Hörnchenfieber

European red squirrel with hazelnut, clean green background, Czech republic, Europe

In meinem Auslandssemester in London traf ich im Hyde Park zum ersten Mal auf in meinen Augen riesige graue Eichhörnchen. Wir hielten diese damals für Ausnahmeerscheinungen. Erst als mein englischer Ehemann in Deutschland zum ersten Mal ein (rotes) Eichhörnchen sah und gleich das Statistische Tieramt, oder was immer das deutsche Äquivalent des JNCC ist, benachrichtigen wollte, wurde mir klar, dass es sich beim grauen Pelz wohl um die Serienausstattung britischer Hörnchen handelt. Ein Abriss der deutschen und britischen Hörnchenkultur …

Die großen, grauen Eichhörnchen, im Deutschen „Grauhörnchen“, kommen ursprünglich aus den USA und wurden laut Wikipedia 1889 vom Menschen in England eingebürgert. Im Süden von Großbritannien haben sie die roten Eichhörnchen inzwischen fast ganz verdrängt. Lediglich in Schottland trifft man die roten Nager auch heute noch häufiger an.

Das Wort Eichhörnchen wurde trotz ursprünglich anderer Herkunft schon früh an die Wörter „Eiche“ (oak) und „Hörnchen“ angelehnt, welches wiederum auf die Benennung von tierischen Geweihen (im Englischen ebenfalls horn) zurückgeht. „Hörnchen“ kann jedoch im Deutschen vielerlei bedeuten. In der Umgangssprache wird eine „Beule“ am Kopf gern als „Hörnchen“ bezeichnet. Ein „Hörnchen“ kann man aber auch essen – entweder in Form des Butterhörnchens aus Hefeteig oder der französischen Croissants oder als Eiswaffel. Um haarige Probleme zu vermeiden, gilt es bei der Aussprache genau zu unterscheiden: „Eichhörnchen“ oder „Eishörnchen“ (ice cream cone). Bei Kindern unter etwa drei Jahre heißt beides „Eishörnsen“.

Die Italiener lieben ja übrigens Teighörnchen mit Cremefüllung, cornetti genannt, nach demselben Wortursprung. Demnach geht der Markenname Cornetto ebenfalls auf das italienische Wort für „Hörnchen“ zurück.

Und dann gibt es noch Hörnchennudeln und die Kartoffelsorte „Bamberger Hörnchen“. Und im nicht-kulinarischen Bereich die Fahrradlenker-Erweiterungen.

Eichhörnchen heißt übrigens squirrel auf Englisch. Das gibt’s auch als Verb. Im Deutschen bezieht man to squirrel away auf ein anderes Tier und nennt es „hamstern“. In der Umgangssprache gibt es auch den Ausdruck squirrel fund, der sich analog zu der Überwinterungsmetapher auf Geld bezieht, das man für schlechte Zeiten beiseite schafft.

Die Österreicher, die für so einige Dinge viel süßere Wörter haben als die Deutschen, nennen das squirrel übrigens Eichkatzerl (gesprochen: „Oachkatzerl“). Wie wunderbar! Wer das nicht mag, ist ein Hörnchenochse. Übrigens würde mein englischer Ehemann hier sagen: „Österreichisch klingt wie wenn ein Inder Deutsch spricht.“

Und nächstes Mal geht’s um ein sehr deutsches Gericht, das gern mit Bamberger Hörnchen serviert wird.

Der Pommes-Buddha sagt: Im Becher oder im Hörnchen?

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