht für „kalt“, sondern für „heiß“ steht. Gut – Ausschlussprinzip. Nicht so kompliziert. In England jedoch erwartet einen im häuslichen Badbereich eine ganz eigene Welt …

Meine erste bewusste Begegnung mit einem englischen Bad war im Jahr 2000, als ich, wie das in London so üblich ist, in einer WG („shared flat“) wohnte. „Und was mag das für ein Zimmer sein?“ dachte ich bei mir, der Auslegeware durch eine Tür folgend, bis ich plötzlich vor einer Badewanne stand. Teppich im Bad??? Meine Mutter hätte seinerzeit hyperventiliert ob der Aussicht, uns als Kinder in einem solchen Raum mit dem recht formfreudigen Element Wasser uns selbst zu überlassen.

Für großen intrafamiliären Diskussionsstoff sorgt im Hause King die Tatsache, dass deutsche Badezimmer in den Augen meines englischen Ehemannes Todesfallen sind, kann man dort doch tatsächlich in unmittelbarer Wassernähe elektrische Geräte in Wandsteckdosen stecken! Ich erzähle ihm dann immer eine Anekdote aus Zeiten vor dem FI-Schalter, der zufolge ein Bekannter eines Bekannten behauptete, einen Fernseher auf dem Badewannenrand so positioniert zu haben, dass dieser, sollte er je ins Wasser fallen, dabei seinen eigenen Stecker ziehen würde. Unser Disput darüber, ob nun aufgrund der hiesigen Badbeschaffenheit mehr Deutsche als Briten den Stromtod sterben, konnte bisher trotz Zuhilfenahme der folgenden Statistiken nicht geklärt werden (also: Nein!). [Englische Statistik 2012 / Deutsche Statistik 2012]

Zuletzt noch eine Warnung an den arglosen deutschen Nasszellenbenutzer: Viele Duschen im Vereinigten Königreich haben einen integrierten Durchlauferhitzer mit drei Wasserdruckstufen („Low“, „High“ und „Very High“). Drückt man wagemutig auf den letzteren Knopf, so halte man sich mit beiden Händen gut an der Duschkabine fest und lehne sich mit all seinem Körpergewicht dem Duschkopf entgegen. Mit ungeahnter Schnelligkeit und Heftigkeit wird einem ein niagarafallartiger Wasserschwall ins überraschte Gesicht geschleudert, dass es nur so prasselt!

Also, Ihr Deutschen in UK, immer schön im Neoprenanzug duschen, damit die Haut nicht aufreißt. Für Briten in Germania indes empfiehlt es sich für ein erhöhtes Heimatgefühl immer ein Stück hochflorigen Bodenbelag mit sich zu führen. Und für deutsche Toiletten gibt’s eine separate Anleitung – nächste Woche!

Der Pommes-Buddha sagt: Im Bad geföhnt ist halb gewonnen.

> Audioversion

Teilen│Share:Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on LinkedInEmail this to someone
  

The land of tailor-made terms

Car Air Freshener

One of the many reasons I love the English language is that it allows for almost unlimited interchangeable usage of word classes. You can turn a noun into a verb (‘to pool’) and vice versa (‘mix-up’) – and even combine the two! (While this is grammatically true for my native language, German is far less tolerant of neologisms.) Here are some examples of inspiring English ‘noun-adjectives’ …

noseblind – It may be a marketing stunt by a famous ‘home care’ giant, but it aptly describes what happens when your sense of smell gets used to a particular odour. How else can people stand working at Lush??? Some people are obviously noseblind with regard to their own BO or the perfume they use (in chemical-warfare-related quantities). And according to the group’s website, their products are ‘consumer-preferred.’

gun-shy – The one and only time I heard this expression was to describe a dog’s unsuitability for hunting. Apparently, it can also be used figuratively in the sense of ‘suspicious’.

streetwise – My husband is a moderate man. He doesn’t despise many things apart from Margaret Thatcher and The Pet Shop Boys. But when it comes to potentially dangerous situations, he can be outright anal (to use one of my favourite colloquialisms). For example, he says one should never go and see a flat offered on the property market on one’s own. It may be a set-up and one may end up being mugged or worse! And he always tells me to hide my purse when builders come. He calls it streetwise, I call it nuts. He calls it growing up in South-East London, I call it drinking from the paranoia cup. (My husband insists that the only reason I’m so unreasonable is that I’ve clearly never lived in South-East London.)

And finally, a known ice-cream brand used the borderline-wank-word expression ‘gelateria-inspired’ in a TV commercial – whatever that may mean. (Is it ice-cream that’s prepared in the same way as ice-cream?) It seems that advertising is a field with a particular propensity for such compounds. At least, the word inspires the creation of more such terms (‘a Portaloo®-evoking interior design’, ‘an OAP-riddled pub’, ‘a tosser-informed decision’ … the sky’s the limit!).

Next week, let’s take a closer look at Britain-inspired houses, and one room in particular …

The Pommes Buddha says: Beware of nerd-induced ear bleeding!

> Audioversion

Teilen│Share:Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on LinkedInEmail this to someone
  

Verkehrserziehung auf Englisch

Destination Milton Keynes!

Die Deutschen lieben ihre Autobahn. Viele Ausländer jedoch schütteln ungläubig den Kopf über die fehlende Geschwindigkeitsbeschränkung und empfinden den vorherrschenden Fahrstil als rücksichtslos. Angenehmer fährt es sich da auf der Insel …

Dort, wie auch in den USA, wird weniger gedrängelt und weniger aggressiv gefahren. Zudem ist die Beschilderung an Schnellstraßen orientierungsfreundlicher, da oft die Himmelsrichtung mit angegeben wird. „The North“ oder „The South“ steht da. Das erinnert mich an DDR-Zeiten, als wir regelmäßig Pakete „inne Zone“ („Den Osten“) schickten, wie meine aus Brandenburg stammende Großmutter zu sagen pflegte.

Dennoch gilt es im englischen Straßenverkehr einige Dinge zu beachten. Insbesondere das Fahren im – in Großbritannien recht häufig vorkommenden – Kreisverkehr kann eine Herausforderung darstellen. Dabei braucht man sich eigentlich nur wenige Regeln zu merken.

Crashkurs für den britischen Verteiler
1. Da Linksverkehr herrscht, fährt man im Uhrzeigersinn in den Kreisel ein.
2. Die Fahrzeuge im Kreisverkehr haben immer Vorfahrt. (Das ist in Deutschland eigentlich nicht so, da es aber fast jeder intuitiv so empfindet, sind die meisten Verteiler mit entsprechenden Verkehrszeichen bestückt.)
3. Wer in den Kreisverkehr einfährt, muss seine letztendliche Fahrtrichtung genau so anzeigen, als stünde er an einer Kreuzung. Das heißt, man blinkt rechts (auch wenn man zunächst natürlich leicht links fährt), wenn man von Süden kommend nach Osten fährt. Der Blinker sollte bis kurz vor der Ausfahrt rechts blinken und dann kurz links, um das Verlassen des Kreisels anzuzeigen.
4. Je nach letztendlicher Richtung ordnet man sich in die Fahrspur ein. Bei zwei Fahrspuren ordnen sich Linksabbieger in die linke, Rechtsabbieger in die rechte Spur ein. Geradeausfahrer können in der Regel beide Spuren verwenden. Bei drei Fahrspuren ist meist die mittlere Spur für die Geradeausfahrer reserviert. Bei mehr Spuren ist die Richtung meist auf der Fahrspur angezeigt.

Wenn man das System einmal verstanden hat, ist es recht eingängig und einer entspannten Fahrt steht nichts mehr im Wege.

Lokal kann der Verkehr allerdings auch in England eine ziemliche Nervenprobe darstellen. Noch um einiges anstrengender als in Köln ist auch das Fahren im Londoner Stadtgebiet ein Alptraum. Daher hat die Stadtverwaltung in Kooperation mit London Transport derzeit unter #ShareTheRoad Fernsehwerbung für ein rücksichtsvolleres Verhalten aller Verkehrsteilnehmer geschaltet. Wie man in deutschen Stadtgebieten die Umweltplakette benötigt, so muss man auch in London eine Congestion Charge zahlen.

Und hier noch ein kleines Glossar zur Erklärung englischer Straßenschilder. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die deutschen Übersetzungen sind eher als Erläuterung denn als akkurate Entsprechung aufzufassen.

abnormal load Schwertransport
congestion Stau
construction traffic only Baufahrzeuge frei
diverted traffic Umleitung
hard shoulder Seitenstreifen
keep apart 2 chevrons 2 Zeichen Abstand halten
keep your distance Abstand halten!
lay-by Haltebucht
merge in turn Reissverschlussverfahren
queues likely Staugefahr
road liable to flooding Überflutungsgefahr
roundabout Kreisverkehr, Verteiler
slip road Autobahnauffahrt, Autobahnausfahrt, Autobahnzubringer
works access Baustelleneinfahrt
works exit Baustellenausfahrt
works traffic, site traffic, construction traffic Achtung Baustellenverkehr!

Dass es einem auch bei manchen Wortschöpfungen schwindelig werden kann, erfahrt Ihr nächste Woche.

Der Pommes-Buddha sagt: Gute Fahrt, Mr Krabs!

> Audioversion

Teilen│Share:Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on LinkedInEmail this to someone
  

The foodie trap

risotto with wild mushrooms

As you may have guessed, the realm of culinary delight is an area I am fond to delve into. But like in any other field, there are countless ‘unknowns.’ As an interpreter, one often has to translate restaurant menus ‒ a bloody minefield! I can’t tell sole from plaice even in my native language to start with. Here are some other examples of food-related pitfalls.

A good 20 years ago, my family and I visited the Channel island of Jersey. At a restaurant there, my dad was asked how he’d like his meat. He hesitated. He likes his meat rare, which, in German, is called ‘englisch’. He was quick-witted enough to know it can’t be ‘English’ in English. So he laughed apologetically and simply said, ‘Bloody!’ The waiter understood, laughed, and explained politely for future use that the correct term would be ‘rare’. (Funnily enough, when my English husband was recently asked, in England, how he’d like his steak, he said ‘English, please!’ without hesitation – yet another token of successful Germanisation.)

A couple of years ago, a kind of mushroom caused quite a stir. We were at a chamber music festival with some family and friends. During the interval, we wanted to pre-order food at a local restaurant. I translated the menu for my husband, just to realise that I had no clue what Steinpilze are in English. So we all offered expansive explanations … It’s a type of mushroom … In German, we say ‘stone mushrooms’ … (blank face) ‘rock mushrooms?’ … (blank face) They are big long mushrooms with a white stem and a brown top … (blank face) … They are used a lot in Italian cuisine … (blank face) … In Italian they are called ‘porcini’. ‘Ah,’ exclaimed Mr K, ‘porcini mushrooms!’ Sometimes the answer is staring you right in the face …

Another bottomless pit are the often adventurous translations of menus at holiday destinations. Entire books have been written about this. I remember Axel Hacke’s favourite example of ‘Zwiebel ruft an’ for ‘onion rings’ (a literal translation in the sense of an onion using the telephone). But even renowned hotels like The Kempinski in Berlin do not seem to attach too much importance to a proper version of their food offerings for English-speaking guests (see photo below, from a lunch during an interpreting job).

Speisekarte-Kempinski-Hotel-Berlin

Next week, let’s move from pitfalls to potholes.

The Pommes-Buddha says: Would you like an Asiatic dough sack with that?

> Audioversion

Teilen│Share:Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on LinkedInEmail this to someone