Die ewige Einkaufsliste

Shopping List

Wer schon einmal längere Zeit im Ausland war, wird das kennen: Man vermisst ganz einfache Produkte wie Laugenbretzeln oder Milka-Schokolade. Hat man dann jedoch das dortige Sortiment erkundet und seine Lieblinge gefunden, wird es einem nach der Rückreise ebenso gehen. Für mich sind das zum Beispiel die amerikanischen chocolate chip cookies von Mrs. Fields (alle hier verfügbaren Kekse dieser Art sind mir zu hart). Wenn unsere Familie nach England fährt, steht deshalb ein Besuch bei Waitrose, Sainsbury’s oder Marks & Spencer (ja, dort gibt es auch Lebensmittel) immer auf dem Programm. Und was kaufen wir dort ein?

Unsere ewige Einkaufsliste enthält:

  • tea bags (Alle Teetrinker, die ich kenne, bestätigen: In England ist die Qualität des portionierten Tees unschlagbar.)
  • black bean sauce (Schwarzbohnensauce – eine wichtige Zutat für viele asiatische Rezepte)
  • creamed coconut (wichtige Zutat für beef madras – hier auch zu bekommen, jedoch teurer als in UK)
  • baked beans (auch hier erhältlich, aber nicht die der bevorzugten Marke Branston)
  • malt vinegar (ein Muss auf Pommes bzw. chips)
  • kaffir lime leaves (Kaffirlimonenblätter – hier nicht überall erhältlich)
  • crumpets (kleine Teigküchlein, die man zum Frühstück toastet und mit Butter und/oder Marmelade bestreicht)

Am liebsten würden wir auch die unersetzbare, frische clotted cream mitbringen – aber die muss durchgehend gekühlt werden. Grußkarten und Kleidung sind in Großbritannien ebenfalls viel schöner und oft günstiger als hier.

Doch was, wenn man keine Bezugsquelle in Großbritannien hat? Dann wird’s zwar etwas teurer, aber es gibt keinen Grund zur Verzweiflung: Rettung naht in Form des English Shop in Köln, auf dessen Webseite man – übrigens auch amerikanische Artikel – online bestellen kann! Dort gibt es zumindest eine haltbare Version der für den cream tea obligatorischen clotted cream. Wie der Quark ist dieser Streichrahm ein Milchprodukt, das es in dieser Form woanders nicht gibt. In Ermangelung des Originals kann man die leckeren scones im größten Notfall auch mit Crème double bestreichen. Die kommt der clotted cream am nächsten – wenn sie auch kein würdiger Ersatz ist.

Für Kleidung und Schreibwaren eignet sich Marks & Spencer. Dieses Unternehmen hat mittlerweile sogar eine deutsche Webseite.

Ohne Kleidung kommt man in Deutschland jedoch auch zurecht. Mehr dazu nächste Woche …

Der Pommes-Buddha sagt: Shopping is always nicer on the other side (of the Channel Tunnel).

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Sahnestückchen zum Tee

English Scones, Devonshire style

Welcher Deutsche kennt sie nicht, die schön gedeckte Kaffeetafel mit Kaffeeservice, Kaffekanne auf dem Warmhalte-Stövchen, Kuchen, geschlagener Sahne, Tortenheber und Kuchengabeln. Traditionell bewirtet man so Nachmittags- oder Geburtstagsgäste. Dieses gemütliche Gesamterlebnis wird mit dem stehenden Ausdruck „Kaffee und Kuchen“ bezeichnet. Doch was erwartet einen im Vereinigten Königreich bei einer nachmittäglichen Zusammenkunft?

Nun, eine der beliebtesten Varianten der Teetradition ist der sogenannte cream tea. Hiermit ist nicht nur das Heißgetränk gemeint, das man übrigens in England ausschließlich mit Milch oder Sahne und niemals pur genießt, sondern ein köstlicher Nachmittagsschmaus, in tea rooms gerne auf der möglichst kitschigen Etagere serviert. Neben dem Tee, der in Kürze in einem eigenen Blog-Beitrag behandelt werden wird, kann man sich hier an liebevoll präsentierten scones mit clotted cream und Erdbeermarmelade laben.

Jede dieser Komponenten bedarf eines separaten Kommentars.
1. scone: ein süßes Brötchen mit oder ohne Rosinen; über die korrekte Aussprache des Wortes ist die Nation seit jeher gespalten (je nach geografischer Herkunft und/oder gesellschaftlicher Position [skəʊn] oder [skɒn]); das Brötchen wird aufgeschnitten und mit 2. und 3. bestrichen
2. clotted cream: Streichrahm aus Cornwall oder Devon; besitzt eine frischkäseähnliche Textur und einen Geschmack, der zwischen Butter und Sahne rangiert; wie bei der Aussprache von „scone“ scheiden sich auch hier die Geister, ob man nun zuerst die clotted cream oder zuerst die strawberry jam aufträgt (Egal! Jede der Varianten schmeckt bombastisch!!!)
3. Erdbeermarmelade: Achtung, falscher Freund! Die englische marmalade bezeichnet ausschließlich die recht bittere Orangenmarmelade. Alle anderen Marmeladen heißen jam.

Allgemein spricht man auch vom afternoon tea, bei dem zudem noch kleine Sandwiches gereicht werden. Der high tea, oft auch einfach nur „tea“, hingegen, bezeichnet eine vollwertige Mahlzeit am Abend. Auch heute noch heißt „Abendessen“, insbesondere im Norden von England und in Schottland nicht „dinner“ (oder auf Hochnäsig „supper“), sondern „tea“. „What’s for tea?“ heißt also nicht „Was gibt es zum Tee?“, sondern „Was gibt es zum Abendessen?“ Dann ergibt der Satz „Your tea is in the oven“, der einst in einer deutsch synchronisierten Fassung einer englischen TV-Serie irrtümlich mit „Dein Tee ist im Ofen“ übersetzt wurde, auch Sinn.

Und hier wie immer ein schönes Rezept.

Natürlich gibt’s auf der Insel auch Kuchen, jedoch üblicherweise zum Dessert. Und Kuchengabeln sucht man in der Besteckschublade vergeblich. Kuchen wird mit den normalen großen Gabeln bzw. in gut ausgestatteten Haushalten mit etwas kleineren Dessertgabeln gegessen.

Mehr zum englischen Tee in zwei Wochen. Nächste Woche wird’s erst einmal saisonal brutzelig.

Der Pommes-Buddha sagt: Ob [skəʊn] oder [skɒn], let’s cream tea on!

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