Der Ball ist rund

Sport balls

Alle Jahre wieder, im Januar, öffnet sich das Transferfenster. Eine passende Gelegenheit, sich das Thema des deutschen wie englischen Nationalsports einmal genauer anzusehen …

Mit der Frage konfrontiert, was er denn an England am meisten vermisse, pflegt mein Ehemann zu antworten: Match of the Day. Dort ist dies die wichtigste Fußball-Fernsehsendung am Samstagabend, in der, nunmehr seit gut 50 Jahren, alle Spiele der Premier League zusammengefasst und von Experten recht kurzweilig kommentiert werden. Vergleichbar wäre in Deutschland vielleicht Das aktuelle Sportstudio, plus andere Sportarten und minus die Kurzweile.

Hüben wie drüben ist Fußball Nationalsport und vieldiskutiert. Es gibt unzählige eingefleischte Fans und die meisten Einwohner beider Länder wachsen mit „ihrem Verein“ auf. Ich erinnere mich lebhaft an einen Besuch bei Freunden in Newcastle: Er ein hartgesottener NUFC-Fan, für den das Nirvana der Gästeunterhaltung darin bestand, gemeinsam The 283 Goals of Alan Shearer anzusehen – und er konnte zu jedem Tor genau die Umstände berichten. Sein schier unzügelbarer Enthusiasmus war anrührend, muss jedoch auch hierzulande, davon bin ich überzeugt, seinesgleichen nicht lange suchen.

„Fußball“ heißt übrigens auf Britisch „football“. In den USA und Australien, die jeweils eine dort viel bekanntere nationale Variante desselben betreiben (American bzw. Australian football [downunder auch Aussie (rules) football oder schlicht footie genannt]), nennt man den Sport mit dem runden Leder zur Unterscheidung „soccer“. Im US-amerikanischen Englisch gibt es außerdem noch das Wort „foosball“, das sich auf das Spiel bezieht, das wir „Kicker“ oder „Tischfußball“ nennen.

Und, liebe EngländerInnen, in Deutschland heißt es „englische Woche“, wenn Bundesliga‑ und andere Spiele ausnahmsweise einmal unter der Woche stattfinden – was bei Euch ja üblich ist. (An dieser Stelle empfehle ich wärmstens das Wikipedia-Glossar der Fußballbegriffe, auch in einer englischen Version verfügbar.) Fragt sich im Umkehrschluss, ob die jüngste Entscheidung, in der Premier League den Freitagabend als regulären Spieltermin einzuführen, dann wohl als German week bezeichnet werden wird?

Diese kleine Exkursion möchte ich gerne mit der Warnung eines Bekannten einer Freundin zu einer Frage der Elternschaft schließen, die die Themen der vergangenen und laufenden Woche durch eine wunderbare Metapher miteinander verbindet: „Du musst dir immer klar sein: Mit dem dritten Kind wechselst du von Manndeckung auf Raumdeckung.“

Nächste Woche bleiben wir im Spielfluss und folgen einem großen Gewässer.

Der Pommes-Buddha sagt: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.

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