Rote Sauce

tomato ketchup

Was ist ein „halber Hahn“? Die meisten Deutschen werden hier zunächst an ein halbes Brathähnchen (in Ostdeutschland „Broiler“) denken. Wer jedoch in Köln einen „Halven Hahn“ bestellt, bekommt ein Roggenbrötchen mit einer fingerdicken Scheibe Gouda serviert. Doch nicht nur im Deutschen gibt es Ausdrücke, die nicht das sind, was sie vorgeben.

Die englische Sprache wird oft unterschätzt. Wer sie lernt, macht anfangs oft rasch Fortschritte, da die Grundregeln ihrer Grammatik leicht zu erlernen sind. Hat man jedoch ein gewisses Niveau erreicht, ist das Englische ebenso komplex und facettenreich wie andere Sprachen. Es kann durchaus verwirrend sein – sowohl phonetisch als auch semantisch. Die folgenden Wörter beispielsweise werden im Britischen gleich ausgesprochen: torque und talk, pair und pear, shake und sheikh. Dahingegen werden nachfolgende Wörter je nach Kontext und Bedeutung jeweils unterschiedlich ausgesprochen: read, wound, tear. Und dann gibt es noch die Wörter, meist Eigennamen, die viel zu viele (also stumme) Buchstaben haben: Worcester, Leicester, Warwick.

Für Außenstehende ist es vollkommen unlogisch, dass Privatschulen in England public schools heißen, dass marmalade ausschließlich aus Zitrusfrüchten gemacht werden darf und dass die wichtigsten Spiele des Nationalsports Cricket sich test matches nennen. Manche Engländer sagen dinner und meinen das Mittagessen, manche sagen tea und meinen das Abendessen. Und das, was wir (und die Amerikaner und wahrscheinlich alle anderen Völker der Welt) schlicht „Ketchup“ nennen, betiteln die Briten oft als red sauce oder tomato sauce. Und dann gibt es noch brown sauce, eine würzige Tinktur, die in so gut wie jedem englischen Vorratsschrank zu finden ist – ähnlich beliebt wie Maggi im deutschen Durchschnittshaushalt. Überhaupt ist alles Mögliche sauce, was in anderen Sprachen niemals so genannt würde. Außer Bratensauce, die heißt gravy.

Als wir vor einiger Zeit mit unserer englischen Familie im Urlaub waren, fragte Auntie Sylvie meine dreijährige Tochter, auf die Ketchup-Flasche zeigend, wie red sauce auf Deutsch heiße. Das Kind sah sie völlig ungläubig an. Man konnte ihm beim Denken zusehen: „Ist das eine Fangfrage oder bist du wirklich so doof, dass du das nicht weißt?“ Es entschied sich für letztere Variante und sagte mit bevormundender Fassungslosigkeit: „Ketchup!“ Tante Sylvie und alle Anderen, die ein elaboriertes deutsches Wort erwartet hatten, schüttelten sich vor Lachen.

Wusstet ihr übrigens, dass die englische Sprache mehr als eine Million Wörter hat?

Natürlich hat das Deutsche auch sehr, sehr viele Wörter. Und was die Deutschen „englisch“ nennen und umgekehrt, erfahrt ihr nächste Woche!

Der Pommes-Buddha sagt: Would you like some black pudding for dessert?

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Rut un wieß

Pommes frites

Damit meint der Rheinländer eigentlich die Farben seines Herzensfußballvereins, des 1. FC Köln. (Das gleichnamige Lied der Kölner Band Bläck Föös wurde zur Hymne, die vor jedem FC-Spiel im Stadion gesungen wird.) „Pommes rot-weiß“ allerdings, gelegentlich auch „Pommes Bahnschranke“ („chips railway gate style“, da die Schranken an Bahnübergängen in Deutschland rot-weiß gestreift sind) genannt, sind ein Klassiker in deutschen Pommesbuden.

Die Farbbezeichnung ist eine Anspielung auf die beiden deutschen Beigaben zu Pommes frites schlechthin, nämlich Ketchup und Mayonnaise (im Volksmund kurz „Mayo“).

Mayonnaise??? With chips??? Schüttelt es die entsetzte Engländerin. In „good old Britain“ wird diese sämige Verbindung aus Eigelb und Öl ausschließlich als Geschmacksträger auf Sandwiches verwendet, oder gelegentlich mal in einem Salat. Nein, der echte Brite, vorwiegend der unteren und mittleren Gesellschaftsschichten, isst seine chippies niemals ohne Essig! Und zwar nicht irgendeinen Essig (obschon er, so er sich länger in unserem schönen Land aufhält, mangels Alternativen in deutschen Küchen manchen Kummer tapfer zu ertragen gezwungen ist), sondern Malzessig.

Obgleich in unseren Breiten inzwischen die Kartoffelchips mit „Salt & Vinegar“-Geschmack Einzug erhalten haben und zahlreiche Abnehmer zu finden scheinen, treten dennoch bei den meisten Teutonen allein bei der Vorstellung von Pommes frites mit Essig die Geschmacksnerven in Generalstreik.

Nun ja. „There’s all sorts,“ wie der Engländer sagt. Oder: „Jede Jeck is anders,“ wie es im Rheinland heißt. Im Norden Deutschlands sagt man eher: „Wat dem eenen sin Uhl, is dem annern sin Nachtigall.“ Aber mehr dazu nächste Woche …

Der Pommes-Buddha sagt: Es ist egal, was du auf deine Pommes tust. Hauptsache ist, es macht dich glücklich.

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