Arschquietschzeit

Red stadium seats

Arschquietschzeit

Manchmal entdeckt man in einer fremden Sprache ein Wort, das in der eigenen Sprache fehlt und das genau passend ist, für das, was man ausdrücken will. Geht das auch anderen Sprachnutzern so und bürgert sich dieses Wort dann in der eigenen Sprache ein, so nennt man dies ein „Lehnwort“. Ich möchte an dieser Stelle eine Lanze brechen für die Entlehnung des wunderbaren Ausdrucks squeaky bum time (wörtlich „Arschquietschzeit“). Aber welcher Arsch quietscht da und warum?

Laut der Webseite phrases.org.uk wurde dieser Ausdruck 2003 während der heißen Phase der britischen Premier League von Sir Alex Ferguson, damals Trainer von Man U, geprägt. Die rivalisierenden Fußballclubs Arsenal und Manchester United waren damals beide Kandidaten für den Ligasieg. „Fergie“ kreierte diesen Ausspruch, um die nervenaufreibende Stimmung zu beschreiben, bei der die Zuschauer mit ihren angespannt verschwitzten Hintern auf den Plastiksitzen hin‑ und herrutschen.

Ehrlich gesagt dachte ich bei dem Ausdruck im Zusammenhang mit der Erklärung, es handele sich um die spannende letzte Phase eines Wettkampfs, insbesondere wenn es ein Kopf-an-Kopf-Rennen gibt, zunächst an einen Hintern, der so in die Enge gequetscht ist, dass es beim Furzen quietscht. Nun, wie auch immer – die Worte lassen einprägsame Bilder entstehen. Und sie sind in England wirklich zum geflügelten Wort geworden, das rege Verwendung findet.

Auf Deutsch würde man in so einer Situation sagen „Jetzt geht’s um die Wurst“, „Jetzt gilt’s“ oder „Was für eine Zitterpartie!“. Aber keiner dieser Ausdrücke spiegelt eben genau alle Aspekte der Arschquietschzeit wider, geschweige denn das einprägsame Bild eines nervös schwitzenden Hinterns auf einer Stadionsitzschale.

Im Englischen gibt es allerhand deutsche Lehnwörter wie blitzkrieg, zeitgeist oder Weltschmerz (letzteres seltsamerweise auch im Englischen als einziges großgeschrieben). Man könnte sich jedoch noch so einige andere vorstellen – ohrwurm, hexenschuss, geisterfahrer, heimat, fremdschämen … (Mehr schöne deutsche Wörter findet Ihr übrigens auf http://deutschwortschatz.de/.) Und über eines von ihnen sprechen wir nächste Woche.

Der Pommes-Buddha sagt: So manches Wort passt wie Arsch auf Eimer.

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Der Preis ist heiß

Football ticket card modern design. Vector illustration

Der deutsche Fußball ist in letzter Zeit in aller Munde. Die Nationalelf wurde jüngst Weltmeister, Bayern München startet wieder einmal durch, und nun, neuerdings, bröckelt die Fassade des unantastbaren Kaiser Franz. Während andere über Skandale und schockierende Ereignisse hinter den Kulissen berichten, wollen wir uns an der Basis die angenehmen Seiten des Daseins als Fußballfan in Deutschland anschauen.

Als Bayern München neulich in der Gruppenrunde der Champions League auswärts gegen Arsenal spielte (übrigens heißt es nicht, wie die deutsche Berichterstattung nicht müde wird zu titulieren, Arsenal London), machten die Proteste der Münchener Fans über Ticketpreise in England Schlagzeilen. Die BBC Sport-Webseite berichtet, dass Arsenal mit einem Dauerkartenpreis von 2.013 £ (ca. 2.875 €) der teuerste Club der Premier League sei. Das günstigste Dauerticket liege bei 1.014 £ (ca. 1448 €). (Bei Bayern kostet das teuerste bzw. günstigste Jahresticket laut Webseite 750 € bzw. 140 €.)

Seit Jahren diskutiert man auf der Insel hitzig darüber, dass der Sport sich weg von einem Breitensport und hin zu einem Elite-Ereignis entwickelt, bei dem nicht eingefleischte Fans, sondern desinteressierte Geschäftsleute das Publikum geben. Selbst die günstigsten Einzeltickets für ein weniger prestigeträchtiges Spiel liegen so hoch, dass sie sich der kleine Mann und die kleine Frau kaum noch leisten können (siehe auch: http://www.bbc.com/sport/0/football/29614980). Dies mag auch mit daran liegen, dass es seit Hillsborough in UK keine Stehplätze mehr gibt. Hier stellt sich jedoch die Frage, ob es an der Zeit wäre, Fußballtickets öffentlich zu subventionieren. (Wer hierbei nicht sofort an Humphreys gerümpfte Nase denkt, dem empfehle ich grundsätzlich die geniale britische Politsatire-Serie Yes, Prime Minister und insbesondere Folge 6 der zweiten Staffel, The Patron of the Arts.) Für die weitere Lektüre zum Thema schreibt der Guardian Filching from the fans.

Beim 1. FC Köln liegen Ticketpreise übrigens bei 785 €/115 €. Mr K, dessen Herz in seinem englischen Leben für West Ham United schlägt, hat sich mittlerweile und mit großem Vergnügen zu einem Vollblut-FC-Fan gemausert.

Bei einem Stadionbesuch in Deutschland fällt dem geneigten Engländer sofort auf, dass das Bild auf den Zuschauertribünen, wenn nicht geprägt, so aber deutlich durchzogen ist von Frauen und Kindern. Oft gibt es sogar designierte Familienbereiche. Mein englischer Ehemann bezeichnet Deutschland daher gerne als family football-friendly nation. Es gibt bezahlbare Tickets, Stehplätze und man darf im Stadion Bier trinken. Das Paradies auf Erden für jeden englischen Fußballfan!

Und zum Schluss noch ein Tipp für die coolste Fußballsendung, die das deutsche Fernsehen zu bieten hat: Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs. Unbedingt gucken (auch für Nichtfußballfans)!

Nächste Woche geht’s um ein Paradies für Deutsche.

Der Pommes-Buddha sagt: Im Stadion sind alle Fans gleich, doch manche sind gleicher als andere.

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