Wer ist der Typ?

Fireworks over Palace of Westminster

Wer erinnert sich noch an die ziemlich schlechte Fernsehshow Familienduell? Dort hieß es immer: „Wir haben 100 Leute befragt …“ und die Kandidaten sollten raten, welche die häufigsten Antworten waren. Würde der Satz weiter lauten: „… welches Ereignis sie am ehesten mit einem Feuerwerk verbinden“, so wäre die Top-Antwort in Deutschland höchstwahrscheinlich „Silvester“. In dem britischen Pendant Family Fortunes wäre dem sicherlich nicht so …

Remember, remember the fifth of November … so geht ein Gedicht, das an den 5. November 1605 erinnern soll, an dem ein Sprengstoffanschlag auf die Houses of Parliament vereitelt werden konnte. Dieser Tag ist nach dem Hauptverschwörer des Attentats Guy Fawkes Day benannt. Dieser auch Bonfire Night genannte Tag wird im Vereinigten Königreich groß gefeiert.

Das Feuerwerk ist nur eine von vielen mit diesem Feiertag verbundenen Traditionen. Viele Kinder basteln eine große Strohpuppe, die Guy Fawkes verkörpern soll. Mit dieser laufen sie in den Tagen vor dem 5. November durch die Nachbarschaft oder die Innenstadt und bitten um einen „Penny for the Guy!“ Wie so viele englische Bräuche weist auch dieser Parallelen zum deutschen bzw. rheinischen Brauchtum auf. Kölner ahnen es schon: Den Guy aus Stroh ereilt dasselbe Schicksal wie seinen Cousin, den Nubbel. Er wird am Abend in einem großen Feuer verbrannt. (Feuer im November wiederum erinnert an den deutschen Sankt-Martins-Brauch.)

Der geplante Anschlag ging als Gunpowder Plot in die Geschichte ein, da das Londoner Parlamentsgebäude zum Tag des opening of Parliament (Eröffnung der Sitzungsperiode), also unter Anwesenheit der königlichen Familie, durch Entzünden etlicher Pulverfässer in die Luft gesprengt werden sollte. Wer sich eine Erläuterung des Guy Fawkes Day in verständlichem Englisch anhören möchte, sei auf das YouTube-Video von EnglishClass101.com verwiesen.

Einige Ereignisse in The Empty Hearse, der Eröffnung der 3. Staffel der brillanten Miniserie Sherlock, einer modernen Adaption der Arthur-Conan-Doyle-Klassiker um den Privatdetektiv desselben Vornamens, versteht man besser, wenn man die Geschichte um Guy Fawkes kennt. Sherlock ist absolut empfehlenswert – nicht nur, weil es sich um äußerst raffinierte und unkonventionell inszenierte Neuinterpretationen handelt, sondern auch, weil sich hierin viele Anspielungen auf die britische Kultur verstecken.

A propos Kultur: Nächste Woche geht’s darum, wie man sich als Deutscher durch den Alltag bewegt.

Der Pommes-Buddha sagt: Am Tag des Guy gibt’s Böllerei.

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A saint called Martin

Different handmade lanterns, Sankt Martin

Have some of you expats, newly-arriveds and visitors ever wondered about parades of children with lanterns accompanied by a horse and rider crowding the streets in the November twilight? Or about open fires that no-one seems to be concerned about? And what is a Martinsgans, anyway?

Apart from the regional beginning-of-carnival-season craze, 11 November in Germany is also St Martin’s Day. In late October and early November, schools and nurseries are busy making lanterns with the children, which the little ones then carry proudly on the day of the parade, suspended from poles with little light bulbs to illuminate the precious artworks. Songs are sung, ‘Sankt Martin’ being the most famous one, and ‘St Martin’ and the horse guide the crowd around the block to the bonfire. And then, there’s the best part: each child gets a Weckmann, also called a Stutenkerl in some regions, a man made of fluffy white yeast dough clutching a clay pipe (which used to be a real pipe until everyone knew that it was excellently suited for smoking weed, so now it is just a phoney thing).

This is all in honour of St Martin of Tours, an ascetic monk-turned-bishop who, the story goes, compassionately cut his cloak in half to share it with a beggar who was freezing in the snow. The custom of the bonfire (‘Martinsfeuer’) is likely to stem from Germanic midwinter and thanksgiving traditions, with the lanterns (and sometimes torches) fulfilling the same role. The Weckmann probably represents St Martin himself.

During this time of year, many restaurants offer a traditional ‘St Martin’s Goose Meal’ of roasted goose leg served with red cabbage and potato dumplings. This goes back to a legend of St Martin hiding among geese to avoid a fuss over his becoming a bishop and being ‘told on’ by the animals. If your bouche has been ‘amused’ by this, you will look forward to the Variations of Lime on next week’s menu.

The Pommes Buddha says: We love a bit of goose-flesh in the winter.

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